Short-Squeeze im Ölmarkt – Größter Tagesgewinn aller Zeiten

Bernstein Bank: Alles anschnallen: Nach hoffnungsvollen Signalen von Donald Trump und aus Texas zischt der Ölpreis durch die Decke. Auch die Ölaktien legen kräftig zu. Angeblich soll die Produktion der OPEC+ in Kürze um 10 bis 15 Millionen Fass Öl pro Tag gesenkt werden. Moskau winkt ab, die Saudis lavieren.

Doch die vermeintlichen News reichen, um Shorties zum Schließen ihrer Position zu zwingen und aus dem Markt zu katapultieren.

 

Größter Tagesgewinn aller Zeiten
Brent schoss gestern zwischenzeitlich um 47 Prozent nach oben, WTI verbuchte ein Plus von fast 25 Prozent. Laut Oilprice.com verbuchte Brent damit gestern den größten Tagesgewinn aller Zeiten. Der Grund war eine Meldung, die für die gebeutelten Öl-Bullen zu schön ist, um wahr zu sein.

Trump meldete gestern über Twitter, er habe mit Kronprinz Mohammad bin Salman in Saudi-Arabien gesprochen und die Saudis wiederum mit Russlands Präsident Wladimir Putin – Trump hoffe und erwarte, dass die Produktion bald um zehn Millionen Barrel pro Tag gekappt werden. Vor Journalisten konkretisierte Trump, es könnten sogar 15 Millionen Fass werden.

Bloomberg meldete unter Berufung auf Insider, die Aussage gehe auf ein Telefonat von Trump mit bin Salman zurück, der hoffe, andere Länder für einen Cut zu gewinnen.

Eine zweite Quelle sagte, Trumps Aussage sei rein „aspirational“ – basiere also nur auf Hoffnung.

 


 

Texas gießt Benzin ins Feuer
Doch auch Ryan Sitton, der Chef der Texas Railroad Commission (TCR), schoss die Kurse nach oben. Er meldete auf Twitter, er habe mit dem russischen Energieminister Alexander Novak über “10mbpd out of global supply” gesprochen. Er werde sich darüber in Kürze mit dem saudischen Ölminister Prinz Abdulaziz bin Salman unterhalten.

Die TCR ist die Regulierungsbehörde für die leidende Ölindustrie in Texas.

Tatsächlich kursieren in Texas Überlegungen für einen Einschnitt in der Produktion, was die Saudis gerne hören dürften.

 

Geld für US-Ölindustrie
Auch das Weiße Haus sorgte für Entspannung. Treasury Secretary Steven Mnuchin sagte gestern, die vor dem Kollaps stehende US-Ölindustrie könne Kredite von der Federal Reserve erhalten. Die Fed darf im Zuge des jüngst vom Kongress verabschiedeten Hilfsprogrammes Darlehen in Höhe von 4 Billionen Dollar vergeben.

Zudem diskutierte die US-Administration Einfuhrzölle für ausländisches Öl.

Auch China stützte die Preise: Peking will die günstigen Ölpreise nutzen, um seine Reserven aufzustocken.

 

Moskau dementiert
Allerdings killte Moskau die gestrigen News umgehend: Kreml-Sprecher Dmitry Peskov teilte mit, Putin habe nicht mit Mohammad bin Salman gesprochen, es habe keine Vereinbarung zur Förderkürzung gegeben, um die Preise zu stützen.

Weiter sagte er der Nachrichtenagentur TASS, die Lage im Ölmarkt sei zwar für alle Seiten unbefriedigend, doch niemand habe damit begonnen, über irgendwelche Deals zu reden.

Russlands Ölminister Novak erklärte, er hoffe, die globale Nachfrage werde in ein paar Monaten anziehen.

 

Saudis wollen andere zur Kappung zwingen
Die Saudis riefen derweil laut Oilprice.com zu einem Not-Treffen der OPEC+ auf, das zu einem Agreement „mit einer anderen Gruppe von Ländern“ außerhalb des erweiterten Kartells führen könnte. Soll heißen: die USA, Norwegen, Brasilien. Was aber auch bedeutet, dass es letztlich noch keinerlei Übereinkunft gibt. Zuletzt meldete die Nachrichtenagentur Dow Jones, dass die Saudis nur rund 2 Millionen ihrer Förderung kappen würden – aber nur dann, wenn andere Länder mitziehen.

Den Rest zu den erhofften 15 Millionen Barrel müssten also andere beisteuern.

 


 

 

Bären zum Abschuss freigegeben
Oilprice.com analysierte, die Saudis hätten mit dem Aufruf zu einem Notfall-Meeting in Washington Punkte gesammelt. Ein massiver Einschnitt in der Förderung im Alleingang durch die Saudis oder ein gemeinsamer großer Schritt mit Russland sei aber höchst unwahrscheinlich.

Ole Hansen von der Saxo Bank kommentierte auf Twitter, die gestrige News habe eine Menge frisches Geld aus dem Retail-Geschäft in den Markt hinein gesaugt.

Und dann kommentierte er schön drastisch: „Trump just created a show in the oil market which many will lose from.“

 

Es liegt am Kreml
Der Ball in Sachen Ölpreis liegt nun in Moskau – Texas und die Saudis haben mit der gestrigen Aktion ihre Beweglichkeit signalisiert. Bislang ist jedoch kein Einlenken von Igor Setschin, Chef von Rosneft zu hören – er will die US-Ölförderer durch einen anhaltend niedrigen Ölpreis vernichten.

Allerdings könnten die Fraktion der pragmatischen Wirtschaftsliberalen im Kreml möglicherweise Präsident Wladimir Putin umstimmen. Denn Russland steht still, gerade hat Putin die bezahlte Arbeitspause bis Ende April verlängert.

Laut „Moscow Times“ warnte Ex-Finanzminister Alexei Kudrin, aktuell Wirtschaftsberater im Kreml, den Präsidenten, dass die russische Wirtschaft selbst bei moderaten Rückschlägen durch Corona in diesem Jahr zwischen 3 und 5 Prozent schrumpfen werde. Damit dürften Millionen Russen ihren Job verlieren – die Arbeitslosenrate könne von aktuell 4,6 Prozent auf 15 Prozent davon schnellen, urteilte Igor Nikolayev, Analyst beim Unternehmensberater Grant Thornton.

Gut möglich, dass Putin deswegen die nationalistischen Silowiki – also die Hardliner aus Geheimdienst, Militär und Energie-Industrie – unter Setschin kaltstellt und sich doch zu einem Deal mit den Saudis durchringt.

Sie sehen also: Die Politik wirbelt die Märkte herum.

Klar ist nur, dass nichts klar ist – nur dass uns die Volatilität erhalten bleibt.

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