Was sich im Juli 2026 ändert: Renten steigen, PFOF-Verbot, Tankrabatt läuft aus
Der Juli ist traditionell der Monat mit den meisten Gesetzesänderungen — und 2026 bildet keine Ausnahme. Millionen Rentner bekommen spürbar mehr Geld, während im Brokerage-Geschäft mit dem Aus für Payment for Order Flow eine Ära endet. An der Zapfsäule ziehen mit dem Ende des Tankrabatts die Preise an, dafür sinkt die Luftverkehrsteuer. Hinzu kommen der Umbau des Bürgergelds zur Grundsicherung und höhere Kosten bei Bestellungen außerhalb der EU. Hier die wichtigsten Änderungen im Überblick, sortiert nach ihrer Bedeutung für den Alltag.
Rente steigt um 4,24 Prozent
Die gesetzliche Rente steigt zum 1. Juli 2026 um 4,24 Prozent. Der aktuelle Rentenwert erhöht sich von 40,79 Euro auf 42,52 Euro pro Entgeltpunkt. Für eine Rente von 1.000 Euro bedeutet das einen Anstieg auf 1.042,40 Euro. Ein Standardrentner mit 45 Beitragsjahren erhält rund 78 Euro mehr im Monat. Profitieren werden rund 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner.
Schluss mit Payment for Order Flow bei Neobrokern
Am 1. Juli 2026 tritt das EU-weite Verbot von Payment for Order Flow (PFOF) auch in Deutschland in Kraft — der letzte Tag, an dem die Praxis erlaubt ist, war der 30. Juni. Bei diesem Modell leiten Broker Kundenorders an bestimmte Market Maker weiter und erhalten dafür Rückvergütungen, was günstige oder kostenlose Trades ermöglichte, aber Interessenkonflikte birgt.
Deutschland hatte über eine Übergangsregelung eine nationale Ausnahme genutzt, die nun ausläuft. Für Anleger können sich die Konditionen ändern — denkbar sind höhere Ordergebühren oder breitere Spreads. Bei Trade Republic und Scalable Capital funktioniert das Geschäftsmodell laut eigenen Angaben auch ohne PFOF weiter.
Tanken wird wieder teurer — Tankrabatt ausgelaufen
Der Tankrabatt ist Ende Juni ausgelaufen, seit dem 1. Juli gelten wieder die regulären Energiesteuersätze. Zusammen mit der Mehrwertsteuer verteuern sich Benzin und Diesel um knapp 17 Cent je Liter. Wie schnell und stark die Preise an den Zapfsäulen tatsächlich steigen, hängt von den Tankstellen ab.
Luftverkehrsteuer sinkt
Zum 1. Juli 2026 sinkt die Luftverkehrsteuer auf das Niveau zurück, das vor dem 1. Mai 2024 galt. Die Entlastung pro Fluggast fällt je nach Distanzklasse unterschiedlich aus: Auf der Kurzstrecke (bis 2.500 km) sinkt die Steuer von 15,53 € auf 13,03 € und damit um 2,50 €, auf der Mittelstrecke (2.500–6.000 km) von 39,34 € auf 33,01 € und damit um 6,33 €, auf der Langstrecke (über 6.000 km) von 70,83 € auf 59,43 € und damit um 11,40 €.
Ob Reisende das spüren, ist offen: Eine Verpflichtung zur Weitergabe der niedrigeren Steuer an die Passagiere besteht nicht, und angesichts hoher Kerosinpreise könnte die Entlastung im Ticketpreis untergehen.
Bürgergeld wird zur Grundsicherung
Das Bürgergeld wird zum 1. Juli 2026 schrittweise in die neue Grundsicherung für Arbeitsuchende überführt; die Geldleistung heißt künftig Grundsicherungsgeld. An der Höhe der Regelsätze ändert sich zunächst nichts — Alleinstehende erhalten weiterhin 563 Euro im Monat zuzüglich Unterkunft und Heizung. Verschärft werden dagegen die Pflichten: Wer zumutbare Arbeit ablehnt oder Termine wiederholt versäumt, muss mit deutlicheren Kürzungen rechnen.
Bestellungen außerhalb der EU werden teurer
Für Sendungen unter 150 Euro Warenwert fällt künftig eine pauschale Zollgebühr von 3 Euro pro Warenkategorie an — zusätzlich zur Einfuhrumsatzsteuer. Hinzu kommen oft Servicepauschalen der Versanddienstleister. Dadurch können künftig zusätzliche Zoll- und Bearbeitungskosten für Bestellungen bei Anbietern wie Temu oder Shein anfallen. Die Verbraucherzentrale Berlin warnt, eine Handyhülle für 7 Euro könne so am Ende knapp 20 Euro kosten. Die vollständige praktische Umsetzung erfolgt jedoch nicht überall bereits zum 1. Juli.
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