Aufgeschoben ist nicht aufgehoben – der China-Trumpf wird vor der Wahl ausgespielt

Bernstein Bank: Statt dem befürchteten Knall kam nur ein Plopp: Das Weiße Haus hat eher moderate Sanktionen gegen China verhängt. Die Börse feiert. Doch was nicht ist, kann ja noch werden. Da Peking seinen Verpflichtungen aus dem Zoll-Abkommen bislang nicht nachkommt und offenbar im Zuge der Unruhen auf eine Abwahl von Donald Trump setzt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Handelsdeal auch offiziell platzt.

Das Grande Finale im Handelskrieg – oder gar ein echter Krieg mit China – könnte in Kürze den Aktienmarkt erschüttern.

 

Der Handelsdeal ist klinisch tot
Höchst interessante Zeiten in Amerika und an der Wall Street: Die Wall Street lässt die Ausschreitungen in den USA bislang an sich abperlen und hakt auch die China-News vom Commodity-Markt mit einem Schulterzucken ab. Obwohl die chinesischen Einkäufer Cofco und Sinograin von Peking beauftragt wurden, die Einkäufe von Soja und Schweinefleisch in den USA teilweise zu stornieren.

Stattdessen kaufen die Firmen nun in Brasilien ein. Eine direkte Retourkutsche auf die eher soften amerikanischen Sanktionen kurz zuvor. Und vor allem eine chinesische Kampfansage – der Handelsdeal ist damit wohl tot.

Denn China hatte sich ja verpflichtet, verstärkt amerikanisch Agrar-Güter einzukaufen.

Trump hat noch nicht reagiert.

 


 

Zuvor hatte der US-Präsident im Prinzip den Handelsdeal mit dem Reich der Mitte intakt gelassen – und er hatte nur die Sonderbehandlung für Hongkong aufgekündigt, nachdem Peking seine Sicherheitsgesetze auf die ehemalige britische Kronkolonie ausgeweitet hatte. Außerdem gibt es Restriktionen für Chinesen, die in den USA arbeiten und studieren. Trump hat sich also – zunächst – von jeder „nuklearen Option“ gegen China zurückgehalten, etwa den Ausschluss chinesischer Banken aus dem Dollar-Clearing-System.

Im Ergebnis hat die softe Reaktion der Amerikaner auf die chinesischen Tricksereien am Montag zu mehreren kleinen Rallyes an den asiatischen Märkten geführt.

 

Probleme für die Börse erst einmal vertagt

Leider ist damit die Gefahr einer neuen Runde im Handelsstreit nicht final gebannt. Garfield Reynolds, Kommentator für Makro-Ökonomie bei Bloomberg, urteilte, „complexity is causing global investors to underprice the danger from U.S.-China confrontations over Hong Kong. Far from being just a regional issue, the world’s two largest economies are sliding toward a more markets-negative showdown than anything we saw in the first three years of Donald Trump’s presidency.“ Ein ultimativer Showdown des bilateralen Handels könnte also noch bevorstehen.

Und Goldman Sachs kommentierte, falls Trump entscheide, dass China seine Verpflichtungen unter dem Phase-1-Deal nicht nachgekommen ist – was Peking definitiv nicht getan hat – dann könne er einige Zölle umgehend wieder auf 15 Prozent erhöhen.

Wir meinen: Was die Börse wieder in Tumulte stürzen könnte – wie schon bei jeder negativen Wortmeldung in Sachen Handelsstreit vor einigen Monaten.

 

Der China-Trumpf wird vor der Wahl ausgespielt
Wir vermuten, dass Trump diesen China-Bashing-Joker erst kurz vor der Wahl ziehen wird – er wird allen Amerikanern noch einmal unter die Nase reiben, dass alleine die Volksrepublik mit ihren Vertuschungen in Sachen Corona-Krise und mit dem Wortbruch in Sachen Handelsdeal verantwortlich ist für das Abwürgen der US-Wirtschaft. Und gerade die US-Farmer dürften vor Zorn kochen, wenn China nicht, wie einst versprochen, amerikanische Produkte einkauft.

Die Attacke auf China dürfte den Republikanern nutzen.

Denn die Democrats und ihre Surrogates in den Medien – von CNN über Washington Post oder Twitter –¬ halten sich auffällig mit Kritik an Peking zurück.

 


 

Wem schaden die Unruhen?
China scheint sich derzeit seiner Sache sehr sicher zu sein – und hofft wohl auf eine Abwahl von Trump im November. Offenbar beobachten die Chinesen die Ausschreitungen im ganzen Land sehr genau. Ermutigt werden sie von den unerträglichen Solidaritätserklärungen der Democrats und der Kulturschickeria in Hollywood für die Antifa, pardon: Neo-Fa. Wenn sich die Maoisten da mal nicht täuschen: Außerhalb der Eliten und Universitäten gibt es in den USA wenig Support für die Rote SA, die in vielen Orten die Proteste für sich gekapert hat. Schon gar nicht in der Mittelschicht – wer ein Haus und eine Familie hat, ist bereit, sein Eigentum gegen den Mob zu verteidigen.

Das beweist ein kurzer Blick auf Waffenverkäufe.

Wie sozial gerecht ist es zudem, wenn kleine Selbständige ihren Laden in Flammen aufgehen sehen?

Was hat das mit Polizeigewalt zu tun?

Jedem, der mitdenkt, fällt zudem auf, dass die Riots vor allem in Städten toben, die – mitunter seit Generationen – von Demokraten regiert werden. Können oder wollen diese die Plünderungen nicht stoppen? Los Angeles, Minneapolis, Fayetteville, Atlanta, New York, Nashville, Seattle, Portland, Philadelphia, Chicago, Milwaukee, Salt Lake City, Washington DC, Detroit, Indianapolis, San Francisco, Kansas City, Houston, Charlotte, Cleveland, Pittsburgh, Denver, Dallas, Phoenix, Tampa, Baltimore, Oakland, Louisville.

Übrigens befinden sich darunter auch die Städte mit den höchsten Kriminalitätsraten.

 

Die Folgen für die Börse
Und hier die Schlussfolgerungen aus alledem für Anleger: Falls die Unruhen schnell eingedämmt werden, dürfte sich Trump den Applaus der schweigenden Mehrheit sichern. Und auch der Börse.
Zudem könnte er sich größere Sanktionen gegen China bis kurz vor der Wahl vorbehalten und den Aktienmarkt erst einmal bis zu den alten Höchstständen oder darüber hinweg laufen lassen.

Bei einem neuen Konflikt mit China dürften die Kurse allerdings erst einmal erschreckt nachgeben.

Falls Trump gar nicht reagiert, freut es die Wall Street, dass es erst einmal keinen neuen Handelskrieg gibt. Denn das Luftgeld der Federal Reserve stützt den Markt.

Wie wir gerade gelernt haben, hat die Fed bei einigen großen Indexfonds zugekauft, was die Börse stützt.

Die Massen an Rettungsgeld hieven die Kurse nach oben.

 


 

Eine Gefahr für den Finanzmarkt besteht jedoch: Möglicherweise haben die Unruhen in den USA eine neue Corona-Welle ausgelöst. Schon zuvor hatte Manolo Falco, der co-Head des Investment Banking bei der Citigroup im Gespräch mit der „Financial Times“ davor gewarnt, dass der Finanzmarkt „way ahead of reality“ notiere.

Er wies seine Firmenkunden an, so viel Geld wie möglich einzusammeln, bevor die wahren Kosten der Pandemie sichtbar würden.

Falco ergänzte, „as the second quarter comes along and we start seeing the pain, and the collateral effects of that, we think this is going to be much tougher than it looks.“

 

Der nächste Schwarze Schwan
Bleibt noch ein anderer bearisher Faktor. Was hierzulande niemand auf dem Radarschirm hat, könnte der nächste Schwarze Schwan werden: Eine Invasion von Taiwan durch Rotchina. Peking könnte versucht sein, zu glauben, die Unruhen in den USA hätten Trump so sehr geschwächt, dass er nicht mehr reagieren kann.

Tatsächlich forderte der Generalsekretär der Kommunisten und Staatspräsident Xi Jinping auf dem jüngsten Nationalen Volkskongress die Armee auf, sich auf einen Krieg vorzubereiten. Zudem kursierten kürzlich Medienberichte plus Fotos, in denen zu sehen ist, wie die Volksbefreiungsarmee in Zhurihe den Sturm auf ein 1:1-Modell des chinesischen Präsidentenpalastes trainiert.

Unnötig zu erwähnen, dass eine Invasion die Börsenkurse weltweit nach unten und den Ölpreis gen Norden schicken würde.
Die Bernstein-Bank behält die Angelegenheit für Sie im Auge!

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