Anleihen mit Entspannungssignalen – Hiesige Bluechips zahlen Aufpreis

Frankfurter Wertpapierbörse: Die massiven öffentlichen Maßnahmen zur Unterstützung der Wirtschaft im Euroraum scheinen erste Früchte zu tragen. Unternehmen refinanzieren sich wieder verstärkt über den Bondmarkt. Trotz „Quasi-Stillstand“ bis zum 20. März wurden vergangenen Monat laut Paula Weißhuber von der Bank of America Anleihen im Volumen von über 59 Milliarden Euro von Firmen und Finanzinstitutionen im Euromarkt platziert.

Damit seien die 55 Milliarden Euro vom März 2019 binnen eineinhalb Wochen übertroffen worden.

Hierzulande wird der Optimismus unter anderem von der Aussicht auf Mittel aus dem Corona-Stabilisierungsfonds der Bundesregierung getragen. Dieser hält insgesamt 400 Milliarden Euro für die Refinanzierung von Unternehmen über den Kapitalmarkt bereit.

Noch wird an den Details der Hilfen gefeilt.

Klar scheint aber, dass die Garantien für Bonds auf fünf Jahre festgelegt werden.

Unternehmen müssen zudem bestimmte Kriterien erfüllen, um sie in Anspruch nehmen zu können.

 


 

Hiesige Bluechips zahlen Aufpreis

„DAX-Konzerne wie VW, Daimler und Fresenius sind bereits aktiv und bieten anders als in den vergangenen Jahren auch für Privatanleger attraktive Konditionen jenseits der 0 bis 1 Prozent“, stellt Rainer Petz von der Oddo Seydler Bank fest.

Für einen fünfjährigen Bond (WKN A2LQ6K) biete der VW-Konzern zum Beispiel jährlich 3 Prozent. Ein bis 2023 laufender Wert (WKN A2LQ6H) bringe Investoren einen Kupon von 2,5 Prozent und für eine Anleihe mit Fälligkeit in 2028 (WKN A2LQ6L) legten die Wolfsburger 3,375 Prozent Zinsen auf den Tisch. Die Emissionen in Stückelungen von 1.000 Euro spülten insgesamt 2,15 Milliarden Euro in die VW-Kassen.

Daimler (WKN A289RN) bringe Käufern für einen fünfjährigen Bond im Volumen von 1,5 Milliarden Euro nominal 2,625 Prozent Zinsen im Jahr.

Fresenius kommt Petz zufolge mit einem Kupon von 1,625 Prozent für eine Anleihe mit Fälligkeit in 2027 (WKN A254TA) etwas günstiger davon. „Das liegt an der Branche.“ Fresenius verdiene sein Geld in der Medizintechnik und Dienstleistungen in der Gesundheitsbranche.

 

Deutsche Bahn gibt weniger

Dem gegenüber platzierte die Deutsche Bahn einen 900 Millionen Euro schweren, siebenjährigen Bond (WKN A254TB) erfolgreich am Markt und zahlt Anlegern dafür jährlich 0,5 Prozent Zinsen.
Kreditaufnahme klappt

„Es gab in dieser Woche viele Neuemissionen“, berichtet Arthur Brunner von der ICF Bank. „Dank Europäischer Zentralbank funktionieren die Kreditmärkte gut.“ Staaten wie Portugal (WKN A28VSL) und Belgien (WKN A28VNV) hätten sich problemlos und zu annehmbaren Konditionen am Markt refinanziert. „Die Bonds waren sehr stark gefragt.“

Höheres Ausfallrisiko wahrscheinlich

Selbst im Handel mit höher verzinsten Unternehmensanleihen sieht Brunner insgesamt leichte Entspannungstendenzen. „Die Lage hat sich etwas beruhigt“, beschreibt der Händler. Dennoch dürften die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise nach Ansicht der Helaba trotz staatlicher Stützungsmaßnahmen zu steigenden Ausfallquoten bei Corporate Bonds führen.

 


 

Hybridanleihen werden gemieden

Hybridanleihen etwa von VW (WKN A1ZE21) mit einem Kupon von 4,625 Prozent sieht Brunner tendenziell unter Verkaufsdruck. Der Wert büßte in den vergangenen Tagen über 6 Prozent auf rund 92 Prozent ein.

 

Eyemaxx und Lufthansa gesucht

Gute Umsätze mit überwiegenden Käufen registriert der Händler in einer fünfjährigen, mit jährlich 5,5 Prozent verzinsten Eyemaxx Real Estate-Anleihe (WKN A2YPEZ). Einen Grund vermutet Brunner in der fristgerechten Rückzahlung eines 13,3 Millionen schweren Bonds (WKN A12T37) zum 31. März.

Zu den meist gehandelten und zumeist gekauften Bonds zählt Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank eine bis 2024 laufende Lufthansa-Anleihe (WKN A2YNV6) mit einem Kupon von 0,25 Prozent.

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