10 Dollar je Barrel – Crash-Cocktail für Erdöl

Bernstein Bank: Die Untergangsszenarien häufen sich: Der Ölpreis steht kurz vor dem Abgrund. Denn die Shale Industry in den USA muss auf Teufel komm raus fördern. Die Disziplin innerhalb der OPEC lässt wie immer zu wünschen übrig. Und eine globale Rezession ist durchaus möglich.

Crash-Cocktail für Erdöl
Drastische Warnung vor dem Ende der Ölwelt, wie wir sie kennen: Die Journalistin Julianne Geiger brachte jüngst auf Oilprice.com einen Preis von 10 Dollar je Fass ins Spiel. „Is $10 oil really possible?“ Durchaus. Ein Crash sei unvermeidlich, wenn folgende Faktoren zusammenfallen: Vor allem eine hohe OPEC-Produktion, hohe US-Produktion, hohe Lagerbestände, ein Kollaps in der Nachfrage, Kapitulation der Spekulanten.

Tatsächlich habe die International Energy Agency ihre Prognosen für ein Anwachsen der Nachfrage im laufenden Jahr beständig gesenkt – von 1,4 Millionen Barrel pro Tag noch im Januar auf zuletzt nur noch 1,1 Millionen. Auch die OPEC habe die Wachstumsprognosen für die Nachfrage immer wieder gedrückt. Alles in allem laufe es auf folgendes Szenario hinaus: anhaltend schwache Nachfrage bei robuster Produktion.

Tatsächlich warnte Keisuke Sadamori, Director for Energy Markets and Security bei der International Energy Agency (IEA) im Gespräch mit CNBC vor einer drohenden Ölschwemme im kommenden Jahr.

Die Gründe seien anhalten Unsicherheit in der Weltwirtschaft und der Brexit.

 

Wiederholt sich die Geschichte?
Was möglich ist, hatten Trader vor einem Jahrzehnt erfahren müssen. Damals rutschte der Ölpreis von über 140 Dollar je Fass in 2009 auf unter 40 US-Dollar im Jahr 2008. War da nicht was? Richtig: Eine Finanzkrise, welche die Bankenwelt erschütterte. Und die Realwirtschaft gleich mit. Und was das Schließen von Long-Positionen am Ölmarkt nach sich zog.

 


 

Das ist auch heute möglich:
Erst im September dieses Jahres signalisierte der zuletzt wieder abgemilderte Credit Crunch im amerikanischen Interbanken-Sektor, dass auch jetzt unter den Geschäftsbanken enormes Misstrauen herrscht.

Die Vermutungen über die Gründe reichen vom Umkippen großer Equity Manager bis zum Platzen der Blase bei Collateralized Loan Obligations.

 

Drohender Nachfrage-Schock
Und 2014/15 wiederholte sich das Szenario fast in gleichem Ausmaß: Der Ölpreis rutschte von über 100 Dollar auf unter 30 Dollar ab. Damals durchliefen große Importeure wie China und Indien eine wirtschaftliche Abkühlung. Während zugleich die US-Produktion im Fracking-Boom hochfuhr. Zwar ist der aktuelle Ölpreis bei rund 55 Dollar je Barrel WTI und 60 Dollar je Fass Brent weit von den damaligen Gipfeln entfernt.

Doch tatsächlich erscheint aktuell die Nachfrage gefährdet: Der Ausblick für die Weltwirtschaft trübt sich ein.

Ein Handelsabkommen zwischen Peking und Washington ist alles andere als sicher.

 

Vorprogrammierte Oil Glut
Dazu gesellen sich Probleme auf der Angebotsseite. Die OPEC senkt die Förderung nicht schnell genug – zumal das sozialistische Paradies Venezuela und der von den Mullahs ruinierte Iran dringend Devisen brauchen. Dass sich die OPEC+ im Dezember auf einen drastischen Quoten-Cut einigt, ist alles andere als sicher. Denn gerade Russland will der US-Konkurrenz mit einem anhaltenden Niedrigpreis den Garaus machen.

So sagte gerade der stellvertretende russische Energieminister Pavel Sorokin der Nachrichtenagentur TASS, es sei zu früh, um tiefere Einschnitte zu diskutieren.

Auch Nigeria hat mit dem Kartell eine geheime Ausnahme-Regelung ausgehandelt, wie Reuters berichtete.

Zumal auch das geschundene Libyen und der Irak ihre Produktion hochfahren wollen und wohl auch werden.

 

Demokraten pushen ungewollt Shale Oil
Und Oilprice.com meldete gerade einen interessanten politischen Effekt im amerikanischen Ölmarkt: Die Hardcore-Kommunisten unter den Demokraten haben sich für ein Fracking-Verbot ausgesprochen. Senatorin Elizabeth Warren aus Massachusetts und Senator Bernie Sanders aus Vermont wollen im Fall eines Wahlsieges 2020 das Hydraulic Fracturing verbieten.

Klar, in ihren Bundesstaaten gibt es ja keine Ölindustrie und niemand verliert seinen Job.

 


Doch die demokratischen Präsidentschaftskandidaten haben aus Versehen das erreicht, was sie eigentlich verhindern wollen:
Sie haben die US-Ölförderung angekurbelt. Denn gerade die kleinen Shale-Bohrer müssen nun einem Verbot zuvorkommen und Lagerbestände aufbauen. Zumal sowieso die Finanzierungskrise viele kleine Firmen zu einem erhöhten Ausstoß zwingt.

Denn wer kein Geld mehr von der Bank bekommt, muss eben verstärkt Umsatz über die Menge machen.

 

Goldman Sachs warnt vor 20 Dollar je Fass
Alles in allem sind die Risiken für einen Ölpreis-Kollaps real. Auch Goldman Sachs äußerte sich jüngst in diese Richtung: Analyst Jeff Currie sagte nach der Oil & Money Conference in London im Gespräch mit CNBC, das Risiko von 20 Dollar je Fass bestehe.

Und zwar sobald jeder Öltank, jedes Lager auf dem Planeten gefüllt seien – und sobald dann keine freie Speicherkapazität mehr bestehe.

 

Auch eine Hausse ist möglich
Doch Totgesagte leben länger: Der Ölpreis könnte natürlich dem drohenden Armageddon entgehen. Wenn nämlich eine Pleitewelle bei kleinen US-Firmen das Überangebot am amerikanischen Markt beseitigt. Wenn sich außerdem China und die USA doch auf einen Zoll-Deal einigen. Und wenn die Welt eben doch nicht in eine Rezession rutscht. Wenn außerdem die OPEC und ihrer Verbündeten die Förderquoten kürzen.

Und vor allem dann, wenn ein Krieg in Nahost ausbricht. Dazu ein kleines Factlet: Angesichts der Bedrohung durch den Iran herrscht aktuell ein Tauwetter zwischen einigen arabischen Staaten und Israel. Während die meisten islamischen Länder noch an der rassistischen Praxis festhalten, jeden Einreisenden mit einem israelischen Stempel im Reisepass abzuweisen, nahm diesmal eine israelische Vertreterin an der Konferenz Working Group on Maritime and Aviation Security in Bahrain teil wie die „Times of Israel“ berichtete.

Warten wir ab, was sich hier entwickelt.

Momentan unterhält Israel nur zu zwei arabischen Staaten diplomatische Beziehungen – zu Ägypten und Jordanien. Doch die Interessensgleichheit mit Saudi-Arabien besteht angesichts der Gefahr einer iranischen Atombombe. Wenn das Pulverfass explodiert, schießt der Ölpreis nach oben. Die Bernstein-Bank behält auch dieses Asset für Sie im Blick – und wünscht Ihnen erfolgreiche Investments bei Erdöl, wenn Sie CFD handeln.

 


 

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