Interview mit dem LeanBroker Gratisbroker über die Übernahme durch Finanzen.net und die zukünftige Positionierung

Broker-Test sprach mit Malte Rubruck, CEO GratisBroker, über den Anspruch ein LeanBroker zu sein, die Übernahme durch Finanzen.net und die zukünftige Positionierung im hart umkämpften Brokeragemarkt.
GratisBroker Malte Rubruck

Malte Rubruck, CEO GratisBroker

Wann ist Ihnen und Ihren Mitstreitern die Idee gekommen, einen neuen Broker zu gründen? Und was war der Anlass?

Ich habe über 20 Jahre in verschiedenen Online- Banken gearbeitet immer mit Bezug zum Trading. Währenddessen habe ich viele Sonderangebotslogiken erdacht und immer wieder mit verschiedenen Partnern Aktionen für den 0€-Handel gestrickt.

Irgendwann stellte sich unweigerlich die Frage, ob diese limitierten Aktionen sich nicht in ein dauerhaftes Gebührenmodell umwandeln ließen und was man dafür eigentlich genau brauchte.

Für die Idee vom Gratisbroker konnte ich schließlich zwei ehemalige IT-Kollegen, die ich aus verschiedenen Projekten kannte, gewinnen und so gründeten wir unsere GmbH im Mai 2018.

 

Das gesamte Gründungsteam hat sehr viel Erfahrung im Brokeragesektor – trotzdem wollten Sie nicht alles nur anders oder besser machen, sondern vor allem “lean”. Was bedeutet “lean” und was ist der Unterscheid von einem LeanBroker zu einem normalen Broker?

Meine Überzeugung ist, dass klassische Banken heutzutage viel Geld und Manpower in die Entwicklung von Features stecken, die gar nicht so richtig nachgefragt werden oder nur einen verschwindend geringen Vorteil bringen.

Wir sind einen anderen Weg gegangen und haben ein Basisprodukt auf den Markt gebracht, was vor allem eins ist: einfach und kostenlos.

Seitdem lernen wir jeden Tag von unseren Kunden, was wir ggf. noch besser machen können. Es hat sich gezeigt, dass wir mit einem sehr großen Teil unserer Annahmen richtig lagen und Trader bereit sind, auf einiges an Full-Service zu verzichten, so lange die Konditionen so verlässlich sind. Darauf bauen wir auf.

Lean bedeutet für uns auch, ein sinnvolles Set-Up zu konstruieren, das bestehende Systeme nutzt und nicht teuer nachbaut.

Deshalb haben wir uns beispielsweise im ersten Schritt auch gegen die Gründung einer Bank entschieden.

 

Seit dem Start hat Gratisbroker, auch in Zusammenhang mit dem aktuellen Trading Boom, sehr viele neue Kunden gewonnen. Trotzdem haben Sie sich vor Kurzem dafür entschieden “noch mehr Power” auf die Straße zu bringen und sind nun Teil des Finanzportals finanzen.net – wie ist es dazu gekommen und was erhoffen Sie sich hiervon?

Wir sind stolz auf das, was wir bislang aus eigener Kraft und mit einem kleinen Team von nur sechs Leuten erreicht haben.

Wir haben mit unserer Idee einen Nerv getroffen und uns in den vergangenen 1,5 Jahren sukzessive weiterentwickelt. Unsere Kunden honorieren unseren konsequenten 0€-Ansatz, was die jüngsten Auszeichnungen belegen und wir erhalten fast durchgängig positives Feedback.

Dennoch sahen wir uns von Beginn an mit einer hoch finanzierten Konkurrenz konfrontiert, die dadurch einen entscheidenden Vorteil hat: Sie kann für eine viel höhere Sichtbarkeit sorgen und damit signifikant schneller wachsen. Und um bestimmte Produktentwicklungen wie beispielsweise Sparpläne und Depotüberträge für 0€ anbieten zu können, braucht man eine gewisse Masse an Kunden.

Mit finanzen.net haben wir nun einen strategischen Partner an unserer Seite, deren Reichweite uns beim Wachstum enorm helfen wird – allein deren App ist bereits über 1 Million mal herunter geladen worden. Und nicht nur das, diese Finanzplattform bietet per se durch ihre Informationsfülle, Charts und Markthintergründe einen großen Mehrwert für unsere Kunden.

Das ist wieder etwas, dass wir aus eigener Kraft nur sehr kostenintensiv und dann auch nur halb so gut hätten nachbauen können.

In Kombination mit unserem unschlagbaren Preisangebot ist das eine tolle Entwicklung.

 

Wie kann diese Zusammenarbeit konkret aussehen? Wird Gratisbroker zum Finanzportal oder konzentriert man sich weiterhin auf die Kernfeatures eines Brokers?

Ich glaube, es ist relativ naheliegend, dass es eine Integration geben wird. Wenn ich mich bei finanzen.net über die Daimler Aktie informieren, möchte ich sie im besten Fall auch gleich handeln können.

Das wird in wenigen Wochen möglich sein.

An unserer Kern-DNA wird sich nichts ändern, wir konzentrieren uns weiter auf das Wesentliche und bleiben bei 0€.

 

Brokerwahl 2021 Gratisbroker 3 Platz Daytradebroker

Brokerwahl 2021: Gratisbroker erreicht den 3. Platz in der Kategorie Daytrade Broker

Sie haben bei der Wahl zum Broker des Jahres 2021 den 3. Platz in der Kategorie Daytrade Broker des Jahres verteidigen können und auch in der Kategorie Online Broker des Jahres 2021 war Gratisbroker ganz vorne dabei. Aber: der Brokeragemarkt ist weiterhin sehr dynamisch und innovationsfreudig. Auf den Lorbeeren ausruhen kann man sich da kaum – was planen Sie als Nächstes, um an der Spitze zu bleiben?

Wir werden sehr zeitnah zwei Weiterentwicklungen präsentieren, die besonders häufig von unseren Kunden nachgefragt wurden: eine App und eine Sparplanfunktion.

Darüber hinaus werden nach der Integration bei finanzen.net auch Krypto-ETPs bei uns handelbar sein.

Und natürlich haben wir bereits viele weitere Ideen, an denen wir arbeiten.

Ausruhen werden wir uns sicher nicht.

 

Wie oben schon kurz angesprochen erleben wir seit einiger Zeit einen regelrechten Trading Boom. Was sind die meist gehandelten Titel der Gratisbroker Kunden?

Die Marktverhältnisse sorgen natürlich für ein gesteigertes Interesse von Börsenneulingen. Im letzten Jahr ließen sich ziemlich imposante Renditen erzielen ließen, was natürlich Begehrlichkeiten weckt und Hürden herabsetzt. Dementsprechend haben natürlich Werte wie Tesla oder auch die Gamestop Aktie auch bei uns ein hohes Handelsvolumen.

Aber auch bei unseren erfahrenen Kunden lässt sich eine leichte Verschiebung erkennen, wenn ich die Portfolios mit denen aus meiner Bankenvergangenheit vergleiche. Früher fand man in den Depots hauptsächlich Dax-Werte, ergänzt um ein paar Tech-Firmen.

Heute sind es eher Tech-Depots mit ein bisschen Dax.

 

Glauben Sie, dass sich die Märkte 2021 weiter so bullish zeigen wird oder erleben wir bald eine Korrektur der Märkte?

So lange alle sagen „Das kann doch nicht so weiter gehen“ wird es genauso weitergehen. Natürlich wird es auch wieder eine Korrektur geben, die Frage ist wann und wie stark.

Ich bin überzeugt davon, dass es grundsätzlich und erst recht in Zeiten von negativen Zinsen keinen Weg an der Aktie vorbei gibt.

 

Vielen Dank für das spannende Gespräch!

 

Hinweis der Redaktion:

In Kürze wird Gratisbroker seine Leistungen auch unter dem Label Finanzen.net Zero anbieten:

Finanzen.net Zero Broker

Finanzen.net Zero Broker

 

Finanzen.net Zero Brokerage

Finanzen.net Zero Brokerage

 

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