Marktstimmung: “Alte Bären gegen junge Bullen”

Frankfurter Wertpapierbörse: Man kann sich gut vorstellen, dass die Entwicklung an den Aktienmärkten seit unserer vergangenen Sentiment-Erhebung viele Marktteilnehmer zumindest in Erstaunen versetzt haben dürfte. Und vielerorts stößt der rund 5-prozentige Anstieg des DAX (im Punktvergleich +4,6 Prozent) wohl nicht auf ungeteilte Gegenliebe.

Denn wer seine Engagements überwiegend nach rein ökonomischen Gesichtspunkten ausgerichtet hat, hätte angesichts der teilweise dramatisch ausgefallenen Wirtschaftsdaten und pessimistischen Erwartungen mit fallenden Aktienkursen rechnen müssen. Aber nun scheint es doch ganz anders zu kommen. Nicht nur, weil die Notenbanken und auch die Fiskalpolitik – vor allem in den USA – Stimulus-Programme historischen Ausmaßes in Gang gesetzt haben.

Vielmehr scheinen sich die Ängste, die nicht nur die Finanzmarktteilnehmer vor der COVID-19-Virus-Pandemie hatten, angesichts sinkender Infektionsraten während der vergangenen Wochen deutlich verringert zu haben. Kurzum: Die vielerorts erfolgte stufenweise Aufhebung der Corona-bedingten Einschränkungen mag den Eindruck vermittelt haben, das Virus sei halbwegs unter Kontrolle.

Mit dieser – möglicherweise zu positiven – Einstellung vieler Menschen hat sich auch in manchen Köpfen der Börsianer wahrscheinlich eher halbbewusst die Vorstellung breitgemacht, dass die ökonomischen Folgeschäden der Pandemie demzufolge auch nicht so hoch wie ursprünglich befürchtet ausfallen müssen.

Man kann zumindest anhand der reinen Entwicklung der Aktienkurse den Eindruck bekommen, dass sich die möglicherweise zu pessimistische Entwicklung der Aktienkurse zu Zeiten des Crashs nunmehr in eine zu optimistische Rallye verwandelt hat.

 


 

Stimmungsaufhellung nur zögerlich

Allerdings hält die Stimmungsaufhellung der von uns wöchentlich befragten institutionellen Investoren nicht so richtig mit der Entwicklung des Börsenbarometers mit. Denn unser Börse Frankfurt Sentiment-Index ist zwar um 8 Punkte auf einen Stand von immer noch -8 Punkte gestiegen.

Aber dieser verringerte Pessimismus geht nicht etwa auf „bekehrte“ Bären zurück, die ihre Short-Engagements und Absicherungen aufgrund der starken DAX-Performance zurückgedeckt hätten. Vielmehr entspringen die neuen Optimisten und auch ein paar neue Pessimisten der Gruppe vormals neutral eingestellter Akteure. Deren Anteil ist mit 10 Prozent aller Befragten auf den niedrigsten Stand seit Anfang 2016 gefallen.

Wesentlich konsequenter waren dagegen die Privatanleger, bei denen sich das Bärenlager fast um ein Viertel verringert und damit unserem Börse Frankfurt Sentiment-Index um 17 Punkte in den positiven Bereich von +2 Punkte befördert hat. Diese Entwicklung, die durchaus den Charakter einer kleinen Kapitulation hat, hat sich fast zu gleichen Teilen auf die Optimisten und neutral gestimmten Akteure verteilt.

 

Starke Polarisierung

Betrachtet man die heutige Stimmungsentwicklung, so fällt vor allem die starke Polarisierung zwischen Bullen und Bären bei den institutionellen Investoren auf. Während sich die Bären standhaft weigern, mit ihren wahrscheinlich nicht gerade geringen Verlusten Frieden zu machen, gibt es eine andere Gruppe von Akteuren, die sich von der jüngsten Rallye hat anstecken lassen.

Auch wenn sich der Pessimismus der vergangenen Wochen noch einmal ordentlich zurückgebildet und bei den Privatanlegern sogar positives Terrain erreicht hat, präsentieren sich die jüngsten Stimmungswerte beider Panels im längerfristigen Drei- und Sechs-Monatsvergleich eher etwas zu positiv.

Daraus ergeben sich zwei Erkenntnisse. Die DAX-Rallye der vergangenen fünf Handelstage dürfte zum einen vornehmlich von langfristig orientierten (ausländischen) Investoren getragen worden sein. Zum anderen sind viele heimische Investoren noch nicht bereit, an noch weiter steigende Aktienkurse zu glauben.

Die Nachfrage aus den mehrheitlich dahinterstehenden Short-Engagements und Absicherungen sind dem DAX im Falle von deutlichen Rücksetzern eine Stütze. Auf der anderen Seite besteht nach wie vor die Gefahr einer Short-Squeeze, sollte der DAX auch noch die 11.000er Marke schaffen.

 

Sentiment-Index institutioneller Anleger

Bullish Bearish Neutral
Total 41% 49% 10%
ggü. letzter Erhebung +10% +2% -12%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 10.830 (+480 Pkt.)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Institutionelle Anleger: -8 Punkte (Stand Vorwoche: -16 Punkte)

 

Sentiment-Index privater Anleger

Bullish Bearish Neutral
Total 42% 40% 18%
ggü. letzter Erhebung +5% -12% +7%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 10.830 (+480 Pkt.)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Private Anleger: +2 Punkte (Stand Vorwoche: -15 Punkte)

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