Der Dreifach-Schlag – Zombie-Firmen saugen das Billig-Geld auf

Bernstein Bank: Nach der erstaunlich schnellen Erholung der Börse vom Corona-Schock seit März droht nun der Rücksetzer. Drei Faktoren sollten den Bullen Sorgen bereiten: 1) Der Ausbruch einer zweiten Welle von Covid-19. Zudem 2) die Politik plus ein möglicher Bürgerkrieg in den USA. Und 3) die Tatsache, dass sich in Amerika trotz all der Hilfen der Geldpolitik die Deflation zeigt.

Die zweite Welle
Wie an dieser Stelle schon vor geraumer Zeit prophezeit, lastet aktuell die Gefahr einer zweiten Corona-Welle auf den Gemütern der Wall Street. In China ist Covid-19 nun in Peking aufgetaucht. Nach den Unruhen in den USA ist ein neuer Ausbruch zu befürchten: Zwanzig US-Bundesstaaten melden nach den Plünderungen der vergangenen Wochen einen Anstieg der Neuinfektionen.

Unnötig zu erwähnen, dass ein neuer Lockdown die US-Wirtschaft noch einmal abwürgen würde.Was übrigens durchaus im Sinne der Democrats wäre – da dies die Chancen auf eine Wiederwahl von US-Präsident Donald Trump schmälert.

Vielleicht ist das der Grund, warum die Unruhen vor allem in demokratisch regierten Städten so heftig tobten – wie es aussieht, überließ die Lokalpolitik dem Mob die Straße.

Zuletzt schien die Strategie der Demokraten aufzugehen.

 


 

Biden legt zu
In diversen Meinungsumfragen ist Joe Biden weit nach vorne gezogen. Vielen Brokern treibt die Aussicht auf einen Präsidenten Biden die Schweißperlen auf die Stirn: Vermutlich bedeutet ein Wahlsieg des Herausforderers höhere Steuern für Firmen und Verdiener; höhere Gesundheitsabgaben für die hart arbeitende Mittelschicht; offene Grenzen mit unbeschränkter Einwanderung inklusive medizinischer Vollversorgung; steigende Kriminalität und gleichzeitig eine Einschränkung des Waffenbesitzes – und einen Präsidenten, der möglicherweise ein altersbedingtes Alzheimer-Problem hat, wie diverse Aussetzer der vergangenen Wochen belegen.

 

Hier ist die Deflation

Analyst Albert Edwards von der der Societé Générale warnte nach der Vorlage der US-Verbraucherpreise für Mai vor einer Deflation: „the markets remain focused on what lies ahead and not on the deflationary crevasse that has just opened up beneath them.“ Erstaunlich also: Trotz der ganzen Hilfsgelder sehen wir eine Deflation. Edwards weiter: „We are transitioning from The Ice Age to The Great Melt“. Soll heißen: Das eingefrorene Geld müsse nun endlich aufgetaut werden. Konkret: „massive monetary stimulus is combining with frenzied fiscal pump-priming in an attempt to paper over the current slump.“ Andauernde Stimuli also.

Die Lehre für die Börse: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis dürfte in einer Deflation heftig unterminiert werden.

Und wörtlich fügte Edwards hinzu: „Before markets can properly embrace The Great Melt, they first need to comprehend the new normal: deflation has arrived.“

Soll heißen: Die Börse hat die Lage noch nicht erkannt. Außer vielleicht einige Profis, die in den vergangenen Tagen Kasse machten.

 

Zombie-Firmen saugen das Billig-Geld auf
Deflation also – dabei erlebt die Welt aktuell das größte Hilfsprogramm aller Zeiten. Laut Fitch Rating hat die Bilanzsumme der größten Notenbanken der Welt — Federal Reserve, Bank of Japan, European Central Bank, Bank of England und People’s Bank Of China – zusammen den Wert von 20 Billionen Dollar überschritten.

Dies sind rund 7 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsproduktes.

 


 

Doch wo steckt das ganze Geld?

Bei Zombie-Firmen. Also in solchen Unternehmen, die sich nur über billige Kredite am Leben halten. Gerade hat die Zahl von Firmen in der Eurozone und in den USA, die ihre Zinsen nicht aus den laufendem Geschäft bedienen können, ein Allzeithoch erreicht, wie die Deutsche Bank und die Bank of International Settlements mitteilten.

Zudem ist im zweiten Quartal die Zahl der weltweiten Defaults bei Corporate Bonds auf den Wert von 50 Milliarden Dollar geklettert, wie das Institute of International Finance mitteilte.

Hier ist also das Problem des gedruckten Geldes: Die massive Liquidität und die niedrigen Zinsen halten die Zombie-Firmen am Leben. Diese drängen aber in einem Crowding Out kleine, gesunde Unternehmen aus dem Markt.

Ein Kollaps dieser auf Pump finanzierten Konzerne dürfte heftiges Ungemach für die Börse bedeuten.

 

Weiter lockt die Kurslücke
In dieser Gesamtlage lohnt sich ein kurzer Blick auf die Chartanalyse. Hier gibt es eine kleine Krisen-Warnung. Anfang April hatte der S&P 500 eine Lücke knapp über 2.500 Zähler gerissen. Die Vermutung liegt nahe, dass dieses Gap irgendwann geschlossen wird. Zumal auch der gleitende 50-Tage-Durchschnitt die Kurse magisch anzieht. Und irgendwann dürfte der Index dann an die Schließung des gerade gerissenen Abwärtsgap über 3.100 gehen.

Doch zunächst sieht die Großwetterlage eher bearish aus.

 

Unser Fazit: Die ganzen Hilfsgelder kommen noch nicht in der Realwirtschaft an. Die Menschen kaufen nicht ein, sie bleiben wegen Corona und nun auch wegen der Unruhen zuhause und horten ihr Geld, da sie ihren Job verlieren könnten. Zombie-Firmen überleben nur mit billigen Krediten. Die schnelle Erholung der Börse in V-Form ist ein Blanko-Scheck für die erhoffte Wirkung der Zentralbank-Gelder.

Falls dieser Scheck platzt und sich nur eine Blase aufgebaut hat, dann wird es ungemütlich.

Achten Sie auf News über kollabierende Banken, nicht bediente Unternehmensanleihen oder insolvente Einkaufszentren – und behalten Sie die Corona-Lage im Blick.

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