Erdoganomics wirkt

Bernstein BankManchmal kann Investieren so einfach sein: 2 und 2 zusammenzählen. Sich fragen, ob sich die Dinge ändern, oder nicht. So ist es mit dem vorhersehbaren Verfall der türkischen Lira. Die Währung hat gerade ein neues Allzeittief markiert. Dank der erratischen Geldpolitik des Präsidenten.

 

Neuer Anfall von Erdoganomics

USD/TRY rauschte in der Nacht zum Mittwoch bis auf 8,80 Lira, für einen Euro mussten Anleger 10,75 Lira berappen. Rekordtiefs also, von denen sich die Devise bislang nicht recht erholt hat. Zuletzt notierte die Lira wieder bei 8,7231. Die 9 oder gar 10 Lira für einen Greenback sind nur eine Frage der Zeit.

Was war geschehen? Ganz einfach: Despot Recep Tayyip Erdogan hat sich mal wieder mit seinen seltsamen Ansichten in die Währungspolitik eingemischt.

Am Dienstag erklärte der Herrscher, er habe mit dem erst vor gut zwei Monaten eingesetzten Gouverneur der türkischen Zentralbank, Sahap Kavcioglu, gesprochen. Und seinem Satrapen den Marschbefehl gegeben, die Notenbank müsse die Zinsen SENKEN, um die Inflation einzudämmen.

 

Sinkender Zins gegen Inflation

Erdogan geht offenbar davon aus, dass hohe Zinsen eine Art Alarmsignal sind, das Anleger davon abhält im Land zu investieren. Diese Sicht der Dinge heißt in Fachkreisen Erdoganomics. Und sorgt für hochgezogene Augenbrauen.

Denn leider ist es in der Realwelt genau umgekehrt: Wer ausländisches Kapital anlocken will, muss HOHE Zinsen zahlen. Und die Politik sollte zudem darauf achten, dass Investoren die Politik vor Ort gut finden, damit sie Fabriken aufbauen und Dollar oder Euro in Lira umtauschen.

 

Abschied vom Westen

Die Türkei aber driftet weiter munter in Richtung Islamismus und verabschiedet sich immer stärker vom Westen und den Reformen des Kemal Atatürk – so verbot Erdogan über Ramadan den Verkauf von Alkohol. Weiter leistet sich Ankara einen teuren Krieg in Syrien.

Im Mittelmeer schwelt ein Gas-Konflikt, der schnell in einen heißen Krieg eskalieren könnte. Denn Zypern, Griechenland und Israel haben eine Allianz geschlossen, um Erdgas zu fördern.

Die Türkei hat aber in einem einseitigen Schritt große Teile der Gewässer über den Energie-Vorhaben zum eigenen Territorium erklärt.

 


 

Gas-Konflikt im Mittelmeer

Zudem soll eine Pipeline gebaut werden, die Gas nach Europa bringt. Die Leitung namens EastMed würde ebenfalls durch Gewässer führen, die Ankara neuerdings für sich beansprucht.

Damit steht die Türkei dann auch gegen Italien, Frankreich und die Europäische Union: Denn die Leitung wird nicht nur von Depa unterstützt, das ist der nationale Gaskonzern Griechenlands. Sondern mit im Boot ist auch die italienische Edison, die von der Electricite de France gekauft wurde. Die EU-Kommission steht hinter dem Vorhaben.

Unser Fazit: Wir sehen derzeit kaum eine Möglichkeit, wie der Verfall der Lira gestoppt werden kann. Erdogan rasselt mit dem Säbel, die Wirtschaft leidet, die Staatskasse ist leer. Der Frontalangriff auf Cyber-Börsen wird die Kapitalflucht nicht stoppen.

Vielleicht hilft der Neustart des Tourismus nach Corona – der Sommer dürfte wieder frische Devisen ins Land spülen. Die Bernstein-Bank behält die Angelegenheit für Sie im Blick!

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