Sell in May and go away?

DEKA ETFs: Faustregeln an der Börse sind beliebt, aber funktionieren nicht immer. Dennoch trifft ihre Kernaussage häufig zu. Der schöne Spruch "Sell in May and go away" gehört dazu. Dahinter steht die Erfahrung, dass die Märkte meist im Sommer nicht so gut laufen, so dass man sie am besten vermeidet.

Zu dieser Saisonalität an der Börse gibt es viele statistische Untersuchungen, zum Beispiel für den DAX, der sich meist volatiler zeigt als andere Indizes. Bis zur Finanzkrise galt danach der Mai als leicht negativ. Deutliche Rückschläge von 0,3 Prozent brachten der August und 1,5 Prozent der September. Das hat sich seit der Finanzkrise geändert.

Jetzt sind es der Juni und der August mit einem durchschnittlichen Minus von zwei Prozent, während der Mai ein Plus von einem Prozent ausweist und der September leicht positiv ist. Der Oktober, dem der Ruf eines Crashmonats anhaftet, ist dagegen statistisch klar positiv mit Gewinnen von ein bis zwei Prozent.

 

Also gilt noch die Regel: Verkaufen Anfang Mai und Wiedereinsteigen Anfang Oktober?
Schaut man sich die einzelnen Jahre an, stellt sich das Bild differenzierter dar. 2009 konnte man von Mai bis Oktober 15 Prozent verdienen. 2011 wäre dem Anleger viel erspart geblieben, denn der August-Crash brachte einen Sommerverlust von fast 30 Prozent. 2015 gab es wieder eine Verlustperiode von 15 Prozent. Wer 2014 im Sommer aus dem Markt war, hatte kaum etwas verpasst, geriet aber beim Wiedereinstig im Oktober erst mal in einen Abwärtsstrudel.

Die Beispiele zeigen, dass ein statistisches Mittel nicht unbedingt als Regel taugt. Institutionelle Anleger richten sich denn auch nicht nach Faustregeln, sondern praktizieren ein ordentliches Risikomanagement, das immer schrittweise je nach Signallage ausgeübt wird. Scheint es gefährlich zu werden, reduzieren sie ihr Engagement oder sichern es ab. Versprechen die Signale Besserung wird wieder mehr Gas gegeben. Einfach fünf Monate aus dem Markt gehen und dann alles auf einmal wiederkaufen, kommt wegen der riesigen Volumina ohnehin nicht in Frage.

 

Ausschüttungen sind wichtig!
Zudem sind für viele Investoren, ob institutionell oder privat, die Ausschüttungen der Aktiengesellschaften wichtig. Mai und Juni ist Hochsaison für Dividenden. Wer die Aktien oder entsprechende ETFs in dieser Zeit nicht im Depot hat, geht leer aus. Bei einer Dividendenrendite von durchschnittlich zwei bis drei Prozent tut das weh.

Zudem fragt sich, was passiert mit dem Cash in diesen fünf Monaten? Zinsen gibt es kaum noch, und oft sind die Zinsen sogar negativ. Das war früher mal anders, aber zurzeit ist Cash nur hilfreich, wenn man sich dadurch von heftigen Krisen abkoppeln kann.

Für die Privatanleger ist es deutlich schwieriger, allein schon wegen der höheren Handelskosten, die im Normalfall bei Hin- und Her insgesamt ein Prozent ausmachen. Auf Dividenden bauen sie auch gerne, so dass sie nicht gerade zu Beginn der Saison aussteigen wollen. Die saisonalen Schwankungen an der Börse als Handelsmaxime nivellieren sich. Immerhin hat, wer den DAX seit Anfang 2009 einfach nur gehalten hat, 150 Prozent Gewinn erzielt.

Crash nein, aber Skepsis

In diesem Jahr mit den vielen neuen Rekorden ist die Skepsis besonders groß, ob das so weiterlaufen kann. Gut so! Skepsis ist selten der Auslöser eines Crashs, aber natürlich jederzeit für Korrekturen gut. Die sind immer wieder erwünscht. Aktuell bleibt festzuhalten, dass die Konjunktur in Europa an Fahrt gewinnt, die Unternehmensgewinne weiterhin steigen, das niedrige Zinsumfeld für Aktien spricht.

Wer sich trotzdem unbehaglich fühlt, sollte sein Depot durchforsten, was da schon als ausgereizt zu sein scheint und sich überlegen, ob er Teilgewinne realisiert. Die entlasten psychologisch ungemein. Kracht es, ist der Investor nicht so stark dabei, läuft es weiter aufwärts, profitiert er immer noch zum Teil. Schließlich kann er die realisierten Gewinne nutzen und neue vielversprechende Investments ins Auge fassen.

 

Kolumne von Dr. Bernhard Jünemann, Finanzjournalist

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