Anleihen: Verkaufsdruck bei Staatsanleihen

Börse Frankfurt: Staatsanleihen stehen weiterhin unter Abgabedruck. „Man kann schon fast von einem Ausverkauf sprechen“, meint Arthur Brunner von der ICF-Bank. „Auch die Nachfrage nach einer neuen siebenjährigen US-Anleihe war so niedrig wie seit 2013 nicht mehr.“

An den Finanzmärkten bestünde die Sorge, dass die US-Wirtschaft sich nach der Pandemie schneller erholen wird als gedacht und die Federal Reserve deshalb ihre Anleihekäufe im bisherigen Umfang nicht werde fortsetzen können. Zehnjährige US-Treasuries rentierten nach Berechnungen Brunners zwischenzeitlich um 1,6 Prozent, aktuell liege der Wert bei 1,45 Prozent.

Bonds der Euroländer mussten ebenfalls deutliche Kurseinbußen hinnehmen. Der Euro-Bund-Future als Gradmesser für die künftige Zinsentwicklung sank auf Wochensicht von 174,18 auf etwas über 173 Punkte. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen erreichte mit minus 0,21 Prozent zeitweise den höchsten Wert seit März 2020. Auf Talfahrt befinden sich Brunner zufolge auch Staatsanleihen der Euro-Peripheriestaaten. „Zehnjährige italienische Bonds bringen aktuell 0,78 Prozent.“

 


 

Währungshüter steuern gegen

Es geht unter anderem um die künftige Inflationsentwicklung. Die verbale Versicherung der Hüter des Euro und US-Dollar, die Geldpolitik auf Jahre ultralocker zu halten, trägt scheinbar kaum zur Entspannung bei. Dabei wurde die Federal Reserve laut Folker Hellmeyer von Solvecon ungewöhnlich explizit bezüglich des erwarteten Preisauftriebs. Zur Erreichung ihrer Inflationsziele brauche die US-Notenbank nach Auffassung von Jerome Powell mindestens drei Jahre. Bis zur Vollbeschäftigung sei es noch ein weiter Weg.

EZB-Verantwortliche bewegten sich im Gleichschritt mit dem Chef der Federal Reserve. Einen Grund sieht Hellmeyer im Bemühen, der Eurostärke entgegen zu wirken. Eine verschärfte Gangart in der Zins- und Geldpolitik würde demnach eine deutlich höhere Bewertung der Gemeinschaftswährung zum US-Dollar und anderen Devisen mit sich bringen. EZB-Direktorin Schnabel habe zudem gestern öffentlich ausgeführt, dass ein zu abrupter Ausstieg aus der extrem lockeren Geld- und Fiskalpolitik die fraglos verbesserten globalen Wachstumsperspektiven gefährden könnte.

Immobilienunternehmen enttäuschen

Im Handel mit Unternehmensanleihen sieht Brunner eine fünfjährige, mit jährlich 5,5 Prozent verzinste Eyemaxx Real Estate-Anleihe stark unter Verkaufsdruck. „Anleger waren über die hohen Verluste für 2020 schockiert.“ Seit Montag brach der Kurs des Papiers von 85 auf 73 Prozent regelrecht ein.

Rainer Petz von Oddo BHF berichtet von deutlichen Abgaben einer bis 2024 laufenden Eyemaxx-Anleihe mit einem Kupon von 5,5 Prozent. Ebenso trennten sich Investoren von Bonds der Corestate Capital. Das Unternehmen habe im vergangenen Jahr entgegen der eigenen Erwartungen einen Verlust eingefahren. Nach 92 Punkten zum Wochenstart notiert die Anleihe derzeit um 89 Prozent.

Erleichterung über Grenke

Laut einem Zwischenbericht von Mazars über Grenke hinsichtlich der Betrugsvorwürfe durch die Investorengruppe Viceroy Research hat sich der Geldwäsche-Tatbestand nicht bestätigt. Anleger reagierten erleichtert und griffen laut Händler wieder verstärkt zu Grenke-Anleihen. Beispielhaft nennt Petz eine in 2024 fällige, mit 1,625 Prozent verzinste Schuldverschreibung des Leasingspezialisten.

Beate Mägerle von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank spricht von Erholungstendenzen aller Grenke-Bonds und nennt beispielhaft einen Wert, der seit gestern um 10 auf 80 Punkte hochgeschnellt sei.

Brunner nennt Käufe eines mit 3,95 Prozent sowie 1,5 Prozent verzinsten Grenke-Papiers. „Die Geldwäschevorwürfe sind entkräftet, der Bericht listet aber auch Fehler.“

Mutares und Ferratum überzeugen

Zu den Favoriten von Brunners Kunden gehöre ansonsten eine Mutares-Anleihe, die jährlich 6 Prozent Zinsen bringt. Ebenso lande ein bis Mai 2022 laufender Ferratum-Bond mit einer jährlichen Verzinsung von 5,177 Prozent verstärkt in den Depots.

Glencore und Ekosem bewegt die Gemüter

Mägerle verbucht überwiegend Abgaben einer Glencore-Anleihe mit einem Kupon von 4,125 Prozent und einer Laufzeit bis 2023. Viele Käufe und Verkäufe gebe es in einem Ekosem Agrar-Wert, der jährlich 7,5 Prozent Zinsen zahle.

Agri Resources in der Zeichnung

Seit Mittwoch bis voraussichtlich 10. März kann eine neue, fünfjährige, grüne Anleihe von Agri Resources mit einem Kupon von 8 Prozent an der Börse Frankfurt gezeichnet werden. Das Agrar-Unternehmen mit Aktivitäten in elf Ländern plant die Aufnahme von insgesamt 50 Millionen Euro. Das Kerngeschäft der Agri Resources Group umfasst den Anbau, die Beschaffung, die Verarbeitung und die Vermarktung von landwirtschaftlichen Gütern.

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