Versuch der Stabilisierung – Krise könnte bei uns länger dauern

Bernstein Bank: Kurze vorbörsliche Erholung, neue Verluste, danach Gegenwehr. Der DAX ist nach einem hoffnungsvollen Beginn wieder ins Minus gerutscht, um dann wieder zuzulegen. Die Anleger analysieren die Folgen des totalen wirtschaftlichen Not-Aus.

Asien sandte derweil Hoffnungssignale aus.

 

Berg- und Talfahrt in Frankfurt
So schnell verpufften am Dienstag die Gewinne: Der DAX zog zunächst um 4,6 Prozent an auf 9.145 Zähler. Dann tauchte er wieder deutlich ab auf 8.448. Zuletzt hielt sich der deutsche Leitindex noch 0,1 Prozent im Minus bei 8.735 Punkten. Die Broker hakten die wie erwartet heftig eingebrochenen ZEW-Konjunkturerwartungen schnell ab. Gestern war der Index zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit September 2013 eingebrochen, um sich zum Schluss wieder ein wenig zu erholen. Am Ende stand ein Minus von 5 Prozent auf der Anzeigentafel.

Am Dienstag gab auch der MDAX die anfänglichen Gewinne rasch wieder ab.

Der Index der mittelgroßen Werte zog anfangs an bis auf 20.027 und verlor zuletzt wieder 0,7 Prozent auf 18.634 Punkte.

Der Indikator war am Vortag erstmals seit fast vier Jahren unter die Marke von 20 000 Punkten gefallen.

 


 

Verbale Intervention aus dem Weißen Haus
Auch die US-Futures legten eine Berg- und Talfahrt hin. Zunächst hatten sie nach einem Tweet von US-Präsident Donald Trump stark angezogen. Er hatte geschrieben: “The United States will be powerfully supporting those industries, like Airlines and others, that are particularly affected by the Chinese Virus. We will be stronger than ever before!” Der Markt vermutete umgehend eine staatliche Stütze für die von Corona gebeutelten Branchen. Doch zuletzt lagen die Futures noch etwa 1,4 Prozent im Plus.

 

Stabilisierung in Asien
An den Asienbörsen stabilisierte sich unterdessen die Lage. Der chinesische CSI-300 gab am Morgen 0,5 Prozent nach auf 3.710 Zähler. Und in Tokio gewann der Nikkei 0,1 Prozent auf 17.012 Zähler. Die philippinische Börse stellte übrigens als erste Börse weltweit den Handel vorübergehend ein. Mut machten die drastisch sinkenden Infektionszahlen und Todesfälle. China meldete nur noch 21 neue Infektionen – davon 20 importiert.

Damit zahlt sich das entschlossene Vorgehen der Asiaten aus – massive Desinfektionen, rigorose und schnelle Grenzkontrollen und -schließungen, Straßenkontrollen mit Temperaturmessgeräten.

 

Die Krise könnte bei uns länger dauern
Von vielem davon weiter Fehlanzeige in Deutschland – selbst Polen kontrolliert an der Grenze durchweg mit Temperatur-Scannern. Dabei gibt es mit Alexander Kekulé, Chef des Instituts für Medizinische Mikrobiologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, durchaus Warner.

Er durfte immerhin bei „Anne Will“ am Sonntag sprechen, wurde aber von der Regierung aber als Alarmist abgetan und ignoriert.

Er hat schon lange gewarnt, dass unsere Politik zu zögerlich vorgeht.

Die Querverbindung zu Wirtschaft und Börse: Die Krise könnte in West-Europa wegen der laschen Reaktion unserer Herrschenden weit länger dauern als in Asien.

Und dennoch kaum Kritik an unserer Politik in den Medien. Klar: Die Öffentlich-Rechtlichen sind Staatsfunker, da will man den Chef nicht verärgern. Und da den Zeitungen die Leser weglaufen, werden auch sie in Kürze wohl Staatsgeld als Stütze erhalten – da heißt es machtkonform kuschen.

Somit noch einmal der Appell: Informieren Sie sich alternativ bei kleinen Dissidenten-Medien.

Und bei uns.

 


 

Conference Call von Goldman am Sonntag
Passend zum Thema eine interessante News aus dem Blog ZeroHedge: Demnach hielt Goldman Sachs am Sonntag eine große Telefonkonferenz ab. Etwa 1.500 Kunden sollen sich eingewählt haben. Die Investmentbank besprach unter anderem einige bekannte Fakten zu Corona, darunter die Tatsache, dass sich wohl halb Amerika anstecken werde. Der Peak sei über die nächsten acht Wochen zu erwarten mit einem Abflauen danach. Das weltweite Wachstum werde wohl nur noch 2 Prozent betragen und damit so schwach sein wie seit 30 Jahren nicht mehr.

Der S&P 500 werde 2020 wohl noch 15 bis 20 Prozent verlieren, könne sich allerdings auch komplett bis zum Jahresende erholen.

Dann betonten die Goldmänner immerhin: Aus technischer Sicht habe der Markt im längsten Bullen-Markt der Geschichte nach einem Grund zum Abverkauf gesucht. Es gebe kein systemisches Risiko, da die Regierungen intervenierten und der Bankensektor gut kapitalisiert sei. Alles in allem sehe es aktuell mehr nach 9/11 als nach 2008 aus.

Ungeachtet der Inhalte fragen wir uns, wie wohl solch ein Emergency-Call vor dem Hintergrund der überraschenden Zinssenkung der Fed auf die Geschäftspartner gewirkt haben muss.

Und ob dies nicht ein Brandbeschleuniger für den Flächenbrand vom Montag war.

Und ob nicht Goldman zufällig zuvor short gegangen war.

 

Neue Panik in New York
Wie auch immer: Die Wall Street hat gestern das größte Minus seit 1987 verbucht. Am neuerlichen Black Monday rutschte der Dow Jones 12,9 Prozent ab auf 20.188 Zähler. Gleich zu Beginn wurde der Handel automatisch ausgesetzt. Der S&P 500 verlor 12 Prozent auf 2.386 Stellen. Und der Nasdaq Composite rutschte 12,9 Prozent auf 7.103 Punkte. Die Anleger interpretierten die Notfall-Zinssenkung der Fed als Zeichen der Verzweiflung. So ist das immer, wenn die Angst tobt: Positives wird negativ umgedeutet.

Übrigens stellte der Angstindex VIX mit 82,69 Punkten das Hoch aus 2008 ein.

 


 

Das bringt der Tag
Am Dienstag stehen einige interessante Konjunkturtermine an, die jedoch im Corona-Tumult kaum Einfluss auf die Kurse haben dürften.

So wird um 13.30 Uhr der US- Einzelhandelsumsatz gemeldet.

Um 14.15 Uhr folgt die Industrieproduktion.

Und um 15.00 Uhr folgen die Lagerbestände.

Zeitgleich läuft der NAHB-Wohnungsmarktindex ein.

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