Der Steuer-Hammer

Bernstein BankNun sind also die Details zum neuen amerikanischen Infrastruktur-Programm bekannt: Präsident Joe Biden wird, wie angekündigt, die Steuern kräftig erhöhen. Dass er dieses Vorhaben bei einem demokratisch kontrollierten Kongress durchbekommt, ist höchst wahrscheinlich. Wer gewinnt, wer verliert? Wir beleuchten die Hintergründe.

Straßenbau zur Ankurbelung der Konjunktur

Rund 2,3 Billionen Dollar will Washington in den kommenden Jahren in die Infrastruktur investieren. Konkret sollen es 621 Milliarden Dollar für die Verkehrsinfrastruktur sein, 115 Milliarden davon für die Modernisierung von Autobahnen und Straßen. Rund 100 Milliarden Dollar sollen für das Stromnetz aufgewendet werden und genauso viel für den Breitbandausbau.

Für die Förderung von Elektroautofahrzeugen und die Installation von rund einer halben Million Ladestationen sind 174 Milliarden Dollar vorgesehen, wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ konstatierte. Ein sattes Anti-Deflationsprogramm also für einige Branchen. An der Börse sind die Gewinner daraus Baufirmen, E-Auto-Hersteller, Telekom-Konzerne.

 


 

Höhere Unternehmenssteuern

Doch der Gesamtmarkt könnte leiden, denn nun sollen Konzerne höher besteuert werden. Auf die Wirtschaft, die sich gerade aus dem Corona-Schock herausarbeitet, kommt dies zu: Die Unternehmenssteuer soll von 21 auf 28 Prozent angehoben werden. Mal locker ein Drittel mehr also – dass künftig häufig die Dividende gekürzt wird, dürfte klar sein.

Die 28 Prozent sind zwar nicht so viel wie die 35 Prozent, die zwischen 1993 bis 2017 galten, wie die „New York Sun“ konstatierte. Doch die Senkung auf 21 Prozent unter Donald Trump hatte zu einem Wirtschaftsboom und dem stärksten Arbeitsmarkt aller Zeiten geführt. Übrigens kassiert China nur eine Unternehmenssteuer von 25 Prozent.

Besserverdiener sollen blechen

Besonders schlimm wird es für Besserverdiener in den USA. Denn die Einkommensteuer soll von 37 auf 39,6 Prozent angehoben werden. Diesen Satz hatten wir schon einmal zwischen 1993 bis 2000 und von 2013 bis 2017. Schlimmer: Die Sozialversicherung Social Security’s Old-Age, Survivors, and Disability Insurance (OASDI) soll nach oben ausgeweitet werden: Derzeit ist der Satz von 6,2 Prozent – zu zahlen einerseits vom Angestellten, zur anderen Hälfte von Firmen – bei einem Einkommen von 142.800 Dollar eingefroren.

Jeder Verdiener mit 142.800 Dollar oder mehr zahlt also aktuell rund 8.853 Dollar. Biden will diese OASDI-Grenze bis über 400.000 Dollar verschieben. Bei 400.000 Dollar Einkommen wären das also satte 24.800 Dollar pro Jahr. Der gleiche Betrag käme auf die Firma zu. Selbständige zahlen die 12,4 Prozent komplett selbst.

Mehr als die Hälfte nimmt der Staat

Und der kombinierte Effekt hat es gerade für selbständige Besserverdiener mit Einkommen über 400.000 Dollar in sich: Mit einem Spitzensteuersatz von 39,6 plus 12,4 Prozent lägen sie bei satten 52 Prozent. Und dazu gesellt sich noch eine Medicare-Abgabe von 3,8 Prozent. Der Staat greift sich also künftig 55,8 Prozent. Nicht sehr leistungsfördernd.

Sie können sich vorstellen, dass gerade Freiberufler, die für ihre Rente selbst aufkommen müssen, versucht sein könnten, ihr Glück lieber in einem anderen Land zu versuchen. Und die Gewinne aus der Hausse zu versilbern. Behalten Sie also die Titel im Auge, die seit dem Corona-Crash im vorigen Frühjahr besonders gut gelaufen sind.

Mehr Staat, weniger Markt

Zum Abschluss noch ein Wort zur Gesamtlage. Mehr Staat heißt meist schlechtere Wirtschaft – mehr Korruption, Schlamperei und Vetterleswirtschaft. Wo das alles hinführt, können Sie sich zum einen beim aktuellen Corona-Desaster anschauen: Die Eurokraten in Brüssel verschliefen die Belieferung mit Impfstoff; in Großbritannien dagegen legte eine Managerin aus der Finanzbranche ein unglaubliches Tempo beim Einkauf vor. In Deutschland ist der Staat nicht in der Lage, Schnelltestes in Massen anzubieten; die Lebensmittel-Discounter schafften dies seltsamerweise recht flott.

Noch schöner die Zustände in der Volksrepublik Berlin: Nichts klappt. Hier gibt es zwar viele Blockwarte-Jobs in Behörden und Stiftungen, wo genau kontrolliert wird, ob es Toiletten für Transsexuelle gibt, ob das Gendersternchen verwendet wird und ob die Diversität in Schulen und Firmen auch ja gefördert wird. Dazu gesellen sich aber offener Drogenhandel, grassierende Kriminalität, eine gewaltbereite Szene von Hardcore-Kommunisten der Antifa.

Die Wirtschaft flieht – der Failed State Berlin hängt seit Urzeiten am Tropf der anderen Bundesländer. Ein von Berlin und Brandenburg geplanter Flughafen dauert ein Jahrzehnt länger als vorgesehen, während ein Unternehmer wie Elon Musk in Rekordzeit ein neues Auto-Werk aus dem Boden stampft. China baut übrigens ebenfalls in Zeitraffer Flughäfen, weil der Staat dort freie Wirtschaft erlaubt.

Das Fazit aus alledem: Wahrscheinlich hat Amerika seinen wirtschaftlichen Zenith überschritten. Noch stützen die Endlos-Hilfen der Federal Reserve und der Niedrigzins. Doch die Wall Street sieht durchaus die Gefahr einer Zinswende. Wenn die kommt und sich neben den hohen Staatsschulden neue Steuern, die Abwanderung der Leistungsträger, die Verlagerung der Wirtschaftsaktivität von fähigen Individuen und Firmen hin zu einem inkompetenten Staat gesellen, dürfte es ungemütlich werden an der Börse.

Zumal Sleepy Joe gleich mit dem American Jobs Plan landesweit die Beschäftigten in die Gewerkschaften zwingen will. Was zu höheren Löhnen führen dürfte, aber auch zu weniger Beschäftigung. Die Bernstein-Bank behält die Angelegenheit für Sie im Blick!

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