Frankreich: Vive la Reform!

Deutsche Asset Management ETFs: Frankreich hat gewählt und sich mit Emmanuel Macron für einen neuen Staatspräsidenten entschieden. Mit der Wahl Macrons sind große Hoffnungen bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung unseres westlichen Nachbarn verbunden.

 

Der Anforderungskatalog reicht von einem gesteigerten Wirtschaftswachstum mit der Schaffung neuer Jobs, einer größeren Haushaltsdisziplin, um letztlich die europäische Defizitgrenze einzuhalten, Reformen zum Abbau von Bürokratie und einer Verringerung der Abgabenlast, einen verstärkten Kampf gegen den Terror und für mehr Sicherheit, eine stärkere Mitsprache in der Weltpolitik und schließlich auch das Einen des französischen Volkes, bei dem zuletzt ein großes Misstrauen in die politische Klasse festzustellen war.

Ein großer Vorteil für Macron ist, dass die französische Konjunktur bereits seit Mitte letzten Jahres anzieht. So war das Wirtschaftswachstum 2015 und 2016 mit 1,27 beziehungsweise 1,21 Prozent noch recht moderat ausgefallen. Im laufenden Jahr soll Frankreichs Wirtschaft demgegenüber um 1,6 Prozent zulegen, wie das Statistikamt INSEE unlängst vermeldete.

 

Auslöser hierfür waren die guten Quartalszahlen, die für das erste Quartal einen Zuwachs von 0,4 vermeldeten und für das zweite Quartal einen Zuwachs von 0,5 Prozent erwarten lassen.

Neuer Präsident plant Flexibilisierung des Arbeitsrechts
Optimismus für einen stärkeren konjunkturellen Aufschwung der weltweit sechsgrößten Volkswirtschaft schürt insbesondere die Ankündigung von Emmanuel Macron, Wirtschaft und Arbeitsmarkt weiter reformieren zu wollen. So will er den von Vorgänger François Hollande eingeschlagenen Weg zur Liberalisierung der Wirtschaft – unter anderem die Öffnung bislang regulierter Berufe, erweiterte Ladenöffnungszeiten oder die Lockerung des Fernbusverkehrs – sowie der Flexibilisierung des Arbeitsrechts weiter fortsetzen.

 

Das Ziel ist einerseits, die Beschäftigungsquote zu erhöhen und die Arbeitslosigkeit nachhaltig unter die Zehn-Prozent-Marke zu drücken, andererseits soll das Haushaltsdefizit unter die dreiprozentige Maastrichtgrenze zurückgeführt werden. Die wichtigsten Vorhaben zur Reform des französischen Arbeitsmarkts will der Präsident noch in diesem Sommer umsetzen.

Derzeit wird die wirtschaftliche Entwicklung in Frankreich in erster Linie durch den Konsum der privaten Haushalte sowie die Investitionen der Unternehmen getragen. Beide Faktoren sollten, insbesondere wenn sich die Beschäftigungslage spürbar verbessert und die Modernisierung der Wirtschaft fortschreitet, auch in den kommenden Jahren wesentliche Stützen der Entwicklung sein.

 

Die Aussichten dafür stehen gut. So planen die Unternehmen der produzierenden Industrie – insbesondere aus dem Bereich Maschinen und Ausrüstungen – laut einer Erhebung von INSEE ihre Investitionen im laufenden Jahr um sechs Prozent zu steigern.

Stärkung des industriellen Sektors steht im Mittelpunkt
Zugleich versucht die Regierung der Deindustrialisierung des Landes entgegen zu wirken. So hat sich der Anteil des industriellen Sektors an der Bruttowertschöpfung in den vergangenen drei Jahrzehnten von rund 24 auf nunmehr 11,4 Prozent mehr als halbiert. Zugelegt hat indes der Dienstleistungsbereich, der knapp 80 Prozent der Wirtschaftsleistung erbringt.

 

Bezeichnend auch, dass die Nahrungsmittelindustrie den größten Teil der verarbeitenden Industrie darstellt, gefolgt von der Chemie- und Pharmabranche und der Energiewirtschaft. Emmanuel Macron hat sich indes die Förderung von Zukunftsindustrien auf die Fahne geschrieben und will das 2015 vorgestellte Regierungsprogramm "Industrie du Futur" fortführen.

 

Die Säulen des Programms sind "die Entwicklung eines technologischen Angebots innovativer Fertigungsverfahren, die Begleitung der Unternehmen bei deren Einführung, die Fortbildung der Beschäftigten in der Industrie, die Vermarktung der Idee der Industrie der Zukunft durch Leuchtturmprojekte sowie eine verstärkte internationale Zusammenarbeit, insbesondere mit der deutschen Industrie 4.0-Initiative".

 

Erste Erfolge zeigen sich bereits an einer beschleunigten Hinwendung der französischen Wirtschaft zu digitalen Technologien, „was sich nicht zuletzt in einer lebhaften Startup-Szene und einer Vielzahl neuer internetbasierter Dienstleistungen zeigt“, so die GTAI-Experten. Das jüngste Projekt sieht ein gemeinsames Förderprogramm von Deutschland und Frankreich vor, um bei Mittelständlern und kleineren Unternehmen die Digitalisierung zu forcieren.

 

 

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