Reformland Indien: Auf dem Weg zur Wirtschaftsmacht?

Deutsche Asset Management ETFs: Indiens Premierminister Narendra Modi ist vor drei Jahren angetreten, um sein Land zu reformieren. Damit ist er auf einem guten Weg, wie die eingeschlagenen Maßnahmen sowie auch die jüngsten wirtschaftlichen Wachstumszahlen zeigen. Der Subkontinent hat sich als eines der wachstumsstärksten Länder der Welt etabliert.

 

Starkes Wirtschaftswachstum
Indien verfügt über eine der am stärksten wachsenden Volkswirtschaften der Erde. Das soeben abgeschlossene Fiskaljahr 2016/17 (per 31.03.2017) bestätigte das eindrucksvoll mit einem Wirtschaftswachstum von stolzen 7,1 Prozent. Im laufenden Jahr soll das Wachstum nach Schätzungen der Asian Development Bank sogar auf 7,4 Prozent und im Fiskaljahr 2018/19 auf 7,6 Prozent ansteigen.

 

Damit wird nicht nur die umfangreiche Reformagenda belohnt, die der vor rund zwei Jahren gewählte Premierminister Narendra Modi eingeleitet hat, sondern zeugt auch vom Erfolg der jüngsten Maßnahmen zur Bekämpfung von Schwarzgeld, Schattenwirtschaft, Korruption und Terrorismus.

Um dies zu erreichen hatte Indiens Regierung am 8. November 2016 über Nacht die gängigen 500- und 1000-Rupien-Scheine (im Gegenwert von rund 6,90 bzw. 13,80 Euro) für wertlos erklärt und somit dem Land vorübergehend rund 86 Prozent des Bargelds entzogen.

 

Die mit "Demonetarisierung" bezeichnete Aktion bewirkte, dass alte in neue Scheine umgetauscht werden mussten und dies zugleich registriert wurde. Im Nachhinein erwies sich die Aktion als Erfolg und die anfänglichen Befürchtungen einer Konsumbremse, die die Konjunktur gefährden und das Wirtschaftswachstum senken könnte, als haltlos3. Für die Regierung Modi ist dies zugleich ein Ansporn, mit den Reformen fortzufahren.

Reform des Steuersystems bleibt große Aufgabe
Neben der Bekämpfung der Schattenwirtschaft diente die "Demonetarisierung" auch dem Zweck, höhere Steuereinnahmen zu erzielen und damit anstehende Reformen zu finanzieren.

 

Bereits umgesetzt wurden beispielsweise die Öffnung des staatlich kontrollierten Kohleminensektors sowie des Eisenbahnsektors für private und ausländische Investitionen, die Entschlackung der Bürokratie rund um Firmenlizenzen, die Abschaffung der Diesel-Subventionen. Auch die Abwicklung bankrotter Unternehmen konnte vereinfacht werden5. Als nächstes großes Projekt steht nun die Reform des Steuersystems durch die Einführung einer landesweit einheitlichen Mehrwertbesteuerung an.

Bis dato ist das indische Steuersystem gekennzeichnet von verschiedensten Steuern und Abgaben wie Mehrwertsteuer, Herstellungssteuer, Servicesteuer oder anderen Abgaben, die sich von Bundesstaat zu Bundesstaat unterscheiden, zum Teil gleichzeitig anfallen und vor allem zumeist nicht gegeneinander aufgerechnet werden können.

 

Diesen Wildwuchs will Premier Modi nun beenden und hat die notwendigen Gesetze für die einheitliche Goods and Services Tax (GST) auch bereits erfolgreich durch das Parlament gebracht. Nun wird daran gearbeitet, das Gesetz bis zum 1. Juli 2017 einzuführen.

Die Vereinheitlichung der Mehrwertbesteuerung soll nicht nur eine Vereinfachung des Steuersystems insgesamt bringen, sondern zusätzlich auch die Wirtschaft beflügeln. Marktbeobachter rechnen damit, dass dank GST das Bruttosozialprodukt pro Jahr um ein bis zwei Prozentpunkte schneller wachsen könnte.

 

Vorerst müsse zwar noch mit einer gedämpften Investitionsfreude gerechnet werden, bis sich die Regularien der GST eingespielt hätten, doch die Regierung hält noch weitere Trümpfe bereit9. So hat die sie ebenfalls die „Make in India“-Kampagne ins Leben gerufen, mit der sie dem verarbeitenden Gewerbe Impulse verleiht und letztlich auch den Inlandskonsum fördert. Erste Schritte wurden bereits umgesetzt und positive Ergebnisse sind schon spürbar.

Positive Auswirkungen der Geldpolitik
Positiv wirkt sich auch die expansive Geldpolitik der indischen Notenbank aus. Sie hat einerseits die Leitzinsen seit 2015 in mehreren Schritten von 8,0 auf nunmehr 6,25 Prozent gesenkt und so die Inflationsrate von über zehn Prozent im Jahr 2009 auf ein Level von unter 5,0 Prozent gebracht. Andererseits macht sie auch von ihrem Recht Gebrauch, Banken zur Bereinigung von Problem-Assets zu zwingen oder marode Geldinstitute notfalls zu schließen.

Weitere Maßnahmen der Regierung betreffen den Ausbau der Infrastruktur, der unter anderem die Schaffung von Industriekorridoren zwischen verschiedenen Knotenpunkten vorsehen, wie beispielsweise zwischen Mumbai und Delhi. Des Weiteren soll das Schienennetz, die Häfen und auch der Luftverkehr ausgeweitet und modernisiert werden, um letztlich einen „indienweiten Binnenmarkt“ zu schaffen.

Demgegenüber ist die Regierung allerdings auch noch immer mit der Bekämpfung der Armut befasst, die vor allem in ländlichen Regionen nach wie vor weit verbreitet ist, sowie mit der schulischen und beruflichen Qualifizierung der wachsenden Bevölkerung. Zurzeit drängen jährlich rund zwölf Millionen junger Menschen auf den Arbeitsmarkt und suchen einen Job. Hier liegen neben den bürokratischen Hemmnissen im Land auch die größten Risikofaktoren für die wirtschaftliche Entwicklung.

 

 

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