Abgesang auf den Dollar

Bernstein BankTotgesagte leben länger. Doch zuletzt häuften sich die Prophezeiungen, dass der Greenback auf sein Ende zusteuert. Die Argumente klingen einleuchtend: Die Gründe für das mögliche Ende sind die exzessive Geldpolitik in den USA und der weltweite Corona-Schock. Wir beleuchten die Argumente der Bären.

Wendepunkt 23. März

Wer nicht an Papiergeld glaubt, setzt auf Edelmetall. Ergo haben sich zuletzt vor allem die Gold-Bugs mit Warnungen vor dem Dollar-Ende zu Wort gemeldet. Alasdair Macleod von GoldMoney.com beispielsweise sieht den 23. März als entscheidenden Wendepunkt für das Schicksal der US-Währung – und als den möglichen Anfang vom Ende.

Am 23. März habe der Trade Weighted Dollar-Index (TWI) vorerst sein Hoch erreicht, während die zuvor im Wert gefallenen Aktien, Gold, Silber und Kupfer nach oben zogen. An diesem Tage habe sich etwas verändert: Entweder der Markt habe entschieden, dass das Wirtschaftswachstum in den USA und im Rest der Welt nach den Corona-Lockdown weitergehen werde. Oder aber, dass die Kaufkraft des Dollars schwinden werde.

 


 

GoldMoney.com fuhr fort, es sei unwahrscheinlich, dass das US-Bankensystem die aktuelle Unterbrechung der Lieferketten in der Industrie ohne Schaden überstehe. Die Banken seien hoch verschuldet und die Angst vor geplatzten Krediten steige – weswegen Geldinstitute untereinander zögerlich Geld verliehen.

Trotz der massiven Interventionen der Fed bleibe die Liquiditätslage bei den Geldinstituten problematisch, wie sich an der Inanspruchnahme von Overnight Repos in Höhe von 20 bis 100 Milliarden Dollar zeige. Die meisten systemrelevanten Banken weltweit stehen laut GoldMoney.com derzeit schlechter da zur Zeit der Lehman-Krise.

Ende 2020 ist der Dollar Geschichte

Der Dollar könne bis zum Jahresende komplett scheitern. Und so werde das Ende des Greenback ablaufen: eine lange Periode sinkender Kaufkraft, gefolgt von einem plötzlichen Kollaps, wenn die Menschen die Währung komplett ablehnen. Die zweite Phase dauere gewöhnlich sechs Monate.

Dann dürften nicht nur die heimischen Kunden flugs ihr Geld von den Konten abziehen. Sondern auch internationale Investoren, die etwa 25 Billionen Dollar an Sicherheiten und Konten halten. Und wenn das Ausland keine US-Treasurys mehr kaufe, könne die Fed das Defizit nicht mehr finanzieren, urteilte Macleod.

Geldmenge killt Kaufkraft

Auch ein anderer Analyst warnte jüngst vor einer Abkehr vom Dollar – ausgelöst durch die Entkernung des inneren Wertes im Zuge der massiven Ausweitung der Geldmenge. Tad Rivelle ist Chief Investment Officer bei TCW Funds und MetWest Funds und verwaltet rund 180 Milliarden Dollar. Und er konstatierte, die Fed habe Milliarden aus dem Nichts geschaffen und ihre Bilanz massiv ausgeweitet.

Aber was passiere später? Rivelle glaubt nicht daran, dass der Abwurf von Geld aus dem Helikopter die Wirtschaft auf breiter Basis stabilisiere. Die Shutdowns und die begleitenden Verwerfungen in den Präferenzen der Verbraucher dürften für eine Weile mehrere Branchen treffen: Restaurants, Einzelhandel, Energie, Tourismus, Krankenhäuser, Flugzeugbau, Fitness-Studios und Gewerbeimmobilien.

Die Fed habe zwar die volle Kontrolle über das Angebot der Greenbacks; nicht aber über die Nachfrage. Alles in allem werde die Erholung nach der Corona-Krise enorm lange dauern – und die Welt danach der Stagflation der 70er Jahre gleichen. Soll heißen: eine stagnierende Wirtschaft und eine steigende Inflation.

Wenn der Dollar in einer kränkelnden Wirtschaft nicht gebraucht werde und zugleich die Geldmenge unglaublich ansteige, dann würden sich die Menschen von einer Währung abwenden, die immer weniger Kaufkraft biete.

Das Ende ist nahe

Auch Egon von Greyerz von GoldSwitzerland.com warnte vor einem Endgame. Der seit 50 Jahren andauernde Dollar-Zyklus sei an seinem Ende angelangt. In dieser Zeit habe der Greenback 50 Prozent gegenüber DM/Euro verloren und 78 Prozent gegen den Schweizer Franken. Die US-Schulden hätten sich seit 1971 von 400 Milliarden Dollar auf 26 Billionen erhöht.

Die Arbeitslosigkeit in den USA habe fast 30 Prozent erreicht, nach Angaben der International Labour Organisation könnten fast 50 Prozent der Beschäftigten in Entwicklungsländern ihren Job verlieren. Tausende Firmen dürften umkippen. Es gebe keine Lösung für ein Schuldenproblem in einer Welt, die kollektiv bankrott sei. Fast alle Assets dürften kollabieren, auch Aktien und Immobilien.

Zunächst werde die Welt eine hyperinflationäre Explosion erleben, gefolgt von einer deflationären Implosion. Begleitet von sozialen Unruhen und wahrscheinlich Kriegen.

 


 

Unser Fazit: Tatsächlich wiegen die Argumente der Dollar-Gegner schwer. Doch auch Bären können irren. Die Frage ist jedoch, ob die USA schneller als der Rest der Welt aus der Rezession herausfinden. Was die Nachfrage nach dem Dollar im Vergleich zu anderen Währungen steigern dürfte.

Vor allem in der größten Volkswirtschaft der Welt gibt es einen gewaltigen Nachholbedarf – womit die Erholung an den Börsen tatsächlich ein Vorschuss auf die Rückkehr zur Normalität wäre.

Und weiter bleibt Corona ein wichtiger Faktor: Sollte ein Impfstoff oder wirksames Medikament gefunden werden, wird die Wirtschaft weltweit schnell kräftig anziehen. Mit den dann sprudelnden Steuereinnahmen ließe sich der Schuldenberg abtragen und die Währung stabilisieren. Die Bernstein-Bank behält die Angelegenheit für Sie im Blick und wünscht erfolgreiche Trades und Investments.

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