Atomenergie: Comeback dank Laufzeitverlängerung?

Kaum ein Wirtschaftszweig hat die politische Debatte hierzulande in der letzten Zeit ähnlich befeuert wie die Energiewirtschaft. Der von Rot-Grün seinerzeit installierte Atomausstieg wurde vorläufig “verlängert” – und zwar um 14 Jahre auf das Jahr 2036. Es ist ein offenes Geheimnis, dass dieser Beschluss maßgeblich von der so genannten Atom-Lobby mit-erwirkt wurde, einer der stärksten Lobbys unseres Landes.

Starke Atomenergie-Lobby

Kürzlich wurde bekannt, dass die Bundesregierung bei ihrem Gesetzesentwurf von Anwaltskanzleien beraten wurde, die unter anderem den Energie-Riesen RWE auf der Liste ihrer Klienten haben. Überhaupt scheint der gesamte Deal den Versorgern gut ins Konzept zu passen, wenn man noch ein wenig tiefer recherchiert. Dadurch ergibt sich jedoch ein Rückschlag für die regenerativen Energien in Deutschland.

Prekäre Versorgungs-Situation

Die Ware Strom kann mittlerweile auf vielen Wegen gewonnen werden. Es gibt CO2-intensive Kohlekraftwerke, dann die Risiko-behaftete Atomenergie und letztlich sauberen Strom aus Solar- und Windkraft. Wir stehen heute der prekären Situation gegenüber, dass unsere vorhandenen Kraftwerke zwar den Verbrauch decken, jedoch aufgrund der Verschmutzung oder der Risiken nicht nachhaltig sind und zur schrittweisen Umstellung auf regenerative Energien, die im Grunde von allen Schichten der Gesellschaft favorisiert wird, große Investitionen notwendig wären.

Höhere Gewinne für die Versorger

Für den profitorientierten Verstand macht es also Sinn, die ohnehin abgeschriebenen Großanlagen weiterhin zur Stormerzeugung zu verwenden, da die so gewonnene Energie deutlich billiger ist als beispielsweise die aus teuer errichteten Offshore-Windparks. Unseren quasi-monopolistischen Versorger kommt also die Laufzeitverlängerung sehr gelegen. Dies wird sich auch positiv auf deren Konzernbilanzen auswirken. Sogar die in den Jahren 2011 bis 2016 anfallende Atomsteuer mit jährlich geschätzt 2,3 Milliarden Euro Umfang sollten sich als Opportunitätskosten letztlich lohnen.

Was geschieht mit Solar und Wind?

Das Problem der regenerativen Energien sind deren hohe Kosten, deren Wirtschaftlichkeit im Allgemeinen. Nach einer anfänglichen Ökostrom-Charmeoffensive meldete der Versorger E.ON nun, dass man die Pläne der Bundesregierung, bis 2020 Offshore-Windanlagen mit einem Output von zehn Gigawatt zu errichten, wohl nicht umsetzen könne. Es gebe technische Probleme und Finanzierungsengpässe.

Eigentlich nachvollziehbar, dass die Versorger vorerst keine großen Investitionen in Wind- und Solarenergie tätigen wollen, wo doch jetzt ihre Atommeiler weiter am Netz bleiben und weiterhin billigen Strom liefern, mit welchem dann andere Erzeuger von Windenergie konkurrieren müssten. Ganz aktuell meldete der Bund sogar, große Kredite für Windanlagen zur Verfügung zu stellen.

Boom-Branche kämpft ums Überleben

Für die einstige Boom-Branche der Wind- und Solaranlagen-Hersteller sind dies alles denkbar ungünstige Vorzeichen. Die Wirtschaftskrise hat dafür gesorgt, dass größere Investitionen ausblieben. Nun fehlen die Abnehmer. International ist die Konkurrenz groß, die Chinesen haben beispielsweise den Großteil ihrer Windanlagen-Produktion mittlerweile selbst in der Hand. In Deutschland und Europa ist auf absehbare Zeit nicht mit einer Vergrößerung des Marktes zu rechnen – eher mit dem Gegenteil. Der einstige Boom ist in der harten Realität gelandet.

Fazit

Der Atomkompromiss spielt der Atomlobby gut in die Karten. Auf mittlere Sicht haben die Versorger ihre Dominanz auf dem hiesigen Strommarkt bewahrt und spielen nach wie vor beim Umbau hin zu regenerativen Energien eine tragende Rolle, auch wenn sie diesen wirtschaftlich nicht unterstützen und damit blockieren. Das ist ein schwerer Dämpfer für die noch junge Industrie der Wind- und Solaranlagenhersteller. Fragen zu Themen wie Umwelt und Klimawandel werden wie gewohnt vollkommen ignoriert.

Anlage-Tipp

Von Öko-Investments ist derzeit eher abzuraten. Unsere Favoriten, um von der Laufzeitverlängerung zu profitiern, haben wir Ihnen in einem aktuellen Spezial-Report “Atomenergie – 3 Gewinner der Laufzeitverlängerung” zusammengstellt. Hier gelangen Sie zum kostenlosen Download…

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