Aktie im Fokus: Amazon.com – Digitalisierung des deutschen Lebensmittelhandels?

LYNX Broker: Als Aktie der Woche stellen wir den Online-Marktplatz Amazon.com vor. Amazon.com will nach eigenen Angaben der Online-Marktplatz sein, auf dem die Nutzer nahezu jedes Produkt wirklich kaufen können, online und weltweit. Der Konzern wurde 1994 von Jeff Bezos gegründet und hat seinen Sitz in Seattle im US-Bundesstaat Washington. Auflistungen können bei einem "Mega-Konzern", wie Amazon nicht abschließend sein.

 

Unternehmen
Das Unternehmen betreibt in vielen wichtigen Märkten eigene Websites, zum Beispiel in den USA, Großbritannien, Deutschland, Japan, Frankreich, Kanada, China, Italien, Spanien, Brasilien und auch in Mexiko. Amazon.com wurde ursprünglich als Online-Buchhandlung gegründet, heute kann der Amazon-Nutzer unter Millionen von Produkten von mehr als 2 Mio. Anbietern wählen, die in die Kategorien Bücher Filme, Videos, Musik, Videospiele, Elektronik- und Computerartikel, Haus- und Gartenzubehör, Zubehör aller Art und Güte, Spielzeug, Kinder- und Babyartikel, Gesundheits- und Beauty-Artikel, Kleider, Schuhe, Juwelen, Sport- und Outdoor-Artikel, Autoteile sowie viele weitere Kategorien fallen.


Daran sollte schnell klar werden, wie groß die Marktmacht von Amazon.com heute bereits in allen Branchen ist und warum andere Händler mit Amazon allzu oft nicht Schritt halten können. Amazon unterhält in 18 US-Bundesstaaten Corporate Offices, Center, Logistik-Center, Service-Center und mehr, ist an internationalen Standorten in China, Costa Rica, Frankreich, Deutschland, Indien, Irland, Japan, Großbritannien und Luxemburg vertreten und unterhält Software-Center im indischen Bangalore sowie im indischen Chennai und außerdem in Kapstadt in Südafrika. Das Unternehmen wird von seinem Gründer und CEO Jeff Bezos geleitet.

 

Analysen
Morningstar, Morgan Stanley, Bernstein, JPMorgan, Citigroup, RBC Capital, UBS, Oppenheimer, Credit Suisse, Deutsche Bank, Goldman Sachs, Nomura, Merrill Lynch, Jefferies, Barclays, JMP Securities, Macquarie, Stifel und BGC Partners haben seit Juli 2015 Analysen zur Aktie von Amazon.com angefertigt. Von den damit insgesamt 19 Analysten versahen 18 die Aktie mit einer Kaufempfehlung, nur ein Analyst sprach sich für das "Halten" des Wertpapiers aus, kein Analyst riet zum Verkauf der Aktie. Im Schnitt sehen die 18 Analysten ein Kursziel von rund 797,22 USD (die Analyse von Morningstar blieb das Kursziel schuldig). Zum Zeitpunkt dieser Analyse ging das Wertpapier mit einem Kurs von 728,24 US-Dollar aus dem Handel an der NASDAQ.

 

Insidertransaktionen
Zumindest interessant sind die Verkäufe des Insiders, CEOs und Firmengründers Jeff Bezos. Er führte noch im Mai seinen bislang größten Verkauf von Amazon.com-Wertpapieren durch und trennte sich von Aktien im Wert von rund 671 Mio. US-Dollar. Schon Anfang August 2015 hatte er Aktien im Wert von rund 534 Mio. US-Dollar abgegeben. Jeff Bezos hält trotz dieser Verkäufe immer noch über 17 Prozent der Anteile (81,91 Mio. Aktien) von Amazon.com und bleibt damit der größte Aktionär. Der Wert der Aktie ist auch nach den jeweiligen Verkäufen nicht weggebrochen. Er hat sich weitgehend dem Marktverlauf des Dow Jones und der NASDAQ angepasst und notiert schon wieder auf neuen Höhen. Dennoch ist nicht zu übersehen, dass die Insider Papiere von Amazon.com überwiegend verkaufen. Auf Jahressicht stehen gemäß der SEC 80 Käufen mit 142.234 Aktien immense 364 Verkaufstransaktionen mit 2.206.052 Aktien gegenüber. In Relation zu den 471 Mio. ausstehenden Aktien erscheinen diese Verkaufstransaktionen dann aber doch nur vordergründig relevant. Ohnehin sind viele dieser Verkaufstransaktionen auf Bonusprogramme bzw. Vorstands- und Aufsichtsratsvergütungen zurückzuführen.

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Aktienhistorie Amazon
Der Markt bewertet das Unternehmen Amazon.com derzeit mit 343,00 Mrd. USD. Die Aktie kostete in den letzten 52 Wochen 726,43 USD im Hoch, 419,14 USD im Tief. Der Durchschnittskurs der letzten 250 Tage lag bei rund 575,00 USD. Auf Sicht von fünf Jahren ist die Performance des Wertpapiers aber beeindruckend. Die Aktie konnte um knapp 274 Prozent zulegen und verwies damit so manchen Technologieindex und auch die bekannten Indizes Dow Jones und S&P 500 locker auf die Plätze. Der Dow Jones schaffte im gleichen Zeitraum 45 Prozent, der Nasdaq 100 zwar rund 95 Prozent, aber bei weitem keine so gute Performance.

Die Aktien von Amazon.com sind an der NASDAQ mit dem Symbol „AMZN“ handelbar. Am 15. Mai 1997 ging das Unternehmen an die Börse. Der IPO-Preis lag bei 18,00 US-Dollar. Seitdem gab es bei der Amazon-Aktie drei Splits.

 

Anteilseigner

Die größten institutionellen Aktionäre sind T. Rowe Price Associates mit 4,85 Prozent, Vanguard Group mit 4,81 Prozent, Capital World Investors mit 4,53 Prozent, FMR LLC mit 4,19 Prozent, State Street mit 3,18 Prozent, Capital Research Global Investors mit 2,32 Prozent, BlackRock Institutional Trust Company mit 2,11 Prozent, Baillie Gifford and Company mit 1,73 Prozent, Jennison Associates LLC mit 1,16 Prozent und JPMorgan Chase & Company mit 1,11 Prozent.

 

Geschäftsbericht
Für das Geschäftsjahr 2015 (bilanziert wird bei Amazon.com zum 31.12. gemäß US-GAAP in USD) wies der Konzern Umsatzerlöse in Höhe von 107,0 Mrd. USD aus (2014: 89,0. Mrd. USD, 2013 74,5 Mrd. USD, 2012 61,1 Mrd. USD und 2011 48,1 Mrd. USD). Das sind atemberaubende Umsatzsteigerungen. Seit 2011 konnte der Konzern seinen Umsatz sogar mehr als verdoppeln. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit lag für 2015 bei 1,6 Mrd. USD. Das Zinsergebnis lag 2015 bei einem Minus von -409,0 Mio. USD. Als Jahresüberschuss wurden für 2015 596,0 Mio. USD ausgewiesen (2014 stand hier ein Jahresfehlbetrag in Höhe von 241,0 Mio. USD in den Büchern).

 

Das Nettoergebnis je Aktie betrug 1,1483 USD. Dividenden zahlt Amazon.com nicht – der Aktionär partizipiert nur an der Kursentwicklung. 20160603-Amazon-Lagerhaus-Madrid-Spanien. Im Geschäftsjahr 2015 beschäftigte das Unternehmen gemäß Bilanz 230.800 Mitarbeiter. An liquiden Mitteln wurden für 2015 15,9 Mrd. USD erklärt, das wirtschaftliche Eigenkapital ist mit 13,4 Mrd. USD angesetzt, das gezeichnete Kapital beträgt 5,0 Mio. USD und die Verbindlichkeiten werden mit 52,1 Mrd. USD ausgewiesen. Die Bilanzsumme liegt bei 65,4 Mrd. USD. Die Eigenkapitalquote betrug für 2015 rund 20,5 Prozent.

In den Bilanzprognosen für 2016 und 2017 werden Umsätze in Höhe von 133,83 und 161,88 Mrd. USD angeführt. Das EBIT soll 2016 4,63 Mrd. USD betragen, 2017 sollen es 7,66 Mrd. USD sein. Der Gewinn je Aktie könnte 2016 demnach bei 5,455 USD liegen und sich 2017 auf 10,04 USD nahezu verdoppeln. Der Cashflow je Aktie soll 2016 bei 35,49 USD und für 2017 bei 43,34 Euro liegen. Das Nettovermögen je Aktie soll 2016 39,07 USD betragen und 2017 auf 59,66 USD anziehen. Der Nettogeldbestand des Konzerns soll 2016 bei 17,31 Mrd. USD liegen und sich 2017 signifikant erhöhen, auf 30,34 Mio. USD.

 

Amazon in Zukunft ein Lebensmittellieferant?
Natürlich bietet Amazon Bücher, Musik, Videos, Kindle-E-Books und Movies on Demand, besonderes Augenmerk sollte man bei Amazon.com in naher Zukunft jedoch auch weiteren Großprojekten und vor allem den Massenmärkten schenken. Marktgerüchten, Kommentaren von Mitbewerbern im deutschen Einzel- und Lebensmittelhandel und Berichten zufolge plant der Konzern den Start im deutschen Lebensmittelmarkt. Der deutsche Markt ist nach den USA für Amazon in vielen Bereichen einer der wichtigsten Zielmärkte. Mischt Amazon zukünftig auch noch im deutschen Lebensmittelhandel mit, werden der Verdrängungswettbewerb und Preiskampf dort womöglich noch einmal härter. Ob dies jedoch gerade in Bezug auf den Bereich Lebensmittel auch für den Endkunden nachhaltig, gesund und somit vom Vorteil sein wird, bleibt abzuwarten. Eines sollte dem Investor klar sein: Lebensmittelhandel ist ein Massenmarkt, dort lässt sich viel umsetzen, folglich kann auch mit mehr Gewinn gerechnet werden – und Amazon hat in der Vergangenheit immer wieder Marktstärke bewiesen. Allein das weckt Kursfantasien.

In den USA oder auch in Großbritannien verkauft Amazon unter dem Label „Amazon Fresh“ bereits Lebensmittel. Berlin diente Amazon via „Amazon Prime“ im Lebensmittelbereich schon einmal als Testfeld. Bereits nach einer Stunde soll der Nutzer die bestellte frische Ware in den Händen haben. Aus den Versäumnissen der Wettbewerber gegenüber Amazon in der Vergangenheit sollte der deutsche Lebensmittelhandel jetzt die passende Lehre ziehen: „Ganz warm anziehen und noch früher aufstehen!“ Sollten die Zukunftsvisionen wahr werden, so wird dem Kunden zum Beispiel der bestellte Salat oder die bestellte Portion gekühlter Steaks per Drohne vor die Tür geflogen oder via selbstfahrendem Lasten-Roboter von Starship Techologies vor die Tür gefahren. (Auch hier kratzt Amazon einmal mehr an den Geschäftsmodellen anderer Branchen, etwa der Paketdienste).

 

Chartanalyse der Aktie: Amazon (USD)

Die Aktie von Amazon bot in den vergangenen fünf Handelsjahren überwiegend Chancen auf der Long-Seite, die teilweise ein überdurchschnittlich hohes Gewinnpotenzial besaßen. Vom Tief Anfang 2012 im Bereich 175,00 USD ging es kürzlich auf ein neues Allzeithoch von rund 725,00 USD – grundsätzlich eine Entwicklung von mehr als 300 Prozent. Allerdings ist eine Abwärtsbewegung zu Anfang dieses Jahres zu erwähnen. Von rund 700,00 USD ging es innerhalb weniger Wochen hinab bis circa 475,00 USD, was langfristig angelegte Long-Strategien etwas aus der Bahn warf. Eine bis zum Schlusskurs der vergangenen Handelswoche folgende erneute Aufwärtsbewegung relativierte dieses Abwärtsszenario dann jedoch wieder.

 

Der Wert von Amazon stellt sich auch für die kommenden Tage und Wochen tendenziell scheinbar auf die Long-Seite, wobei das Erreichen neuer Hochs nicht auszuschließen ist. Bis zu Kursen hinab auf 625,00 USD sollte aus charttechnischer Sicht kein Bruch der Aufwärtssequenz auftreten. Im Idealfall lassen sich leichte Rücksetzer erkennen, die als potenzielle Einstiege in Long-Richtung genutzt werden könnten. Bei einem Bruch der Unterstützung 625,00 USD beziehungsweise bei eventuell auftretendem Short-Momentum ähnlich dem von Anfang Januar sollte bei Käufen etwas Vorsicht gelten, gegebenenfalls muss dann eine neue Analyse durchgeführt werden.

 

Chart

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