Auslandsaktien: Online-Supermärkte kaum aufzuhalten

Börse FrankfurtIst Corona lediglich ein kurzfristiges „Window of Opportunity“ für den Online-Supermarkt oder führt die Krise zu einem endgültigen Durchbruch der Branche? Fast ein Viertel der Deutschen und rund ein Drittel der Franzosen, Spanier und Italiener kauften laut einer Befragung der Unternehmensberatung PWC Dinge des täglichen Bedarfs in erster Linie online ein.

Jeder zweite deutsche Städter, der Lebensmittel online bestellt, kauft demnach heute mehr Lebensmittel im Netz ein als vor Corona. 82 Prozent davon möchten dies PWC zufolge in dem Umfang beibehalten.

Supermarkt-Betreibern mit Plänen zum Aufbau eines profitablen Online-Business rät PWC, sich etablierte Unternehmen in der Branche zum Vorbild zu nehmen. Zu einer vielversprechenden Strategie gehörten unter anderem automatisierte Warenlager oder der Einsatz statistischer Modelle zur Prognose der Nachfrage und des erforderlichen Warenbestands.

 


 

Ocado: Fast ein Technologiewert

Liefern könnte diese Technologie zum Beispiel die britische Ocado, wie Roland Stadler von der Baader Bank meint. Ocados Geschäft läuft zweigleisig. Neben dem Online-Verkauf von Supermarktprodukten bietet das in 2002 gegründete Unternehmen über Ocado Solutions die Systeme für den Internet-Vertrieb globaler Retailer wie Kroger aus den USA, Sobeys aus Kanada und Waitrose aus Großbritannien.

In diesem Know-How für Lagersoftware und -Machinen samt hunderten von Patenten sieht die Ocado-Führung ihre künftigen Profite. Ein Schritt in die richtige Richtung sei die Planung von 20 Verteilungszentren in den USA in Kooperation mit Kroger. Drei davon befänden sich bereits im Bau, sechs weitere seien zugesagt.

Anleger erkennen in dem Geschäftsmodell scheinbar viel Potenzial. Innerhalb von drei Jahren stieg die Ocado-Aktie von 3,30 auf gut 30 Euro. Die Pandemie habe dem Wert den größten Schub verliehen. Profitabel ist Ocado allerdings noch nicht, das soll laut Unternehmen in 2024 erstmalig der Fall sein.

Costco: Gut positioniert

Mit einem Anstieg von 252 auf rund 300 Euro befindet sich die Aktie Costco Wholesale seit dem Tief im März tendenziell im Aufwärtstrend, wie Walter Vorhauser von der Oddo Seydler Bank feststellt. „Seit Anfang 2019 hat sich der Wert fast verdoppelt.“ In den vergangenen zehn Jahren versiebenfachte sich der Costco-Aktienkurs auf Eurobasis. Damit zähle das Unternehmen zu den High Flyern in der Branche.

Für das vierte Quartal verbuche der US-Handelsriese mit seinen 795 Warehouse Clubs 12,5 Prozent mehr Umsatz. Der Online-Absatz habe um 91 Prozent zugelegt. Rechne man Lieferungen von Drittanbietern etwa über Instacart hinzu, hätte sich dem Unternehmen zufolge der Absatz im E-Commerce um 120 Prozent verbessert.

„Costco profitiert sehr stark von Corona“, urteilt Vorhauser. Menschen verbrächten viel Zeit zuhause am Computer. Für das Gesamtjahr 2020 komme Costco mit 163,22 Milliarden US-Dollar auf einen im Vorjahresvergleich 9,3 Prozent höheren Nettoumsatz. Der Reingewinn sei von 3,66 auf vier Milliarden US-Dollar gewachsen.

Home Depot: Black Friday findet im Netz mit Verlängerung statt

Für Home Depot macht sich die Pandemie Vorhauser zufolge ebenfalls bezahlt. Die Aktie der US-Baumarktkette gewann seit Anfang Januar von 196 auf 238 Euro hinzu. Vor zehn Jahren war der Wert noch für rund 20 Euro zu haben.

Home Depot habe Anfang August mit einem Umsatzanstieg von 30,84 auf 38,1 Milliarden US-Dollar überzeugende Zahlen für das zweite Quartal vorgelegt. Ebenso sei der Gewinn mit 4,3 Milliarden US-Dollar gut 22 Prozent höher ausgefallen als im Vorjahr.

„Das Unternehmen lässt sich hinsichtlich der zunehmenden Bestellungen über das Netz einiges einfallen.“ Unter anderem erleichterten standardisierte, einfach zu bedienende Planungsfunktionen für Renovierungsarbeiten den Einkauf per Knopfdruck. „Für die anstehenden Black Friday-Tage rund um Thanksgiving plant Home Depot, die Phase der Schnäppchenpreise auszuweiten.“

 


 

Walmart: Amazon auf der Spur

Nicht ganz so überzeugt scheinen Anleger hinsichtlich der Aussichten von Walmart. Die Aktie des US-Händlers legte seit Jahresbeginn von 106 auf rund 120 Euro nur leicht zu. „Walmart erweiterte gerade die seit fünf Jahren bestehende Partnerschaft mit Beyond Meat“, weiß Stadler.

Zudem habe sich das Handelsschwergewicht im Bieterrennen um Tiktok mit Microsoft verbündet. Mit der Acquisition wäre Walmart im aufstrebenden elektronischen Handel über die Plattformen der sozialen Netzwerke gut positioniert.

Dieser so genannte „Social Commerce“ brachte in China laut Emarketer 2019 Umsätze von über 180 Milliarden Dollar auf die Waage und soll in anderen Teilen der Welt ebenfalls an Bedeutung gewinnen. „Ob Walmart und Microsoft Erfolg haben werde, ist fraglich.“ Tiktok bemühe derzeit die Gerichte, um einem Zwangsverkauf zu entgehen.

Auch ohne Tiktok sei Walmart durch Zukäufe einer Reihe von Online-Händlern und einem Logistikspezialisten auf gutem Weg. Mit dem jüngsten Kundenbindungsprogramm Walmart+ bietet der Händler – ähnlich wie Amazon Fresh –Gratislieferungen von Lebensmitteln.

Weitere News Beiträge Weitere News Beiträge