Boden-Bildung versus neuer Test der Tiefs

Bernstein Bank: Die Frage aller Fragen, die alle Börsianer derzeit umtreibt: Ist der Boden jetzt eingezogen? Für viele Anleger scheint das Schlimmste überstanden.

Oder war die jüngste rasante Erholung nur eine Gegenbewegung im Bärenmarkt?

Es kommt darauf an, wen man fragt.

 

War es das jetzt in Sachen Corona-Krise?
Der plötzliche Umschwung vom bisherigen Tief an der Wall Street nach dem 20. März ist enorm schnell abgelaufen. Vielleicht vorschnell. Wir haben uns deswegen die Entscheidungen einiger Akteure im Finanzmarkt angeschaut und die interessantesten Argumente für Bullen und Bären herausgezogen. Und hoffen damit, dass Sie die richtigen Entscheidungen ableiten, wenn Sie CFD oder online Aktien handeln.

 


 

Auf der Suche nach dem Boden
Die Argumente der Bullen klingen einleuchtend: Mit enormer Geschwindigkeit haben gerade die USA gigantische Hilfsprogramme auf den Weg gebracht – 2 Billionen Dollar, darin enthalten Helicopter Money für jeden Amerikaner. Die Fed arbeitet schon an einem neuen Programm zur Unterstützung kleiner Unternehmen. Der Gouverneur von New York, Andrew Cuomo, vermutet, dass im US-Viren-Hotspot in Sachen Covid-19 ein Plateau erreicht ist. Italien meldet eine geringe Zunahme an neuen Fällen. Auch in Europa und in Asien sind en masse Konjunkturprogramme aufgelegt worden.

 

Drohende Depression
Doch auch die Bären haben einige Fakten auf ihrer Seite: Noch ist der Einfluss des Deflationsschocks auf die Unternehmenszahlen weltweit gar nicht abzuschätzen. Gerade viele kleinere Firmen dürften in Kürze umkippen, wenn die Reserven ausgehen und staatliche Kredite nicht reichen.

Die frühere Chefin der Federal Reserve, Janet Yellen, vermutet dass die Arbeitslosigkeit in den USA aktuell bei 12 bis 13 Prozent liegt. Ihrer Meinung nach wird die US-Wirtschaft wohl um rund 30 Prozent schrumpfen.

Die Wahrheit liegt also im Auge des Betrachters.

 

Morgan Stanley mutiert zum Bullen

Gerade ist einer der größten Bären im Markt zum Bullen mutiert: Michael Wilson von Morgan Stanley bekannte sich als „buyer of dips“, denn die Region von „2400-2600 on the S&P 500 will prove to be very good entry points for those with a time horizon of 6-12 months.“ Jüngst erklärte er seinen Kunden in seinen Wochenausblick „Sunday Start“, warum er die Seiten gewechselt hat. Die Essenz: „Bear Markets END with Recessions“. Bleibt für uns die Frage, was in einer Depression passiert.

Letztlich dauerte die Great Depression von 1929 bittere 43 Monate.

Wie lange wird diese Deflation anhalten?

Oder wird sie wegen der Gegenmaßnahmen tatsächlich „nur“ eine Rezession bleiben, die schnell durch Massen an frisch gedrucktem Geld weggespült wird?

 


 

Genau darauf zielte Wilson von Morgan Stanley ab. Er schrieb: „To summarize, with the forced liquidation of assets in the past month largely behind us, unprecedented and unbridled monetary and fiscal intervention led by the US, and the most attractive valuation we have seen since 2011, we stick to our recent view that the worst is behind us for this cyclical bear market that began two years ago, not last month.“

Und dann verwies er auf einen aktuell schier undenkbaren bullishen Faktor: Die Inflation könne zurückkehren.

 

Bär bleibt Bär
Damit zur Gegenstimme. Hedge-Fonds-Manager Dan Niles outete sich im Gespräch mit „Yahoo Finance“ weiterhin als Bär. Er hatte schon im Februar seine Kunden davor gewarnt, dass der Markt noch nicht die Folgen von Corona berücksichtigt habe. Entsprechend hatte er seinen Satori Fund positioniert und im schlimmsten Quartal des Dow Jones Gewinne eingefahren.

Nun warnte er laut „Marketwatch“: „If you go back and look at history, there are nine times that the market has sold off about 30% or so since the 1920s, so it’s pretty normal.” Und weiter: „You get one of these every 10 years or so and if you look at every one of them, you always get these bear market rallies.”

Demnach warnte Niles, dass die Bewertungen selbst nach dem schmerzhaften Pullback noch immer weit über den historischen Normen gelegen hätten. Es könne durchaus noch weitere 30 Prozent nach unten gehen. Er glaube wegen der Arbeitslosigkeit von rund 10 Prozent nicht an eine Erholung in V-Form, er vermutet sogar eher 20 Prozent Arbeitslosigkeit in den USA.

Und auf dem Globus sehe es nicht anders aus. Daher habe er Short-Positionen weiter ausgebaut. Allerdings habe er in Sektoren, die sich resistent gegen neue Baissen resistent zeigen sollten, zugekauft. Konkret: Activision, Take-Two Interactive und Amazon.

 

Goldman warnt vor ausbleibenden Aktien-Rückkäufen
Auch bei den Kunden von Goldman Sachs dreht sich alles um die Frage, ob der Markt noch einmal sein Tief testen wird. Ein Faktor, der die Frage beantworten könnte, ist das Thema Aktien-Rückkäufe. Die Investmentbank warnte, dass inzwischen rund 50 US-Konzerne ihre Payback-Programme auf Eis gelegt hätten. Das entspreche einer Summe von 190 Milliarden Dollar und damit einem Viertel der Gesamtsumme von 2019. Weitere Kappungen dürften anstehen.

Damit fehle ein wichtiger bullisher Faktor an der Börse.

Chief Equity Strategist David Kostin urteilte: „higher volatility and lower equity valuations are among the likely consequences of reduced buybacks.“ Seine Prognose für 2020: Die Dividenden im S&P 500 werden in diesem Jahr um 25 Prozent sinken und die Buybacks um 50 Prozent verglichen mit 2019.

 


 

1987 oder 1929?
Und damit kommen wir zur anfänglichen Analyse von Morgan Stanley zurück und zur Antwort auf die Frage, ob nun das Tief erreicht ist. Hier die unbefriedigende Antwort: Es kommt auf die Art des Rückschlags an und auf die Frage, ob sich die Geschichte wiederholt.

Sollten wir es mit einer Krise nach dem Muster von 1987 zu tun haben, dann dürfte kurzfristig – also auf Sicht von zwei bis drei Monaten nach dem Tief – ein Retest anstehen, allerdings danach eine rasante V-förmige Erholung.

Haben wir es aber mit 1929 zu tun, dann ist kurzfristig kein Retest zu erwarten. Der Dow lief nach dem Crash im Herbst 1929 bis zum Frühjahr 1930 nach oben.

 


Und nun die üble Falle: Alles hängt vom Zeithorizont ab.

Das Blog „ZeroHedge“ markierte hier den Spielverderber und schaute sich die Performance des Dow Jones in der Großen Depression von 1929 auf Sicht von drei Jahren an.

Und dann wird es wirklich unangenehm für die Bullen.

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