Die Warnung des Weißen Wals

Bernstein BankNach den positiven Corona-Meldungen von Pfizer, Biontech und Moderna ist die Freude am Markt kaum noch zu bremsen. Umso interessanter ist der bearishe Zwischenruf von Masa Son, dem Konzernchef von Softbank.

Auf dem DealBook Online Summit der „New York Times“ warnte er vor einem unmittelbar bevor stehenden „Desaster“. Dabei hatte Softbank jüngst als gigantischer Weißer Wal selbst Hightech-Aktien in sich hinein gefressen.

Angst vor dem Domino-Effekt

Der Software-Chef spielte die Kassandra: In den kommenden Monaten könnten die Weltmärkte wegen einer zweiten, verstärkten Corona-Welle einknicken. Laut Son könnte dies selbst trotz erfolgreicher Impfstoffe „some major company“ in die Knie zwingen und einen Domino-Effekt auslösen, der um die ganze Welt läuft. Es müsse nur eine einzige Bank sein – genau wie bei der Lehman-Krise. Er selbst sei jedenfalls auf das „Worst-Case-Szenario“ vorbereitet, erläuterte Son.

Das Blog ZeroHedge wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Nasdaq-Futures seit fast vier Monaten auf der Stelle treten. Dabei sind die Hightech-Aktien stets der Vorreiter in der Euphorie.

Vielleicht war Son besonders pessimistisch, weil seine Firma im Sommer als „Weißer Wal“ Hightech-Aktien gejagt hatte und sich dabei ziemlich den Magen verdorben hatte.

So hat das Investment-Vehikel Northstar bis Ende September US-Hightech-Aktien im Wert von 17 Milliarden Dollar gekauft. Darunter 6,3 Milliarden an Amazon, 2,2 Milliarden an Facebook, 1,8 Milliarden von Zoom und 1,4 Milliarden von Alphabet. Seitdem sitzt das Konglomerat auf einem Minus von 3,7 Milliarden Dollar.

Und mit dieser Konzentration auf die Tech-Aktien haben wir mit der aktuellen (geld-)politischen und medizinischen Lage eine potenziell explosive Mischung parat. Das Porftolio der Softbank lässt auch Querverbindungen auf den Gesamtmarkt zu.

 


 

Wette auf Biden

Aus politischer Sicht war das Investment der Softbank eine Wette auf den Sieg von Joe Biden. Denn die Hightech-Firmen im Silicon Valley haben die Demokraten massiv unterstützt. Wie „Breitbart News“ unter Berufung auf die Medien-Firma Advertising Analytics berichtete, hat eine Lobby-Gruppe namens „Future Forward“ im Endspurt der Wahl sagenhafte 100 Millionen Dollar für Fernsehspots der Demokraten gespendet.

Rund 22 Millionen steuerte demnach Facebook-Co-Founder Dustin Moskovitz bei. Der frühere Google-CEO Eric Schmidt spendete 2,5 Millionen Dollar, wie auch die „New York Times“ berichtete. Crypto-Trader Sam Bankman-Fried gab 5 Millionen Dollar, der frühere Twitter-CEO Evan Williams 2,5 Millionen Dollar, Netflix-Chef Reed Hastings 1 Million.

Falls Donald Trump doch noch gerichtlich die Wahl kippt, droht Big Tech von dieser Seite Ungemach. Denn die Republikaner werden Rache nehmen.

Impfung killt Corona-Sonderumsätze

Gefährlich wird die Sache für Big Tech auch wegen des Impfstoffs. Fast alle der Firmen, bei denen Softbank sich eingekauft hat, sind Profiteure des Lockdowns – verstärkter Online-Handel, soziale Kontakte fast nur noch über Social Media, kein Kino oder Konzer mehr, sondern Filme zuhause, Web-Konferenzen statt Live-Meetings, stärkere Digitalisierung in den Firmen und so weiter. Wenn eine Impfung die Lage normalisiert, sprudeln die Gewinne bei den Krisengewinnern nicht mehr so stark wie bisher.

Die Rückkehr der Zinsangst

Und letztlich droht die Gefahr von der Zinsseite für die Hightechs. Falls die Federal Reserve zu der Auffassung gelangt, dass sich die Realwirtschaft stabilisiert, könnte sie das Quantitative Easing zurückfahren oder gar die Zinsen erhöhen. Und Wachstumsaktien reagieren stets besonders sensibel auf Zinserhöhungen.

Unser Fazit: Der Markt könnte sich bald der Kehrseite der Medaille in Sachen Corona-Durchbruch widmen. Und dann könnte die Stimmung schnell drehen. Zumal die American Association of Individual Investors gerade feststellte, dass die Bull Ratio – also das Verhältnis von Bulle zu Bär an der Wall Street – gerade auf unglaubliche 69 Prozent gestiegen ist. Wenn zwei Drittel der Akteure bullish sind – wer soll dann noch kaufen?

Aus charttechnischer Sicht bleibt die Sicht auf den Nasdaq Composite: Der hat jüngst ein Gap zwischen rund 11.200 und 11.400 gerissen, das geschlossen werden will.

Wenn das alles geschieht, droht auch dem S&P 500 im Falle eines Falles Ungemach: Nur fünf FAAMG-Aktien (Facebook, Apple, Amazon, Microsoft, Google – Mutter Alphabet) machen rund ein Fünftel der gesamten Marktkapitalisierung des S&P aus. Die Bernstein-Bank behält die Angelegenheit für Sie im Auge – und wünscht erfolgreiche Trades und Investments!

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