China: Wirtschaft im Wandel – Chancen für Aktionäre?

Deutsche Asset Management ETFs: Chinas Wirtschaft ist im Umbruch. Sie soll nicht länger die Werkbank der Welt sein, sondern nachhaltiger werden und sich stärker Richtung Hochtechnologien ausrichten. Dazu gehört auch eine Öffnung der Märkte, was vom Indexanbieter MSCI honoriert wird, indem er erstmals chinesische A-Aktien in den MSCI Emerging Markets Index aufnehmen wird.

China hat die Welt einmal mehr überrascht. Obwohl die Zeichen auf verlangsamtem Wachstum, Rückführung der Kredite, Abbau von Überkapazitäten und einem Umbau der Volkswirtschaft stehen, hat Chinas Konjunktur im zweiten Quartal 2017 deutlich über den Erwartungen um 6,9 Prozent zugelegt.

Reich der Mitte im Wandel

Das übermäßige Wirtschaftswachstum, das es China ermöglichte, innerhalb relativ kurzer Zeit zu den Industrienationen aufzuschließen bzw. etliche bereits zu überflügeln, zollt inzwischen einen hohen Tribut. Es haben sich "gravierende ökonomische, soziale und ökologische Probleme angehäuft", wie die China-Experten des Auswärtigen Amts beschreiben, die sich in den nächsten Jahren noch verschärfen könnten.

 

Daher hat die chinesische Regierung beschlossen, die Volkswirtschaft nachhaltiger auszurichten. Sie soll von einer investitions- und exportgetriebenen zu einer innovationsgetriebenen Wirtschaft umstrukturiert werden. China will kurz gesagt nicht länger die "Werkbank der Welt" sein, sondern sich mehr und mehr zu einer modernen Dienstleistungsgesellschaft und High-Tech-Nation wandeln.

 

Die entsprechenden Programme heißen „Made in China 2025“ oder auch „Neue Seidenstraße“. Hinter „Made in China 2025" etwa steckt nicht weniger als das ehrgeizige Ziel, eigene "Global Player" in strategisch relevanten Bereichen wie der Luftfahrtindustrie, Elektromobilität und Schienenfahrzeuge oder Automatisierung und Robotik aufzubauen.

 

Das Seidenstraßen-Projekt wiederum ist ein 900-Milliarden-Dollar schweres Investitionsprogramm, das Experten mit dem Marshallplan vergleichen, mit dem die USA nach dem 2. Weltkrieg Westeuropa wieder auf die Beine verhalf.

 

Das Ziel ist, entlang der historischen Seidenstraße und darüber hinaus ein Netzwerk aus Straßen, Eisenbahnen, Häfen und Flughäfen zu errichten, um die alten Handelsrouten zu Lande und zur See wiederzubeleben – und eine Vielzahl von Ländern enger an China zu binden.

 

Dabei gehe es nicht nur um eine bessere Auslastung der chinesischen Bau-, Stahl- und Transportunternehmen, die immense Überkapazitäten aufgebaut hätten und hoch verschuldet seien, sondern auch um mehr Einfluss Chinas in der Welt – „also um Geopolitik“, wie Beobachter feststellen.

 

Schuldenabbau hat Priorität
Chinas Staatschef Xi Jinping hatte unlängst verkündet, dass der Abbau der zum Teil sehr hohen Schulden von Staatsbetrieben hohe Priorität habe, und dass auch gegen „Zombie“-Firmen vorgegangen werde müsse, die nur noch mit neuen Krediten künstlich am Leben gehalten werden. Die Schuldenlast Chinas ist inzwischen so groß, dass die Ratingagentur Moody’s im Mai erstmals seit 1989 das Länderrating von Aa3 auf A1 herabgesetzt hat.

 

Chinas Kreditwürdigkeit wurde aufgrund stark steigender Schulden bei zugleich abnehmenden Wachstumsraten um eine Stufe heruntergenommen, so die Begründung, was von chinesischer Seite scharf kritisiert wurde. Da wirkt das unerwartet gestiegene Wirtschaftswachstum im 2. Quartal wie ein Befreiungsschlag.

 

Ausgelöst wurde es nach ersten Analysen vor allem durch einen neuen Rekord in der Stahlproduktion. Obwohl nach offizieller Auskunft bereits 600 Stahlwerke geschlossen seien, um die Überkapazitäten abzubauen, wurde im 1. Halbjahr 2017 um 4,6 Prozent mehr Stahl produziert als im Vorjahreszeitraum. Das von Ministerpräsident Li Kequiang vorgegebene Wachstumsziel von 6,5 Prozent oder mehr könnte nach Auffassung von Beobachtern auch durch die stärkere Verlagerung zu Hochtechnologien erreicht werden.

 

Das reiche von IT über neue Materialien wie Verbundwerkstoffen bis zu Biotechnologie und Medizintechnik. Geschäftsfelder sehen die GTAI-Experten vor allem in den Bereichen Umwelttechnologien, höherwertige und gesündere Lebensmittel sowie Produkten, die auf die Bedürfnisse einer alternden Gesellschaft zugeschnitten sind.

MSCI erlaubt chinesische Aktien
Last but not least übermittelte der Indexanbieter MSCI gute Nachrichten insbesondere für die Finanzwelt, indem er Ende Juni bekanntgab, insgesamt 222 chinesische A-Aktien, meist große Finanz- und Industriewerte, in den MSCI Emerging Markts Index aufzunehmen. Bislang hatte sich MSCI geweigert, Festlandaktien aufzunehmen, die an den Börsen Shanghai und Shenzhen überwiegend von Chinesen gehandelt werden, weil die Märkte zu verschlossen und intransparent seien.

 

Das habe sich geändert und MSCI honoriert nun, dass sich Chinas Aktienmarkt weiter geöffnet habe. Die erste Tranche von 222 Aktien, die die Anforderungen von MSCI erfüllen, wird ein Gewicht von 0,73 Prozent am Index haben. Unbedeutend zwar, doch wird das in China auch nur als erster Schritt gewertet. Insgesamt sind rund 3.000 A-Aktien an Chinas Festlandbörsen notiert, mit einem Börsenwert von 7,5 Billionen US-Dollar, was letztlich nach den USA den zweitgrößten Aktienmarkt der Welt bedeutet.

 

Aufgrund der Aufnahme der A-Aktien in den Index rechnen MSCI-Analysten damit, dass rund 18 Milliarden Dollar in die betreffenden Aktien fließen werden. Sollten sämtliche Titel aufgenommen werden, dürften es indes bis zu 350 Milliarden Dollar sein.

Investments in China
ETFs ermo?glichen eine transparente und flexible Partizipation an der Wertentwicklung von Aktien-Marktindizes bei gleichzeitig geringen Verwaltungsgebühren.

Grundsätzlich sollten Anleger beachten, dass Investitionen in Schwellenländer mit besonderen Risiken verbunden sind. Neben wirtschaftlichen Risiken sind auch politische und gesellschaftliche Unsicherheiten nicht auszuschließen. Generell unterliegt eine Anlage in Vermögenswerte der Emerging Markets in der Regel höheren rechtlichen, wirtschaftlichen und politischen Risiken als eine Anlage in Vermögenswerte der Industrieländermärkte.

 

 

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