Rohstoffe: Preise steigen und steigen

Börse FrankfurtÖl, Silber, Platin, Industriemetalle –­ das sind die Rohstoffe, auf die Anleger derzeit schauen. Denn Öl-, Platin- und Industriemetallpreise sind zuletzt kräftig gestiegen, die Notierungen für Silber schossen zumindest kurzfristig in die Höhe.

Gold steht, anders als üblich, derzeit im Schatten, das zeigt auch die Umsatzliste der Börse Frankfurt. ETC-Anleger konzentrierten sich zuletzt auf breit streuende Rohstoff-ETCs, wie Mobeen Tahir von WisdomTree berichtet. Die hohen Zuflüsse in Gold-ETC fanden ein Ende.

Öl wieder so teuer wie vor Corona

Stark verteuert hat sich vor allem Öl: Der Preis für die Nordseesorte Brent, der im November und Dezember schon von 38 auf 51 US-Dollar geklettert war, liegt am Donnerstagmittag bei 64 US-Dollar. Seit dem Tief bei 21 US-Dollar im März vergangenen Jahres hat sich der Preis damit mehr als verdreifacht. Öl ist nahezu wieder so teuer wie vor der Corona-Krise.

„Maßgeblich ist das knappe Angebot, das primär den freiwilligen Produktionskürzungen der OPEC+ zu verdanken ist“, erklärt Barbara Lambrecht von der Commerzbank. Aber auch in den USA sei das tägliche Angebot heute niedriger als vor einem Jahr. In den kommenden Wochen könnten die Preise aber unter Druck geraten. „Saudi-Arabien wird wohl kaum bereit sein, seine Produktion weiterhin überproportional zu kürzen.“

Anleger sind offenbar ebenfalls skeptisch und nehmen Gewinne mit: WisdomTree meldet hohe Abflüsse aus Energie-ETCs seit Mitte Januar. Umsatzstärkste Öl-ETCs an der Börse Frankfurt waren der WisdomTree WTI Crude Oil mit und ohne Währungsabsicherung und der WisdomTree Brent Crude Oil.

 


 

Gold weiter unter Abgabedruck

Der Goldpreis ist hingegen gesunken, die Feinunze wird aktuell nur noch zu 1.788 US-Dollar gehandelt, unter den 1.894 Ende Dezember und deutlich unter dem Allzeithoch von 2.069 US-Dollar im August. Nach Einschätzung der DekaBank bleibt das Umfeld für Gold wegen der anhaltenden Stützungsmaßnahmen der Notenbanken und Regierungen aber konstruktiv.

„Die Corona-Krise hat die erwartete Dauer der ultra-expansiven Geldpolitik sogar verlängert“, bemerkt Rohstoffanalystin Dora Borbély. Da Gold eine Geldanlage ohne laufende Erträge ist, traut die Bank dem Goldpreis auf lange Sicht allerdings weiterhin nicht viel mehr als einen Inflationsausgleich zu.

Xetra-Gold bleibt umsatzstärkster ETC an der Börse Frankfurt, der Bestand von Xetra-Gold hält sich auf hohem Niveau bei 220 Tonnen. Rege gehandelt wurden außerdem der Xtrackers Physical Gold mit und ohne Währungssicherung, der WisdomTree Physical Swiss Gold Individual Securities und der WisdomTree Physical Gold Individual Securities.

Silber nach Höhenflug wieder billiger

Beim Silberpreis kam es Anfang Februar zu einer kurzzeitigen Preisexplosion, die Notierung schoss innerhalb kurzer Zeit auf den höchsten Stand seit acht Jahren. Noch im Gamestop-Fieber hatten sich spekulative Kleinanleger in den sozialen Medien verabredet, größere Mengen Silber-Produkte zu kaufen.

Mittlerweile liegt der Preis wieder deutlich niedriger, mit aktuell 27,27 US-Dollar aber noch über dem Niveau von Ende 2020. „Das Silver Institute erwartet, dass die physische Nachfrage nach Silber 2021 um 11 Prozent steigen wird“, berichtet Tahir. Angetrieben werde diese Entwicklung von einem Anstieg der industriellen Nachfrage, insbesondere in den Bereichen Elektronik, Elektrofahrzeuge und 5G.

Sechseinhalbjahreshoch bei Platin

Der Platinpreis kletterte sogar auf den höchsten Stand seit Herbst 2014. „Laut dem World Platinum Investment Council wies Platin 2020 ein rekordverdächtiges Angebotsdefizit auf, was voraussichtlich auch 2021 anhalten wird“, stellt Tahir fest.

Der Wisdom Tree Platin war in den vergangenen vier Wochen nach Xetra Gold – das ist ungewöhnlich – umsatzstärkster ETC an der Börse Frankfurt, der Xtrackers Physical Platinum EUR Hedged weist ebenfalls hohe Umsätze auf. Auch der Xtrackers Physical Silver und der WisdomTree Physical Silver wurden rege gehandelt. Unter dem Strich erlebten Edelmetall-ETCs allerdings nur noch leichte Zuflüsse, wie Tahir erklärt.

Lockdowns ohne große Auswirkungen

Fortgesetzt hat sich die Rally vieler Industriemetallpreise. So liegt der Preis von Kupfer auf dem höchsten Stand seit 2013, der von Aluminium immerhin noch auf dem höchsten Stand seit 2018. Wie Borbély erläutert, drücken die Lockdowns kaum auf die Rohstoffpreise, denn weltweit seien rohstoffintensive Industrien so gut wie nicht von Einschränkungen betroffen.

„Trifft unsere Erwartung einer kräftigen weltwirtschaftlichen Erholung im Verlauf von 2021 ein, wird dies die Rohstoffpreise grundsätzlich stützen.“ Unter den Industriemetall-ETCs gilt das Interesse der Anleger an der Börse Frankfurt vor allem dem WisdomTree Copper und dem WisdomTree Nickel.

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