Deutsche Konjunktur: Erholung in Sicht?

AXA Investment Managers: Die deutsche Konjunktur hat 2018 enttäuscht und verzeichnet mit einem Rückgang von 2,5 Prozent gegenüber dem  Jahr 2017 auf 1,4 Prozent einen der niedrigsten jährlichen Zuwächse seit fünf Jahren. Grund dafür ist unter anderem das lahmende Exportwachstum, das durch schwierige geopolische Verhältnisse wie den Handelskrieg zwischen China und den USA, den Brexit und den Haushaltsstreit in Italien ausgelöst wurde.

Die höheren Ölpreise schwächten die Kaufkraft der Haushalte, und auch Sonderfaktoren wie neue Regulierungen für den Automobilsektor und das schlechte Wetter gingen an der Konjunktur nicht spurlos vorüber.

„Wir glauben jedoch, dass der deutsche Konjunkturzyklus noch einige Quartale weitergehen dürfte und das Bruttoinlandsprodukt 2019 um 0,9 Prozent steigen wird“, sagt Apolline Menut, Volkswirtin für die Eurozone bei AXA Investment Managers (AXA IM).

Als Gründe dafür nennt sie das Auslaufen der Einmaleffekte im Automobilsektor, einen anziehenden Binnenkonsum sowie eine steigende Nachfrage nach deutschen Exporten in China.

 

 

Export erholt sich allmählich
Der Automobilsektor gilt als Rückgrat der deutschen Wirtschaft: Sein Anteil an der Industrieproduktion lag 2016 mit 22,6 Prozent deutlich über dem EU-Durchschnitt von 10,6 Prozent. Automobile und Autoteile sind Deutschlands wichtigste Exportgüter – auf sie entfielen 2017 18,4 Prozent der deutschen Exporte.

„Die Exportschwäche dürfte aus unserer Sicht im ersten Halbjahr 2019 anhalten. Im zweiten Halbjahr 2019 könnte es dann aber zu einer Verbesserung kommen. Die Exporte innerhalb der EU dürften sich allmählich normalisieren, da sich der Wachstumsausblick für die wichtigsten Handelspartner verbessert: Italien lässt die Rezession im 2. Quartal 2019 wohl hinter sich, und das französische Wachstum legt weiter langsam zu.

Auch glauben wir, dass die Exporte in Nicht-EU-Länder von der Stabilisierung in China profitieren“, so Menut weiter. Da die Exporte nach China knapp 3 Prozent des deutschen BIP ausmachen, könnte dies die Wirtschaftsleistung im zweiten Halbjahr 2019 um 12 Basispunkte steigern.

Privater Konsum: Wenn aus Gegenwind Rückenwind wird
Eine höhere Inflation in Kombination mit niedrigen realen verfügbaren Haushaltseinkommen sorgten für schwächere Haushaltsaugaben in 2018. Dies dürfte sich Menut zufolge 2019 umkehren.

„Wir glauben, dass der private Konsum 2019 um 1,3 Prozent steigt. Die Einmaleffekte im Automobilsektor dürften allmählich nachlassen. Die Neuzulassungen von Autos stiegen im Januar und Februar stark und sind jetzt wieder so hoch wie im 1. Halbjahr 2018, als sie bei etwa 300.000 Fahrzeugen monatlich lagen. Da wieder Autos gekauft werden können, kann man davon ausgehen, dass die Haushalte für sie auch wieder Geld ausgeben“, sagt Menut.

Desweiteren rechnet die Expertin mit einem weiteren Reallohnanstieg. „Die Tariflöhne stiegen im Januar und Februar um ordentliche 2,8 Prozent, und wir glauben, dass die Dynamik 2019 aufgrund der Knappheiten am Arbeitsmarkt anhält. In den im Vergleich zur Industrie arbeitsintensiveren Dienstleistungsbranchen sind viele Neueinstellungen geplant, und die Kurzarbeit steigt kaum“, so Menut.

 

 

Günstige Entwicklungen am Arbeitsmarkt dürften die Reallöhne stärker wachsen lassen; die Expertin rechnet mit Zuwächsen um die 3 Prozent im Jahr 2019 gegenüber 2,6 Prozent im Jahr 2018. Auch der Mindestlohn stieg im Januar 2019 um 3,9 Prozent zum Vorjahr. Da die Bezieher niedrigerer Einkommen eine höhere Konsumquote haben, dürfte dies die Haushaltsausgaben weiter stützen.

„Und schließlich dürften negative Basiseffekte am Energiemarkt die Inflationsrate von 1,9 Prozent im Jahr 2018 auf 1,2 Prozent drücken, was die Kaufkraft der Haushalte deutlich steigen lässt“, resümiert Menut.

Darüber hinaus dürfte auch die Fiskalpolitik die verfügbaren Haushaltseinkommen stärken: 2019 wird die expansivere Fiskalpolitik voraussichtlich 100 Basispunkte zum BIP beitragen. Das kommt vor allem den Haushalten zugute, durch Anpassungen von Steuern, Rentenerhöhungen und Sozialtransfers sowie niedrigere Sozialversicherungsbeiträge.

„Da das Verbrauchervertrauen noch immer gut ist, glauben wir, dass das zusätzliche Geld überwiegend ausgegeben wird. Den deutlichen Anstieg der Sparquote Ende 2018 sehen wir in den Verzerrungen im Automobilsektor begründet, sodass wir in diesem Jahr nicht mit einer Wiederholung rechnen“, so die Expertin.

„Der Gegenwind im Jahr 2018 dürfte 2019 zum Rückenwind werden. Die expansivere Fiskalpolitik und der ordentliche Lohnanstieg dürften den Konsum zusätzlich stärken“, so Menut weiter.

Dennoch warnt Menut auch vor bösen Überraschungen. Denkbar sei, dass sich die chinesische Wirtschaft nicht stabilisiere, es zu einem ungeordneten Brexit komme und – das größte Risiko – die USA im Mai Zölle auf Automobilimporte verhängen. Dann könnte die deutsche Wirtschaft in die Rezession fallen.

 

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