Die Alles-Blase

Bernstein BankLeider müssen wir Sie wieder mit dem Thema Inflation behelligen. Viele Bullen unter Ihnen werden nur den Kopf schütteln: Na und – wenn die Geldmenge steigt, dann hebt sie Aktien, Cryptos und harte Commodities eben mit an. Was soll’s…

Doch so einfach ist die Sache nicht. Am bitteren Ende kann die „Everything Bubble“ im großen Crash enden. Wir haben aktuelle Stimmen gesammelt.

Nomura sieht Turbo-Reflation

So viel Geld, überall. Jüngst warnte Nomura vor einer “Turbo-Charged Global Reflation“. Das Verdikt der japanischen Großbank: „in addition to vaccines and policy stimulus, an economic recovery synchronized across regions will add further impetus to global reflation.“

Als Gründe für den Tsunami der globalen Teuerung nannten die Experten eben die ganzen Stimuli und staatlichen Konjunkturprogramme weltweit. Was unter anderem in den USA neben der anziehenden Wirtschaft zu einer Stärkung der Konjunktur führt sowie zu verstärkten Staatsausgaben durch den demokratisch kontrollierten Kongress. In Europa könne die Inflation in diesem Jahr scharf anziehen, gleiches gilt für Asien.

 


 

Hyper-Inflation – na und

Es gibt zwar auch Leute, die selbst an einer Hyper-Inflation nichts Schlechtes erkennen. Etwa Dmitry Orlov vom Blog Club Orlov. Er hält die massive Geldentwertung für den natürlichen Weg, um die Fehler einer Gesellschaft zu beseitigen: „Here we will look at hyperinflation as nature’s gentle way of solving the problems of a society that has forgotten how to live within its means. But nature needs help.“ Wir ergänzen, dass die Sache vor allem für Sparer ungemütlich wird, die ihre Ersparnisse verlieren, weil Papiergeld wertlos wird oder die Bank umkippt.

Und viele sehen sogar eine Chance in der Geldflut. Laut einer Umfrage der Deutschen Bank wollen 37 Prozent der befragten Investoren Geld aus dem neuen US-Stimulus direkt in Aktien umleiten. Alles in allem wären das rund 170 Milliarden Dollar, die in Aktien fließen.

Die Everything Bubble

Andere sehen das alles nicht so locker. Vielleicht stecken wir tatsächlich in einer alles umfassenden Blase. Die hatte der Autor Graham Summers schon 2017 in einem Buch vorhergesehen: “The Everything Bubble: The Endgame for Central Bank Policy”.

Kernthese: Die Alles-Blase sei das logische Ergebnis eines „Overreach“ durch die Federal Reserve. Ihr ständigen geldpolitische Expansionsprogramme hätten für mehrere Blasen hintereinander gesorgt: „the Tech Bubble of the ‘90s, the Housing Bubble of the early ‘00s and the current bubble in US sovereign bonds, which are also called Treasuries.“

Der Autor sah also schon vor einiger Zeit eine Blasenbildung bei Staatsanleihen. Das Problem dabei: Bonds seien die Basis des Finanzsystems. Wenn sich die Bonds in einer Blase befinden, dann stecke alles andere ebenfalls in einer Bubble. Wir ergänzen, dass Bitcoin, Immobilien oder eben die Aktien der Old Economy tatsächlich einen Boom ohne Ende erleben.

Hot, hot, hot

Oder wie es Dylan Grice von themarket.ch formulierte: „SPACs are hot (special purpose acquisition company – die Redaktion), the IPO market is hot, credit markets are hot, commodities are hot, the crypto markets are hot. Everything is hot – only the Consumer Price Index is cold. And that is all that matters for the Fed.“

Soll heißen: Die Fed betrachte den falschen Indikator. Denn die Inflationsrate in den USA habe im Jahr 1927 bei gut minus 3 Prozent gelegen. Das Verdikt von Grice: Die Blase stehe erst am Anfang.

Alarmsignal US-Bonds

Doch vielleicht sehen wir aktuell schon die Einleitung der Korrektur. Denn wir erleben seit einigen Tagen einen Verkäufermarkt bei den US-Treasurys. Investoren trennen sich von den Staatsanleihen, da sie von einer steigenden Inflation ausgehen. Und dadurch steigen die Yields an. Die Rendite der Zehnjährigen notierte zuletzt bei rund 1,7 Prozent. Was für Druck auf Hightech-Aktien sorgte, die sehr sensibel auf anziehende Zinsen reagieren.

Alles wie immer

De facto gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder die Fed tut weiter nichts und bei Treasurys und Wachstumsaktien entweicht Luft aus der Blase. Was zu einem heftigen Ausverkauf bei Growth-Titeln an der Börse führen und auch den Rest des Marktes mit nach unten reißen könnte. Und definitiv zu einer Sektor-Rotation hin zur Old Economy. Oder die Notenbank schreitet ein und stützt den Bondmarkt. Was die Blase wieder aufpumpt.

Und so könnte es kommen, wie es immer kam: Alles scheint wieder in bester Ordnung – die Euphorie kennt keine Grenzen. Zu viel Geld fließt in dubiose und verrottete Anlagemöglichkeiten, angebliche Weltmarktführer kippen um, Investoren verlieren Geld, Banken müssen schließen, Anleger müssen Positionen liquidieren, um über die Runden zu kommen. Crash, Rezession, Arbeitslosigkeit.

Anleger sollten also weiter die Renditen der US-Staatsanleihen im Blick behalten. Und auch die Reaktion der Hightech-Aktien. Beide sind die Kanarienvogel in der Mine, also die Indikatoren für eine etwaige Kehrtwende an der Wall Street. Die Bernstein-Bank behält die Sache im Blick – und wünscht erfolgreiche Trades und Investments!

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