Anleihen: Notenbanker bremsen weiter

Börse FrankfurtWann kommt der erste Zinsschritt nach unten?

Wohl nicht so schnell – so der Tenor diese Woche. Die Renditen zogen daraufhin wieder an.

„In den letzten Tagen haben die Hoffnungen auf schnelle Zinssenkungen etwas nachgelassen“, berichtet Analyst Ralf Umlauf von der Helaba.

Hintergrund seien robuste US-Konjunkturdaten und Stellungnahmen diverser Fed-Vertreter.

„Cleveland-Fed-Präsidentin Loretta Mester hält es für einen Fehler, die Zinsen zu früh zu senken.“

Auch andere Notenbanker hätten keine besondere Eile erkennen lassen.

„Notenbankchef Jerome Powell warnte die Märkte am Sonntag im Interview mit CBS davor, auf rasche Zinssenkungen zu setzen“, bemerkt auch Tim Oechsner von der Steubing AG.

Der Job sei noch nicht erledigt.

 

„Zu aggressive Markterwartungen“

In der Eurozone sieht es ähnlich aus: EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel sprach sich in einem Interview mit der Financial Times am Dienstag gegen allzu aggressive Markterwartungen hinsichtlich rascher Zinssenkungen aus.

Die Gründe: die anhaltende Inflation im Dienstleistungssektor, der robuste Arbeitsmarkt, die spürbare Lockerung der Finanzkonditionen sowie die angespannte Lage im Roten Meer mit Sorgen um unterbrochene Lieferketten.

Die Renditen stiegen im Wochenvergleich wieder: Am Freitagmorgen werfen zehnjährige Bundesanleihen 2,36 Prozent ab nach 2,17 Prozent vor einer Woche.

US-Staatsanleihen gleicher Laufzeit bieten aktuell 4,15 nach 3,85 Prozent.

Sehr gut angenommen wurden diese Woche diverse neue Staatsanleihen, wie Arthur Brunner von der ICF Bank berichtet.

Das gilt etwa für dreißigjährige Anleihen von Belgien mit 3,5 Prozent-Kupon (BE0000361700) und Spanien mit 4 Prozent sowie zehnjährige Norwegen-Anleihen in Kronen mit 3,625 Prozent.

 

Größte Immobilienkrise seit 2008?

Im Handel mit Unternehmensanleihen sorgen Nachrichten aus den USA für Unruhe.

Am US-Immobilienmarkt braut sich etwas zusammen“, bemerkt Brunner. „Die Angst geht um“, formuliert es Rainer Petz von Oddo BHF.

Laut Handelsblatt standen im vierten Quartal 2023 in den USA so viele Büros leer wie noch nie zuvor.

Die Rating-Agentur Moody`s hat die Kreditwürdigkeit einer betroffenen US-Regionalbank, der New York Community Bancorp (NYCB), bereits auf Ramschniveau heruntergestuft.

Auch für deutsche Banken hat das Folgen, besonders die Deutsche Pfandbriefbank (Depfa).

Die Aktien sackten auf ein Rekordtief, für die Anleihen ging es ebenfalls kräftig nach unten. Die bei Oddo gehandelte, 2027 fällige Anleihe mit Kupon von 4,6 Prozent fiel von rund 74 Prozent auf 51 Prozent (DE000A2DASM5).

Ganz steil abwärts ging es auch für die Depfa-Hybridanleihen mit 8,474 Prozent-Kupon (XS1808862657), die nur noch um 35 Prozent gehandelt werden, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank berichtet.

„Das ist schon ein deutlicher Vertrauensverlust“, kommentiert Brunner. Die Depfa selbst spreche von „der größten Immobilienkrise seit 2008“.

Am Donnerstag versuchte die Bank, Zweifel an der Finanzlage zu zerstreuen.

Der Refinanzierungsbedarf für 2024 sei schon weitgehend gedeckt, erklärte sie.

 

Bekannte Namen: Kauflaune hält an

Klassische Unternehmensanleihen kommen aber weiter gut an. Sehr beliebt sind Daniel zufolge Bonds mit kurzen oder mittleren Laufzeiten, etwa von VW oder Mercedes.

„Ständig gekauft“ werde die Anfang 2025 fällige Anleihe des Leasing-Spezialisten Grenke (XS2078696866).

Das Unternehmen hatte vergangene Woche den Rückzug aus dem Geschäftsfeld Factoring angekündigt, in dieser Woche ein Aktienrückkaufprogramm.

Zudem würden Kursrücksetzer bei der Ende Januar emittierten Sixt-Anleihe (DE000A3827R4) zum Einstieg genutzt.

Eher abgegeben würden Papiere des Duft- und Geschmacksstoffanbieters Symrise (DE000SYM7720).

Oechsner sieht rege Nachfrage nach den im Januar emittierten Papieren von Eon (XS2747600018), ebenso nach Bonds von Bayer (XS2630112014, XS2630111719), Deutscher Bank (DE000DB7XJJ2), Deutscher Telekom (XS0503603267) und Knorr-Bremse (XS1837288494).

Diese sind zwischen 2025 und 2033 fällig und bieten aktuell Renditen zwischen 2,28 und 4,4 Prozent.

Brunner zufolge wird der noch bis 2028 laufende Bond der Deutschen Rohstoff AG (DE000A3510K1) weiter gern genommen. Der wird mittlerweile zu 108,5 Prozent gehandelt.

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