CASE EGYPT TITANS 20: Aufruhr in Ägypten stürzt Börse ins Chaos

Ein dominantes Thema dieser Tage in den Medien sind die politischen Unruhen in Nordafrika. Nach Tunesien scheint nun Ägypten ein weiterer Schauplatz mit ähnlichem Profil zu sein. Auch hier sind es überwiegend junge Männer, die sich aus Frust und Verzweiflung gegen einen Präsidenten auflehnen, den die meisten schon ihr Leben lang als Staatschef kennen. Zeitgleich stürzte die Börse in Kairo ins Bodenlose. Aber warum eigentlich?

Zeitgeschichte aus Sicht des Marktes

Im Prinzip hätten Sie dieser Tage nur einen Blick auf den ägyptischen Leitindex werfen müssen, um festzustellen, dass in diesem Land irgendetwas ganz und gar nicht in Ordnung ist. Über 20 Prozent rauschte der vollständig DOW JONES CASE EGYPT TITANS 20 genannte Index nach unten. Ein genauerer Blick hinter die Kulissen wirft trotzdem Fragen auf.

Fassen wir kurz zusammen: Es gibt eine Protestbewegung innerhalb der Bevölkerung gegen Präsident Mubarak, der das Land seit stolzen 30 Jahren uneingeschränkt anführt. Auslöser sind die hohe Arbeitslosigkeit und allgemeine Perspektivlosigkeit, vor allem unter jungen Männern. Sie fordern Arbeit, Gerechtigkeit, Veränderung. Mit Muhamed ElBaradei steht nun sogar ein Friedensnobelpreisträger an der Spitze der Bewegung.

Wo ist das Problem?

Wir als mitfühlende Europäer hegen wohl überwiegend Sympathien für die Protestler. Es kann ja nicht schaden, wenn die Leute von sich aus mobil machen und mehr Demokratie und Rechte durchsetzen wollen. Eine gesunde Entwicklung, möchte man meinen. Die Ägypter haben schließlich nur Gutes für sich im Sinn. Warum stürzt im Zuge der Ereignisse also die Börse so katastrophal nach unten? Gute Frage!

Spontan muss man berücksichtigen, dass die Börse kein Freund von Unsicherheiten ist. Das gilt grundsätzlich. Wo Unsicherheiten sind, da gibt es Risiken – und wo Risiken sind, da macht sich der eine oder andere Anleger eher aus dem Staub. So recht kann man jetzt ja nicht sagen, wie es im Land am Nil weitergehen wird. Aber der Chart drückt vor allem eines aus: Panik.

Das Take-the-Money-and-run-Prinzip

Eines ist klar: Die Unruhen in Ägypten kommen von unten und richten sich gegen oben. Stellen Sie sich also vor, Sie wären ein reicher Ägypter und hätten in den letzten Jahrzehnten prächtig gewirtschaftet. Trotz einer leidenden Bevölkerung. Da wäre es doch jetzt naheliegend, sich schnell den Hals zu retten, das Geld einzusammeln und erst einmal abzuhauen. Wir können annehmen, dass der eine oder andere sich genau so verhalten hat.

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CASE EGYPT TITANS 20: Brutal abgestürzt

Die rapide Verkaufsbewegung spricht für Liquidierungen im großen Stil. Folglich haben also diejenigen, die am stärksten investiert sind, es ganz schön mit der Angst bekommen und um jeden Preis verkauft. Anders sind marktbreite Verluste von über 20 Prozent in kurzer Zeit kaum zu erklären, zumindest wenn gerade keine Finanzkrise ausgebrochen ist und die Weltwirtschaft wieder schön auf Wachstumskurs ist.

Ein pikantes Detail

Der Fall Ägypten lehrt jedoch noch eine weitere Lektion: Autoritäre Regime sind gut für’s Geschäft. Das wussten übrigens auch schon die Amerikaner im Bezug auf das Deutschland der 30er-Jahre, auch wenn darüber wenig geredet wird (ganz abgesehen von den Krupps, den Quandts und Co.). In Ägypten steht nun ein autoritäres Regime auf dem Prüfstand. Eine Zeit des Wandels hat begonnen. Das bedeutet gleichzeitig, dass sich die Spielregeln in der Wirtschaft ändern werden. Mehr Rechte, mehr Freiheit. Davon ist auszugehen.

Nur scheinbar ist es genau das, was die Börse so nach unten gerissen hat. Hier ist etwas in Gefahr, was bisher einen guten Platz für Investitionen darstellte. Wir dürfen eines nicht vergessen: Im Grunde geht es immer um Gewinne. Um Geld. Wo dieses herkommt und unter welchen Umständen es gewonnen wird, ist dabei vollkommen egal. Der Betriebswirt spricht von Gewinnmaximierung innerhalb des rechtlichen Rahmens. Wenn Letzteres sich ändert, auch zum vermeintlich Guten, wird es für manch Unternehmen womöglich eng. Das ist die Geschichte hinter dem Chart. Und der Markt hat, wie Sie wissen, immer Recht.

Fazit

Mit den breiten Protesten in Ägypten ging die dortige Börse in die Knie. Während auf der Straße für eine bessere Zukunft gekämpft wird, ist die Party am Markt augenscheinlich vorbei. Wahrscheinlich wird ich der Trend nach unten erst einmal fortsetzen. Aber es geht hier weniger um eine Handelsidee als vielmehr um die Story an sich. Das große Geld ist definitiv kein Fan der kleinen Leute. Durchaus brisant, finden Sie nicht?

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