Anleihen: Renditen bleiben hoch

Börse FrankfurtMit Zinssenkungen ist so schnell nicht zu rechnen – das hat auch diese Woche gezeigt.

Denn die Inflation bleibt hoch: Die Kerninflation im Euroraum hat im Januar einen Rekordwert erreicht, wie die revidierten Daten des Europäischen Statistikamts Eurostat zeigen.

„Die Zinssorgen sind weiter dominant“, berichtet Tim Oechsner von der Steubing AG.

Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen kletterte diese Woche wieder in Richtung 2,56 Prozent, dem Hoch von Ende 2022 und dem höchsten Stand seit 2011. Am Freitagmittag sind es mit 2,46 Prozent etwas weniger.

Auch die Rendite für zweijährige Bundesanleihen ist leicht zurückgegangen, befindet sich mit 2,89 Prozent aber immer noch auf dem höchsten Stand seit der Finanzkrise.

„Obwohl das Marktumfeld kommende Woche schwach bleiben dürfte, erwarten wir keinen deutlichen Anstieg der zehnjährigen Bundrenditen über die Hochs von knapp 2,6 Prozent“, erklärt Anleihenanalyst Hauke Siemßen von der Commerzbank.

„Mit nachhaltig fallenden Renditen rechnen wir allerdings auch erst nach dem Sommer, wenn die Kerninflation fallen und die EZB die Zinsen nicht weiter erhöhen dürfte.“

 

Keine Sorgen um Italien & Co.

Die Risikoaufschläge für Europas Peripheriestaaten bleiben etwas erhöht, wie Ulrich Wortberg von der Helaba beobachtet. Die sehr hohen Niveaus, die im Sommer und Herbst letzten Jahres markiert wurden, seien aber noch weit entfernt.

„Der im März beginnende Abbau des in den letzten Jahren massiv gewachsenen EZB-Anleihebestandes scheint Marktteilnehmer nicht sonderlich zu beunruhigen.“

Eine neue dreißigjährige italienische Staatsanleihe mit Kupon von 4,5 Prozent (IT0005534141) wird gern gekauft, wie Arthur Brunner von der ICF Bank meldet. Außerdem sind Papiere von Irland (IE00B4TV0D44) und Belgien (BE0000345547) gefragt, wie Oechsner berichtet, ebenso Anleihen des Europäischen Stabilitätsmechanismus ESM (EU000A1U9944).

Die drei Letzteren bieten aktuell Renditen um 3 Prozent.

 

 

Corporates locken mit über 4 Prozent

Im Geschäft mit Unternehmensanleihen setzen Anleger*innen weiter gerne auf bekannte Namen und kurze Laufzeiten. Immerhin gibt es damit mittlerweile 3 Prozent, teils auch über 4 Prozent zu holen. Weiter gesucht sind beispielsweise ThyssenKrupp-Anleihen mit 2,875 Prozent Kupon bis Februar 2024 (DE000A2TEDB8).

„Die rentieren aktuell mit fast 4 Prozent“, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank meldet.

Viel um geht Oechsner zufolge in Papieren von RWE (XS2523390271) und Knorr-Bremse (XS1837288494). Brunner von ICF sieht eine gute Nachfrage nach VW- (XS2438616240) und FMC-Bonds (XS2530444624) mit Renditen von 4,2 und 4,6 Prozent.

Auf den Verkaufslisten fänden sich hingegen die zuletzt sehr beliebten, im Oktober fälligen Grenke-Bonds (XS1910851242). „Das sind wohl Gewinnmitnahmen.“

 

Ekosem: Mutige steigen ein

Im Geschäft mit Mittelstandsanleihen beobachtet Daniel Käufe für die im April 2024 fällige FCR Immobilien-Anleihe mit Kupon von 5,25 Prozent (DE000A2TSB16). „FCR hat am 20. Februar eine andere Anleihe zurückgezahlt, die Gelder werden offenbar wieder angelegt.“

Das Unternehmen habe für 2022 auch gute Zahlen gemeldet und durch aktives Asset Management das Immobilienportfolio erfolgreich weiterentwickelt.

Ebenfalls zugegriffen wird laut Brunner bei Papieren des Solarunternehmens Greencells (DE000A289YQ5). Klar verteuert hätten sich diese Woche Anleihen des Metallverarbeiters Schlote mit 6,75 Prozent bis 2024 (DE000A2YN256).

Ebenfalls beliebt: Ekosem-Agrar-Papiere (DE000A2YNR08). Der Kurs erholt sich auf niedrigem Niveau, aktuell liegt er bei 23,50 Prozent. „Totgesagte leben länger“, bemerkt Daniel.

Die Holdinggesellschaft der auf Milchproduktion in Russland ausgerichteten EkoNiva Unternehmensgruppe leidet stark unter dem Ukraine-Krieg. „Sollte der Krieg irgendwann einmal zu Ende gehen, dürften die Anleihen stark profitieren.“

 

 

R-Logitech – Laufzeitverlängerung „kein gutes Zeichen“

Deutliche Kursverluste verzeichnen diese Woche hingegen die Ende März fälligen Bonds von R-Logitech (DE000A19WVN8), wie Rainer Petz von Oddo BHF berichtet. „Der Kurs fiel zuerst von 70 auf 50 Prozent, aktuell sind es wieder 60 Prozent.“

Das Unternehmen bitte aus „Vorsichtsgründen“ seine Anleihegläubiger um eine Laufzeitverlängerung der Anleihe. „Das ist kein gutes Zeichen.“

Das schlägt sich auch in hohen Umsätzen von Bonds der Metalcorp Group (DE000A3KRAP3) und MRG Finance (XS1897122278) nieder, die Oechsner von der Steubing AG beobachtet. MRG ist die Muttergesellschaft der beiden Unternehmen.

Metalcorp hatte vergangenes Jahr schon für Schlagzeilen gesorgt, das Unternehmen konnte eine Anfang Oktober fällige Anleihe nicht zurückzahlen.

Auch die angeschlagene Immobiliengruppe Adler Group bleibt Thema: Gläubiger räumen Adler nun eine deutlich verlängerte Frist für die Veröffentlichungen der Bilanzen ein, dafür sollen sie höhere Zinsen und Adler-Aktien erhalten.

Daniel sieht keine Umsätze, etwa in dem bis 2029 laufenden Papier mit 2,25 Prozent (XS2283225477). „Mit den Stücklungen von 100.000 Euro ist das ohnehin nichts für die meisten Privatanleger.“

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