Diese Öl- und Gasaktien sind gefragt

Börse FrankfurtÜber 20 Prozent hat Starinvestor Warren Buffett seit dem Frühling am US-Ölkonzern Occidental Petroleum gekauft, spekuliert wird über eine Komplettübernahme.

Zu Buffetts Top-Investments gehört außerdem der US-Ölriese Chevron.

Buffett ist nicht der Einzige, der noch an die Zukunft der Branche glaubt.

Dabei galten Öl- und Gasaktien lange als Auslaufmodell. In eine Welt, die bis 2050 klimaneutral sein will, schienen sie nicht mehr zu passen.

Vor dem Comeback 2021 entwickelten sie sich über viele Jahre (meist) schlechter als der Markt.

Schon im vergangenen Jahr ging es für Öl- und Gasaktien aber nach oben, in diesem Jahr wegen des Ukraine-Kriegs und der daraus folgenden Energiekrise erst recht.

 

 

Im schwierigen Marktumfeld: Kursplus von 36 Prozent

Der MSCI Europe Energy, der Werte wie Shell, Totalenergies, BP, Equinor und ENI wiedergibt, ist seit Jahresanfang um fast 30 Prozent gestiegen (Stand 31. August). Der marktbreite MSCI Europe kommt hingegen auf ein Minus von 12 Prozent.

Der weltweite Energieaktien abbildende MSCI World – mit den Schwergewichten Exxon Mobil, Chevron, Shell, ConocoPhillips und Total – ist im selben Zeitraum sogar um 36 Prozent nach oben geklettert. Der marktbreite MSCI World fiel um 17,5 Prozent.

Den (einstweiligen) Höhepunkt erreichte die Rally diesen Sommer.

Viele Öl- und Gaskonzerne lieferten Rekordzahlen für das zweite Quartal.

Shell, BP, ExxonMobil, Totalenergies (FR0000120271), Repsol (ES0173516115) und Chevron verdienen prächtig an den hohen Gas- und Ölpreisen.

 

Exxon, Shell, BP: Die Kassen klingeln

Der Kurs von Exxon Mobil (US30231G1022) ist in diesem Jahr an der Börse Frankfurt von 54 auf 94 Euro gestiegen. ExxonMobil verdiente im zweiten Quartal unterm Strich 17,9 Milliarden Dollar – eine Vervierfachung gegenüber dem Vorjahresquartal.

„Das war mit der höchste Quartalgewinn in der Unternehmensgeschichte“, erklärt Walter Vorhauser von Oddo BHF.

Ebenfalls extrem gut gelaufen in diesem Jahr ist die Aktie von Shell plc (GB00BP6MXD84), ehemals RoyalDutch Shell, wie Vorhauser bemerkt. Der Kurs kletterte von 19 auf 26 Euro.

Shell verdiente im zweiten Quartal wegen der hohen Ölpreise 18 Milliarden US-Dollar – fünfmal so viel wie im Vorjahresquartal.

Bei BP (GB0007980591) brummt das Geschäft ebenfalls. Das bereinigte Nettoergebnis verdreifachte sich im zweiten Quartal auf 8,45 Milliarden US-Dollar – viel stärker als Analysten erwartet hatten.

Die von der Baader Bank als Spezialisten gehandelte Aktie verteuerte sich in diesem Jahr an der Börse Frankfurt immerhin von 4 auf 5 Euro.

 

 

Höhepunkt vorbei?

Zuletzt schwächelten die Kurse allerdings etwas. Der Ölpreis ist gesunken, mit 89 US-Dollar am Donnerstagmorgen liegt er sogar wieder unter dem Niveau vor Ausbruch des Kriegs.

Das ist beim Gaspreis definitiv nicht der Fall, doch auch hier gingen die Preise zuletzt zurück. Rezessionssorgen und die Überlegungen der EU, den Gaspreis zu deckeln, machen sich bemerkbar.

„Der Preis für niederländisches Erdgas ist gefallen“, stellt Vorhauser fest. Der Deutschen Bank zufolge sank der Ein-Monats-Kontrakt für Erdgas an der niederländischen Börse am Mittwoch von 239 Euro/MWh auf 216 Euro/MWh. Ende August waren es noch 340 Euro/MWh.

Auf die gesamte Energiebranche können Anleger mit ETFs setzen, etwa mit dem iShares MSCI Europe Energy Sector (IE00BMW42637) oder dem Xtrackers MSCI World Energy (IE00BM67HM91).

Zugang zu Erneuerbare Energien-Unternehmen bieten der iShares Global Clean Energy (IE00B1XNHC34) oder der Invesco Global Clean Energy (IE00BLRB0242).

 

Branche hat noch viele Anhänger

Viele Analysten raten dennoch zu Öl- und Gasaktien und rechnen mit weiteren Kursanstiegen.

So stuft die US-Bank JP Morgan Shell unverändert auf „Overweight” und nennt ein Kursziel von 3.000 Pence (aktuell in Pence: 2.269).

Nach den starken Halbjahreszahlen und robusten Fundamentaldaten ist die Bank für europäische Ölkonzerne mindestens bis zum Jahresende positiv gestimmt, der Sektor sei insgesamt sehr attraktiv bewertet. Auch Barclays setzt die Aktie auf „Overweight”.

Die Öl- und Gasindustrie dürfte im kommenden Jahr eine Eigenkapitalrendite von durchschnittlich 25 Prozent erreichen. Kaufempfehlungen kommen auch von RBC Capital, Goldman Sachs und Credit Suisse.

Für BP sind JP Morgan, Barclays und RBC Capital ebenfalls positiv gestimmt.

Vorhauser ist etwas skeptischer: „Die Ölkonzerne hängen am Ölpreis, und der dürfte die Hochs gesehen haben“, erklärt der Händler. „Die Charttechnik deutet auf einen Preis von 60 US-Dollar hin.“

Die sehr wahrscheinliche Rezession werde die Nachfrage nach Öl und auch Gas dämpfen.

„Schon jetzt macht sich die aggressive Geldpolitik der US-Notenbank in den Kursen bemerkbar.“

Er verweist außerdem auf China, wo erneute Lockdowns die Nachfrage schwächen dürften.

 

 

Abschreiben will er die Branche aber nicht: Noch steckten die Aktivitäten im Bereich Erneuerbare Energien bei den Konzernen in den Kinderschuhen.

Wegen ihrer finanziellen Ausstattung und des technischen Knowhows könnten sie sich aber gut auf Erneuerbare Energien umstellen und Innovationen in Richtung Klimafreundlichkeit auf den Weg bringen.

„Auslaufmodelle sind Öl- und Gaskonzerne sicher nicht.“

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