EZB lässt Leitzinsen unverändert
Die Leitzinsen im Euroraum bleiben unverändert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hält den für Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins zum sechsten Mal in Folge bei 2 Prozent, wie die Notenbank am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. Die von Bloomberg befragten Volkswirte waren zuvor einhellig von unveränderten Leitzinsen in der Eurozone ausgegangen.
„Der Krieg im Nahen Osten hat zu deutlich unsichereren Aussichten geführt. Er hat Aufwärtsrisiken für die Inflation und Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum zur Folge“, hieß es im Statement zum Entscheid.
Heiner Herkenhoff, Hauptgeschäftsführer beim Bankenverband, hält das EZB-Votum für plausibel. „Die Entscheidung der EZB ist angesichts der hohen Unsicherheit nachvollziehbar“, kommentierte er. „Die stark gestiegenen Energiepreise infolge des Konflikts im Nahen Osten werden die Inflation im Euroraum erneut über das 2-Prozent-Ziel treiben und das Wachstum dämpfen. Die wirtschaftlichen Folgen für den Euroraum lassen sich derzeit jedoch noch nicht verlässlich abschätzen“. Entscheidend werde nun sein, die Inflationserwartungen von Unternehmen und privaten Haushalten stabil zu halten.
Einige Experten vermuten, dass die Notenbank im Sommer die Zinsen anheben wird. Im Fall der Fälle dürfte die EZB dieses Mal schneller agieren als 2022, meinte Ulrike Kastens, Ökonomin bei der Deutschen-Bank-Fondstochter DWS: „Zinserhöhungen werden damit wahrscheinlicher, Zinssenkungen sind vom Tisch.“
Fed nimmt von weiterer Zinssenkung Abstand
Am Mittwoch hat auch die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) den Markterwartungen entsprochen und aufgrund der Inflationssorgen die Leitzinsspanne bei 3,5 bis 3,75 Prozent unverändert belassen. Lediglich der Berater von US-Präsident Donald Trump, Stephen Miran, votierte im 12-köpfigen Zentralbankrat (FOMC) für eine Senkung.
Das Statement der Notenbank und die Äußerungen von Fed-Chef Jerome Powell lassen darauf schließen, dass vorerst nicht mit einer Zinslockerung zu rechnen ist. Sollte sich die Inflation nicht wie gewünscht abschwächen, gebe es keine Gründe für eine Zinssenkung, sagte Powell.
Er betonte zudem, dass höhere Energiepreise die Inflation kurzfristig in die Höhe treiben werden. „Es ist jedoch noch zu früh, um das Ausmaß und die Dauer der potenziellen Auswirkungen auf die Wirtschaft abzuschätzen“, so der Fed-Chef. „Die Eskalation der Lage in Nahost macht es sehr unwahrscheinlich, dass die Fed in 2026 die Leitzinsen senken wird“, kommentierte HQ-Trust-Chief-Economist Michael Heise.
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