Ist die Aufwärtsdynamik der Rohstoffe am Ende?

Helaba: Im Juni hat sich die Abwärtsdynamik der führenden Rohstoffindizes zeitweilig verschärft. Zuletzt kam es zu einer markanten Gegenbewegung, die allerdings im Bereich der abwärts gerichteten 50-Tage-Linien auf Widerstand stieß. Es scheint sich ein Abwärtstrendkanal zu etablieren.

 

An den Grenzen angelangt?
Die monetär getriebenen Preisfantasien bei Rohstoffen scheinen an Grenzen zu stoßen. Vor allem auf die Impulse aus China kann nicht mehr so sehr gezählt werden wie in den Jahren 2015/16. Die Führung in Peking muss inzwischen nämlich nicht mehr nur eine spürbare Wachstumsberuhigung, sondern auf der anderen Seite auch eine Vernichtung von Vermögen der inzwischen relativ großen Mittelschicht befürchten.

 

Sie bewegt sich damit vor dem Parteikongress im Herbst auf sehr schmalem Grat. Auswüchse im Finanzsystem zu bekämpfen heißt im Reich der Mitte auch immer, die Impulse für den Immobilien- und den Rohstoffsektor zu begrenzen. Gleichzeitig wird die Geldpolitik in den USA weniger locker, obwohl die fiskalischen Impulse vorerst bei weitem nicht das an den Rohstoffmärkten erhoffte Ausmaß erreichen.

 

Bedeutende Rohstoffabnehmer wie der Automobil- und Immobiliensektor scheinen zudem vorläufig den Zenit in wichtigen Ländern überschritten zu haben. Die Reaktionen von der Angebotsseite bleiben andererseits relativ überschaubar. Die Notierungen dürften sich nicht nur bei Mineralprodukten in absehbarer Zeit auf ermäßigtem Niveau in relativ engen Bahnen bewegen.

Energie

Je nach Berechnung betragen die freien Kapazitäten allein der OPEC aktuell 2,5 bis 4 Mio. Barrel pro Tag. Die Lager in den OECD-Ländern bewegen sich mit einer Abdeckung des Verbrauchs von über 60 Tagen auf einem Spitzenniveau. Jenseits denkbarer geopolitischer Schocks bräuchte es deutlichere Produktionskürzungen, um den Ölpreis auf 60 USD je Barrel zu bringen.

 

Brent - Labil zwischen 45 und 50 USD/Barrel

 

Dies zeichnet sich kurzfristig aber nicht ab. An einer Abwärtsspirale dürfte andererseits den US-Produzenten auch nicht gelegen sein. Außerdem dürften die Chinesen als Swing-Käufer bei Notierungen deutlich unter 50 USD je Barrel die strategischen Rohölkäufe erhöhen.

 

Für Brent besteht u. E. im Bereich von 45 USD je Barrel ein recht tragfähiger Boden. Aus heutiger Sicht halten wir eine relativ enge Preisspanne zwischen 45 und 50 USD in absehbarer Zeit für am wahrscheinlichsten.

 

Industrierohstoffe
In jüngster Zeit schienen nicht nur Primärmetalle als Gruppe gerade mit Blick auf den langjährigen Taktgeber Rohöl ein ausgeprägtes Eigenleben zu führen, sondern auch deren einzelne Vertreter. Es mag hierfür temporär zwar auch spezifische fundamentale Gründe gegeben haben, wesentlich scheint aber – ähnlich wie bei anderen Rohstoffen mit wenig transparenten Marktverhältnissen – der Einfluss von Finanzinvestoren über die Papiermärkte und das Lagerwesen sowie der Politik zu sein.

 

Industrierohstoffe - Sprunghafte Erholung

 

Dabei spielt China als größter Abnehmer von Industriemetallen eine ganz wesentliche Rolle, auch weil dort viele Finanzgeschäfte mit Metallen unterlegt sind. Entscheidend wird für die weitere Entwicklung der Industriemetallpreise aber das zyklische Stadium der Industriekonjunktur in Schlüsselländern sein. Mit Blick darauf ist aber kaum mehr mit positiven Impulsen zu rechnen, vielmehr könnte es auch bei Primärmetallen schon bald zu neuen Belastungstests kommen.

Autor: Heinrich Peters

 

 

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