Von Kreditverknappung keine Spur: Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien im Vergleich

DWS Investments: Zumindest eine Krise scheint vorerst erfolgreich abgewendet: In der Eurozone hat das Kreditwachstum zuletzt in allen großen Ländern deutlich zugelegt.

Fünf Monate ist es nun her, dass eine globale Ausbreitung des neuartigen Coronavirus immer wahrscheinlicher wurde, ebenso wie Lockdown-Maßnahmen ähnlich denen in China. Die westlichen Finanzmärkte reagierten zunächst kaum, dafür dann plötzlich und umso panischer. Die Aussicht auf eine Rezession, wie sie zumindest die Nachkriegsgenerationen noch nicht erlebt haben, ließ Aktienkurse einbrechen und Risikoprämien für risikobehaftete Anlageformen in die Höhe schnellen.

Diese Marktreaktionen wiederum gaben Anlass für Befürchtungen, dass zusätzlich zu Pandemie und Rezession noch eine Finanzkrise drohte. Besonders in der Eurozone mit ihrem zu 80 Prozent auf Banken basierten Finanzierungssystem grassierte die Angst vor einer Kreditklemme, also vor einer Verknappung der Kreditversorgung für die Wirtschaft.

 


 

Dieses Risiko wurde, soviel lässt sich bereits feststellen, vorerst abgewendet. In den Industrieländern haben das beherzte Eingreifen sowohl der Fiskal- als auch der Geldpolitik dazu geführt, dass die Wirtschaft weiterhin ausreichend mit Krediten versorgt wurde. Neben einer positiven Entwicklung an den Finanzmärkten seit Mitte März lässt sich dies auch an der Kreditvergabe an den europäischen Unternehmenssektor (ausgenommen der Finanzbranche) ablesen, wie unser “Chart of the Week” zeigt. Ulrike Kastens, Economist bei der DWS, weist darauf hin, dass das Kreditwachstum in allen großen Ländern deutlich zugelegt hat.

Diese Entwicklung ist aber nicht nur den Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) zu verdanken, sondern auch den großzügig gewährten Kreditgarantien durch die Staaten. Diese helfen in der aktuellen Krise vor allem kleineren Unternehmen, an dringend benötigte Liquidität zu kommen. Was wiederum den Unternehmen ermöglicht, die Krise zu überstehen und einen von einer Pleitewelle verursachten Anstieg der Arbeitslosigkeit zu vermeiden.

 

Kritiker bemängeln unter anderem, dass so auch ohnehin notleidende Unternehmen künstlich am Leben gehalten würden. Umso wichtiger ist es, die ergriffenen Maßnahmen wieder zurückzuführen, sobald sich die wirtschaftliche Lage wieder normalisiert.

Die bereits absehbare Stabilisierung liegt jedenfalls nicht zuletzt an den klaren Handlungen der aktuellen Politik verglichen mit dem zögerlichen Vorgehen gerade in der Eurozone während der Finanzkrise von 2008.

 

Wachstum Unternehmenskrise

Wachstum Unternehmenskrise – * Unternehmen außerhalb der Finanzbranche Quellen: Haver Analytics, DWS Investment GmbH; Stand: 29.05.2020

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