Inflationsängste und Protektionismus sorgen für Marktschwankungen

GAM: Die aktuellen Marktturbulenzen sind weitgehend auf fundamentale Faktoren zurückzuführen. Das Jahr 2018 läutete den Beginn einer neuen Ära ein. Der Umbruch begann mit aufkommenden Inflationsängsten Anfang Februar. Die US-amerikanischen Löhne stiegen rasant. Dies ließ die Frage aufkommen, ob die Inflation über das Ziel der Fed hinausschießen würde – und wenn ja, wie die Notenbank darauf reagieren würde.

Nachdem die US-Inflationsdaten die Gemüter beruhigen konnten, brachte der März neue Herausforderungen mit sich. Hauptanlass zur Sorge war die Verschärfung des Handelskonflikts durch die Ankündigung von Strafzöllen – die dritte Maßnahme der Vereinigten Staaten in Folge gegen eine Reihe von Handelspartnern. Auch dies könnte sich zu einer fundamentalen Herausforderung für die Märkte entwickeln, da die US-Politik von einer deutlich unterstützenden Position (wie Steuersenkungen und Deregulierung im vergangenen Jahr) in eine handelsbeschränkende, populistischere Haltung zu wechseln scheint. Die Angriffe der Regierung Trump auf Amazon kamen erschwerend hinzu, gerade zu einer Zeit, als die Datenschutzsorgen im IT-Sektor zunahmen.

Vermutlich wird keine dieser Turbulenzen bis Ende 2018 vollständig verschwunden sein. Stattdessen dürften die Inflationsängste im weiteren Jahresverlauf erneut geschürt werden, da sowohl die USA und Großbritannien als auch viele Länder Europas und Japan die Vollbeschäftigung erreichen oder übertreffen. In dem Umfang, in dem die Anleihenrenditen auf Basis der höheren Inflationserwartungen weiter steigen, sind Schwächephasen und vermehrte Sektorrotationen an den Aktienmärkten programmiert.

Auch der populistische Grundton und der Protektionismus dürften in der US-amerikanischen Politik bis zu den Halbzeitwahlen im November vorherrschen. Sie werden die politische Strategie der Trump-Administration 2018 weiterhin prägen – um die Wähler zu erreichen, die sich vom technologischen Wandel oder der Globalisierung bedroht fühlen.

Dass die gleichen zugrundeliegenden Faktoren der Marktvolatilität im ersten Quartal 2018 für erneute Marktschwankungen sorgen werden, ist also wahrscheinlich. Vieles deutet darauf hin, dass sich die starke Marktperformance bei gleichzeitig geringer Volatilität aus dem letzten Jahr nicht halten wird. Angesichts sinkender Renditen pro Risikoeinheit gepaart mit einem schwierigen Umfeld für Anleihen und Aktien ist ein fokussierterer Ansatz für das Portfoliorisikomanagement erforderlich.


Letzendlich gibt es Anzeichen dafür, dass das globale Wachstum seinen Höhepunkt erreicht hat. Die Einkaufsmanagerindizes in Europa, den USA und Asien haben sich von ihren Höchstständen entfernt. In Europa und den USA war diese Normalisierung überfällig, denn die Einkaufsmanagerindizes waren gegenüber den tatsächlich realisierten Wachstumsraten überzogen, sodass sie sich über kurz oder lang wieder dem Mittelwert annähern mussten. Auch in fundamentaler Hinsicht ist eine gewisse Konjunkturverlangsamung gerechtfertigt. Wenn die Industrieländer ihre Überkapazitäten abbauen, muss sich die langfristige Wachstumsentwicklung zwangsläufig normalisieren. In Asien sind die Einkaufsmanagerindizes von nicht ganz so hohen Niveaus gefallen und signalisieren eine Verlangsamung des Welthandels, Rohstoffe eingeschlossen.

Aus ökonomischer Sicht besteht aber wenig Grund, einen massiven Einbruch zu fürchten. Das Finanzumfeld ist nach wie vor expansiv, in den USA stehen fiskalische Impulse bevor, die Unternehmensausgaben nehmen weltweit zu und die Einkünfte der Privathaushalte werden durch das Beschäftigungswachstum gestützt.

Doch die Märkte sind anfälliger geworden – sie preisen Wendepunkte ein. Während die Wachstumsraten ihr Tempo verringern, flachen auch die Gewinne ab, vor allem in konjunkturempfindlicheren Sektoren. Die nun begonnene Berichtssaison für das erste Quartal kann zweifellos ein stabiles Gewinnwachstum vorweisen. So dürften die Unternehmensgewinne im S&P500 im Vergleich zum Vorjahr um 17 Prozent zulegen. Es wird aber wahrscheinlich diesbezüglich das beste Quartal sein für 2018.

Was bedeutet das unterm Strich für Anleger? Bei moderaten Renditen und häufigeren Volatilitätsphasen ist das Management des Portfoliorisikos entscheidend. Strategien für den Kapitalerhalt werden in den Vordergrund rücken. Zudem dürften Strategien, die bei begrenzter Abhängigkeit von direktionalen Marktbewegungen von Aktien und Anleihen Zusatzrenditen erwirtschaften, ebenso gefragt sein wie flexible Ansätze für die taktische Asset Allocation.

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