Alle Wege führen zum Gold – Noch mehr Luftgeld durch die Fed

Bernstein Bank: Surprise: Die Federal Reserve dürfte bald noch mehr Geld in den Markt pumpen. Denn die Wirtschaft lahmt, ein neues Börsen-Gewitter ist durchaus wahrscheinlich. Die Corona-Krise ist noch lang nicht ausgestanden. All dies spricht für das Investment von Gold. Und sogar die Blockchain-Technologie ist ein bullisher Faktor für das gelbe Metall.

Wir beleuchten die Hintergründe.

 

Noch mehr Luftgeld durch die Fed
Jetzt ist es also amtlich: Die Federal Reserve will keinen Negativ-Zinssatz einführen. Umgehend meldeten sich die Zweifler: „For all the measures taken by the Fed and fiscal authorities to counter the COVID19 shock, policy remains too tight.“ Soll heißen: Selbst die expansive Geldpolitik der Fed reiche gegen den Corona-Schock nicht aus, urteilte Credit Strategist Stuart Sparks von der Deutschen Bank. Der Realzins liege schon bei -1 Prozent. Falls die Fed aber vor negativen Leitzinsen zurückschrecke, bleibe nur noch mehr Quantitative Easing.

Man höre und staune: Die Fed hat in den vergangenen zwei Monaten ihre Bilanz schon um 2,6 Billionen Dollar ausgeweitet. Die Deutsche Bank schätzt, die Fed müsse ihre Bilanz um 3,3 Billionen Dollar dehnen. Noch mehr Luftgeld also, das den Dollar entwertet. Die anderen Notenbanken dürften nachziehen.

Und somit hätten wir das derzeit wichtigste Argument für Gold.

 


 

Marathon des Gelddruckens
Jüngst hatte sich schon Fred Hickey, Herausgeber des Investment-Newsletters „The High-Tech Strategist“ ähnlich geäußert. Trotz des Namens seines Börsenbriefes halte er sich derzeit von den überhitzten Tech-Aktien fern. Stattdessen investiere er in Gold-Miner. Auch Hickey argumentierte mit der Geldpolitik: „At this point, it’s an all-out printathon: In 2008, the Fed printed up a trillion dollars in eight months. Now, they have printed up two trillion dollars in six weeks.“ Im Interview mit der „Neuen Züricher Zeitung“ äußerte er, die Fed habe eine gigantische Blase geschaffen – wie zuvor nur in den Jahren 2000 und 2007.

Sein Fazit: „Gold does well in chaos and uncertainty“.

Man könnte nun argumentieren, die Ausweitung der Geldmenge spreche auch für Bitcoin. Das könnte durchaus sein. Wenn nicht eine unkontrollierte Währung ein Dorn im Auge aller Regierungen wären, die über den inneren Wert des Geldes Wirtschaftspolitik betreiben. Also aller Regierungen. Tatsächlich führt auch der Weg in die Blockchain wahrscheinlich ultimativ zum Gold.

Denn die Blockchain dürfte zu einem Universum von Cyber-Devisen mit Gold-Standard führen. So könne der neue E-Yuan durch Gold gedeckt werden, mutmaßte die Denkfrabrik Strategic Culture Foundation. Sollte dies offiziell von Peking verkündet werden, dürfte dies den Greenback wie ein Blitz treffen.

 

China prescht bei Blockchain vor
Wir erinnern uns: Vor wenigen Wochen hatte die chinesische Notenbank den Start eines Feldversuchs mit dem E-Yuan in vier verschiedenen Regionen verkündet. Die People’s Bank of China (PBOC) wird nun irgendwann die Blockchain-basierte Devise landesweit ausrollen, den Digital Currency Electronic Payment (DCEP). Treibende Kraft hinter dem Plan ist PBOC-Gouverneur Yi Gang – laut Pepe Escobar von The Strategic Culture Foundation sollen nach Suzhou, Xiong’an, Chengdu und Shenzhen weitere Städte bis zum Start der Winter-Olympiade 2022 zur Verfügung stehen.

Yi Gang habe aber keine Eile – er will in der neuen E-Devise vor allem Mechanismen gegen die Geldwäsche und Anforderungen zur Registrierung von Kunden einbauen. „Know your customer“ heißt das Schlagwort.

Teil des Pilotversuchs ist auch eine mobile App auf WeChat, die von der Agricultural Bank of China entwickelt wurde. Zum Feldversuch gehören 19 Läden, auch Restaurants wie Starbucks, McDonald’s und Subway. Das Blockchain Service Network (BSN) soll irgendwann weltweit eingesetzt werden, es wird von der Notenbank, Baidu und Tencent geführt, wie das chinesische Ministerium für Industrie und Informationstechnologie mitteilte.

 


 

Gute Gründe für die E-Devise
Damit zurück zum Goldstandard. Die potenziellen Vorreiter in Sachen Gold-basierte E-Währung – Russland und China – haben gute Gründe für die Einführung einer solchen neuen Währung. Zum einen könnten die USA nicht über die Zinspolitik die Devisenreserven entwerten. Zudem könnte Washington bei politischen Krisen nicht mehr einfach den Default bei seinen Staatsanleihen erklären – diese Option steht als Waffe gegen China wegen der Vertuschung in Sachen Corona weiter im Raum.

Weiter lässt sich über eine Cyber-Devise die Korruption eliminieren: Wenn der Staat mit einer Blockchain-basierten Währung bezahlt, ist immer klar, wer wann wieviel Geld bekommen hat.

Und gerade in Russland, China und Indien tobt die Bestechung.

 

Weg vom Dollar
Der ganze Prozess zur Umgehung des Dollars hin zum Gold laufe seit Jahren, vor allem zwischen Russland und China. So hätten beide Länder schon vor drei Jahren bilateralen Handel in der jeweiligen Währung vereinbart. Beide haben schon seit langem die Goldreserven aufgebaut. Die post-Corona-Welt biete nun eine gute Gelegenheit für die neue Devise, konstatierte die Strategic Culture Foundation weiter.

Weitere Vorteile: Auch die Handelspartner könnten davon ausgehen, dass eine goldgedeckte E-Devise nicht durch ein Quantitative Easing entkernt wird. Und zudem fallen die Banken als Zwischenhändler und damit die Gebühren für Devisen weg. Wir ergänzen: Der Nachteil einer solchen E-Währung wäre, dass jede Regierung, die Zugriff auf die Blockchain-Technologie hat, einem in Ungnade gefallenen Halter einfach den elektronischen Geldbeutel ausleeren kann.

Dennoch: Wir sollten das Thema Golddeckung von Cyber-Währungen im Auge behalten. Der Chef der Shanghai Gold Exchange (SGE), Wang Zhenying rief schon vor einigen Wochen laut Reuters nach einer internationalen Super-Währung, um den Dollar abzusetzen.

Die Federal Reserve werde in ihrer Reaktion auf Covid-19 früher oder später den Dollar versenken, urteilte er.

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