Gold gibt nach – doch im zweiten Halbjahr könnte das Wachstum zurückkehren

Es scheint, als würde die Welt mit jeder Woche, die vergeht, zu einem immer unsichereren Ort werden. Vom globalen Handelskrieg um diese Zeit im letzten Jahr sind wir zu einem tatsächlichen Krieg im Nahen Osten übergegangen – einem, der die gesamte Weltwirtschaft bedrohen könnte. Wenig überraschend hat Gold – das beliebteste Absicherungsinstrument – in dieser Zeit viele spekulativere Anlagen übertroffen.

Von einem lokalen Tief bei rund 3.000 USD Ende März 2025 aus hat sich das gelbe Metall nahezu verdoppelt und Ende Januar dieses Jahres mit 5.630 USD ein neues Allzeithoch erreicht.

Ein derart rasanter Anstieg war bei Edelmetallen nahezu beispiellos – doch was danach folgte, war angesichts der geopolitischen Entwicklungen noch schockierender. Als Iran und Israel wichtige Stützpunkte und Energieinfrastruktur im Persischen Golf angriffen, stürzte Gold – statt wie erwartet weiter zu steigen – um mehr als 20 % ab, bevor es sich etwas erholte und sich heute (26. März) bei 4.428 USD einpendelte.

Abgesehen vom bekannten Phänomen „Buy the rumour, sell the news“ gibt es viele weitere wichtige Faktoren jenseits der Risikoprämie, die die Preise von Edelmetallen im Jahr 2026 beeinflussen und weiterhin prägen werden.

Neben dem Zusammenspiel von Inflationskräften und Schwankungen am Dollarmarkt gibt es auch ein Tauziehen zwischen Zinspolitik und Käufen der Zentralbanken – und das wird viel über die künftige Kursentwicklung von Gold aussagen.

In diesem Artikel beleuchten wir all das und mehr, um eine mögliche Entwicklung für Gold in der zweiten Jahreshälfte und darüber hinaus einzuordnen.

 

Den Dollar aufblähen

Wie bereits erwähnt, hat die zunehmende geopolitische Verstrickung im Nahen Osten überraschenderweise zu Rückgängen bei Gold geführt. Das ist ein Zeichen dafür, dass das klassische Safe-Haven-Verhalten derzeit von breiteren makroökonomischen Kräften überlagert wird.

Die aktuelle Lage würde normalerweise eine deutlich stärkere Risk-off-Stimmung auslösen. Doch die Erwartung sinkender Inflation verringert – trotz kurzfristig höherer Produktionskosten durch die Schließung der Straße von Hormus und entsprechend hohe Ölpreise – den Bedarf an Gold als Absicherung.

Auf längere Sicht sehen wir sinkende Rohstoffpreise, einen nachlassenden Verbraucherpreisindex und eine anhaltend restriktive Geldpolitik. Das macht Anleihen und Aktien attraktiver – zumal die Folgewirkungen eines stärkeren Dollars die genannten Faktoren zusätzlich verstärken.

Zwischen Gold und dem USD besteht eine gut belegte inverse Beziehung: Ein stärkerer Dollar verteuert Gold international, kann das Edelmetall aber zugleich in USD notiert günstiger erscheinen lassen. Der Greenback hat allein im letzten Monat gegenüber Euro und Pfund Sterling um über 2 % zugelegt. Das senkt nicht nur die Dollar-Kosten von Gold, sondern macht Anleihen und Einlagen – besonders in einem fallenden Markt – auch attraktiver als Gold.

Insgesamt bleibt das geopolitische Umfeld zwar unterstützend für Edelmetalle, doch der stetige Rückgang der Inflation bis zu diesem jüngsten Aufflammen im Iran-Israel-Konflikt und die damit einhergehende Stärkung des Dollars sind längerfristige Trends, die im Zeitverlauf eher zu niedrigeren Goldpreisen beitragen dürften.

Die Verbraucherpreise stiegen in den 12 Monaten bis Februar um 2,4 % – damit kommen wir dem 2-%-Ziel der Fed näher.

Berücksichtigt man einen Öl-bedingten Ausschlag im März, dürfte der Preisdruck nach Beilegung des Konflikts voraussichtlich wieder weiter nachlassen.

 

Gold Chart

 

Zentralisierte Macht

Der Zusammenhang zwischen Zinserwartungen und Goldpreisen ist gut bekannt. Und je näher die Inflation dem Zielwert kommt, desto wahrscheinlicher wird eine Rückkehr zu einer lockereren Geldpolitik. Trumps Kandidat für den Fed-Vorsitz, Kevin Warsh, wird sich der Erwartungen an ihn sehr bewusst sein – insbesondere, wenn es darum geht, die stimulierenden Zinssenkungen zu liefern, zu denen der Präsident Powell seit Monaten, wenn nicht Jahren, drängt.

Die Rendite der 10-jährigen US-Anleihe liegt inzwischen bei 4,4 %, während die 10-jährige britische Staatsanleihe (Gilt) mittlerweile über 5 % bietet – der höchste Stand seit 2008. Selbst EZB-Anleihen rentieren mit 3,05 %, nach 2,65 % vor einem Monat.

Dadurch steigen naturgemäß die Opportunitätskosten, Gold zu halten, und die Nachfrage nach dem unverzinslichen Metall sinkt. Dennoch erwartet man sowohl in den USA als auch in Europa, dass die Zinsen bei nächster Gelegenheit gesenkt werden – um Hypothekennehmern dringend benötigte Entlastung zu verschaffen und die Wirtschaft und damit auch den Aktienmarkt anzukurbeln.

Dann dürfte Gold wieder attraktiver werden, wenn die Renditen von Währungen sinken.

Gleichzeitig hält ein wichtiger Trend an: massive Goldkäufe durch Zentralbanken – insbesondere in den Schwellenländern. Zahlen des World Gold Council zeigen, dass Zentralbanken vier Jahre in Folge jährlich über 800 Tonnen gekauft haben – deutlich mehr als der langfristige Durchschnitt von 400 bis 500 Tonnen.

China und Polen – beides exportorientierte Industrienationen – waren die größten Käufer und machten 2025 fast ein Viertel der gesamten Käufe aus.

Das deutet darauf hin, dass beide Länder weiterhin mit hoher Volatilität bei Fiatwährungen rechnen und Gold langfristig als stabilen Wertspeicher sehen.

Wie sich der Goldpreis 2026 entwickelt, wird jedoch maßgeblich davon abhängen, ob Zinssenkungen kommen, bevor geopolitische oder Inflationsrisiken nachlassen.

 

 

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