Kehrtwende in London

Bernstein Bank: Der neue britische Finanzminister Jeremy Hunt hat am Montag nahezu alle Ankündigungen von Premierministerin Liz Truss und seinem Vorgänger als Schatzkanzler, Kwasi Kwarteng, rückgängig gemacht.

Die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen fielen um bis zu 41 Basispunkte.

„Cable“ hat sich seit dem Abtauchen im Zuge der Truss-Pläne wieder erholt, wie Sie im Tageschart von GBPUSD sehen.

Der Kurswechsel in Großbritannien war auch ein wichtiger Schub für die Weltbörsen.

So hatte jüngst Matt Fleury von Goldman Sachs geäußert, dass diesmal Großbritannien eine globale Finanzkrise auslösen könnte: „The Fed’s continued aggressive pace of hikes is causing unexpected knock on effects. I was certainly not aware of how levered the UK LDI pensions were.”

LDI steht für liability-driven investing. Das heißt, dass sich Pensionsfonds mit den Underlyings als Sicherheit auf Kredit spekulieren – und wenn der Kurs ihrer Investments fällt, dann müssen sie bei Margin Calls frisches Geld nachschießen.

Was meist durch den Verkauf von Underlyings geschieht, etwa von britischen Gilts.

 

Quelle: Bernstein Bank GmbH

Quelle: Bernstein Bank GmbH

 

Weg damit

Jetzt also erholten sich britische Staatsanleihen. Denn vom Wachstumsplan seines Vorgängers ließ Hunt so gut wie nichts übrig: Die Körperschaftssteuer soll im April von 19 auf 25 Prozent steigen.

Boris Johnsons Schatzkanzler Rishi Sunak hatte das schon so geplant, doch Premierministerin Liz Truss und Kwarteng wollten die Wirtschaft stattdessen durch Steuersenkungen ankurbeln.

Die von ihnen vorgesehene Senkung des Eingangssteuersatzes bei der Einkommenssteuer um einen Prozentpunkt strich Hunt jetzt. Die Alkoholsteuer ist nicht mehr länger eingefroren.

Die Idee, ausländischen Touristen mehrwertsteuerfreies Shopping zu ermöglichen, ist vom Tisch. Eine Senkung der Besteuerung von Dividenden und Erleichterungen für Selbständige werden wieder gekappt.

Nur bei wenigen kleinen Punkten hält Hunt am Neo-Thatcherismus fest: Was bleibt, ist die Rücknahme der Erhöhung der Sozialversicherungsbeiträge. Und die Obergrenze für Bankerboni soll laut „Telegraph“ immer noch abgeschafft werden.

Auch die von seinem Vorgänger eingeleiteten Änderungen bei der Stempelsteuer für Immobilienkäufer ließ Hunt bestehen.

 

 

Warnung von Morgan Stanley

Allerdings ist die Lage noch nicht komplett bereinigt. Morgan Stanley sah am Wochenende das Vereinigte Königreich vor einem schier undurchdringlichen Geflecht von Problemen.

Andrew Sheets, Chief Cross-Asset Strategist bei Morgan Stanley, urteilte, die Insel als sechstgrößte Wirtschaft der Welt stehe vor einer „volatile and fascinating cross-asset story.“

Das erste Problem sei die hohe Inflation mit einer Kernrate von 6,3 Prozent. Mit einem Leistungsbilanzdefizit von 5,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes habe der Brexit das Angebot an Arbeit verknappt und die Lohnkosten sowie die Importpreise erhöht.

Das Ergebnis: „high inflation drives currency weakness, and vice versa.“

Die Bank of England habe zudem die Zinsen nicht so stark angehoben, wie die Investoren erwartet hatten – da die BoE nicht geliefert habe, die Federal Reserve aber schon, erwarteten Investoren weitere Schwäche.

Dass die BoE zögere, sei verständlich und liege am heimischen Immobilienmarkt – die meisten Kredite liefen über zwei bis fünf Jahre. Die meisten Haushalte würden schon durch die steigenden Energiekosten genug belastet.

Wir ergänzen: Immerhin hat die Regierung mit der Kehrtwende von Hunt nun einen zweiten Teil der von Morgan Stanley konstatierten Probleme angegangen.

 

 

Warten auf die Zinserhöhung

Somit steht die Bank of England in der Pflicht. Gouverneur Andrew Bailey hatte auf der IMF-Tagung in Washington gesagt, der Inflationsdruck könne „eine stärkere Antwort“ der Geldpolitik erforderlich machen als noch vor einigen Monaten erwartet.

Unser Fazit aus der Gemengelage: Das sieht nach einem neuen Zinsschritt aus. Und am 31. Oktober wird es richtig spannend – an Halloween legt die Regierung die mittelfristige Haushaltsplanung vor.

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