Bazooka der EZB hilft Aktien kaum – Börse Frankfurt im Sog der Deflation

Bernstein Bank: Die europäischen Währungshüter kündigen die Mega-Stütze an und feuern die Bazooka ab – sie wollen Anleihen im Wert von 750 Milliarden Dollar kaufen. Doch statt einem Bumm ist an der Börse nur ein Puff zu hören. Denn wem nutzt das? Notleidenden Banken und überschuldeten Staaten. Fraglich ist, ob in der Realwirtschaft viel von dem Geld ankommt. Der DAX legt nur leicht zu.

Börse Frankfurt im Sog der Deflation
Die Anleger in Frankfurt stiegen gegen Donnerstagmittag nur zögerlich ein: Der DAX kletterte 0,6 Prozent auf 8.495 Zähler. Ein mageres Plus also im Vergleich zu den heftigen Verlusten der Vortage. Die US-Futures sanken rund 0,2 Prozent.

Auf dem Parkett verbreitete sich die Einsicht, dass die Welt vor einer Mega-Deflation steht. Mit einer Todesspirale aus fallenden Preisen und rückläufigen Investitionen.

Zudem läuft aktuell ein massives De-Leveraging in der Finanzindustrie.

Soll heißen: Alles muss raus – es geht ums Überleben.

Zeichen dafür ist die Stärke des Dollar – er zog gegenüber den meisten Währungen an und notierte zuletzt bei 1,0856 zum Euro.

 


 

750 Milliarden Euro von der EZB
In Europa können sich all diejenigen Investoren freuen, die Staatsanleihen gekauft hatten – die Europäische Zentralbank wird sie ihnen abkaufen. So will sich die EZB mit einem Notfallprogramm in Höhe von 750 Milliarden Euro bis Ende 2020 gegen Corona stellen. Insgesamt steigt das Volumen aller Einkäufe zusammen mit anderen schon laufenden und geplanten Käufen von Staatsanleihen, Firmenanleihen und anderen Assets damit in diesem Jahr auf 1,1 Billionen Euro.

Die Frage ist, wieviel von diesem Geld in den Taschen der Verbraucher ankommt.

Selbst wenn die Geschäfts- und Staatsbanken verstärkt Kredite vergeben sollten – wer nimmt die auf, wenn die Nachfrage einbricht?

 

Fin de Regime – sie haben nichts verstanden
In diesem Sinne argumentierte auch gerade der stets bissige Analyst Michael Every von der Rabobank. Er konstatierte gestern mit Blick auf die diversen, kaum noch überschaubaren Fiskal- und Konjunkturprogramme: „Too much – and still not enough“. Und stellte fest, dass wir es mit einem fin-de-regime, als dem Ende des Regimes, zu tun haben. Wörtlich: „Things have already irrevocably changed and whipsaw market action reflects that this is the case“. In den USA sei die Virus Fiscal Package von 500 Milliarden Dollar auf 1,2 Billionen Dollar angeschwollen – somit auf 5,6 Prozent des US-Bruttoinlandsproduktes.

Doch in Bezug auf Kredite zeigte er sich kritisch – bei einer längeren Krise würden Darlehen kaum helfen: „However, when you have a collapse in demand and a supply shock, is your first response to want to borrow more to tide you over? Perhaps for a month or two. Yet if this is going to last 12-18 months, as some health experts are suggesting, then surely the temptation is just to shut down and restart a new business when we are virus-free? Or, take the loan, pocket it, and then close down?“

Also: Nimm das Geld, lass die Firma umkippen und renne.

Übrigens äußerte sich der Rabobank-Experte positiv zu Themen wie Grundeinkommen und Helicopter Money.

 

Konjunktur-Indikator Kupfer
Beim Thema Deflation verwies CNBC gerade auf den Konjunktur-Indikator Kupfer. Das rote Metall wird beispielsweise im Bau, bei Haushaltsgeräten oder Autos für Kabel eingesetzt. Der Preis ist gerade auf den tiefsten Stand seit Januar 2016 abgestürzt. So stürzten die Dreimonats-Futures an der London Metal Exchange (LME) im Tief bis auf 4.371 Dollar pro Tonne ab.

Mitte Januar hatte der Preis noch bei 6.340 Dollar gelegen.

Das lässt für die nächsten drei Monate also nichts Gutes für die globale Konjunktur erwarten.

 


 

Korrektur in Asien hält an
Die Anleger in Asien hielten sich am Donnerstag zurück. So verlor der Nikkei rund 1 Prozent auf 16. 553 Punkte. Unterstützung leistete die Bank of Japan, sie bot den Banken weitere 4 Billionen Yen, also 34 Milliarden Euro an Liquidität an und weitet das Anleihekaufprogramm um 1,3 Billionen Yen aus.

In China verlor der CSI-300 1,3 Prozent auf 3.589 Stellen.

 

Wieder heftige Verluste in New York
Derweil erlebten die Bullen gestern schon wieder ein Blutbad an den US-Börsen. Wegen der rasanten Verkäufe wurde der Börsenhandel kurzzeitig ausgesetzt. Der Dow Jones Industrial rauschte zeitweise um fast 11 Prozent unter 19.000 Punkte – und erreichte den niedrigsten Stand seit November 2016. Zur Schlussglocke stand der Dow noch 6,3 Prozent niedriger bei 19.898 Punkten.

Der S&P 500 sank um 5,2 Prozent auf 2.398 Zähler. Und der Nasdaq Composite stürzte um 4,7 Prozent auf 6.989 Punkte ab.

US-Präsident Donald Trump will unterdessen in der Corona-Krise im Notfall auf ein Gesetz aus Kriegszeiten zurückgreifen, auf den Defense Production Act.

 

Das bringt der Tag

Der Terminkalender hält am Donnerstag einige interessante Events bereit.

Um 13.30 Uhr wird es spannend, dann stehen folgende Daten an:

Wöchentliche US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe

US-Leistungsbilanz

Philadelphia-Fed-Index

Und um 15.00 Uhr folgt der US-Frühindikator für Februar.

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