Erholung an der Börse

Bernstein Bank: Am Frankfurter Aktienmarkt ist erst einmal Beruhigung eingekehrt – die Kurse ziehen an. Denn US-Präsident Donald Trump hatte am Vorabend die erhitzten Gemüter der Anleger in Sachen Zollstreit ein wenig abgekühlt. Und China und Amerika verhandeln trotz der gerade erhöhten Strafzölle weiter – zudem gibt es ein kleines Schlupfloch.

Erholung in Frankfurt
Der DAX machte am Freitagvormittag mit einem Gewinn von rund 1 Prozent einen Teil der heftigen Vortagesverluste wett. Balsam für die vernarbten Broker-Seelen waren die deutschen Exporte: Im März hatten die Ausfuhren überraschend um 1,5 Prozent im Vergleich zum Vormonat zugelegt, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Bestimmendes Thema war aber natürlich der drohende Handelskrieg zwischen China und den USA.

Galgenfrist im Zollstreit
Da klingelt die amerikanische Staatskasse: Seit heute früh, 6.00 Uhr deutscher Zeit, greifen die erhöhten US-Sonderzölle für chinesische Exporte in die USA. Die Sonderabgaben auf Einfuhren für Güter im Wert von 200 Milliarden Dollar ziehen von bisher 10 auf 25 Prozent an. Unmittelbar nach der Erhöhung kündigte das Handelsministerium in Peking „notwendige Gegenmaßnahmen“ an.

 


 

Chinas Chefunterhändler Liu He kritisierte den Schritt, zeigte sich aber versöhnlich. „Wir wollen einige der Differenzen ehrlich, zuversichtlich und rational lösen“, sagte der Vizepremier. „Ich denke, es gibt Hoffnung.“ Denn die beiden Volkswirtschaften USA und China seien Teil einer vollständigen industriellen Kette.

Zudem gibt es ein Schlupfloch: Die jetzt erhöhten Straftarife gelten nur für Waren, die sich noch nicht im Transit in Richtung Nordamerika befinden. Alle Güter, die also vor Mitternacht US-Ostküsten-Zeit die chinesischen Häfen verlassen hatten, bleiben niedriger taxiert.

De facto haben damit beide Delegationen noch etwa zwei Wochen Zeit, bis jetzt auslaufende chinesische Frachter die Pazifik-Küste der USA erreichen. Die Anleger in Asien reagierten überwiegend erfreut: Während der Nikkei 0,3 Prozent auf 21.345 Zähler sank, stieg der chinesische CSI 300 um 3,6 Prozent auf 3.730 Punkte.

Beruhigung in New York
Am Vorabend hatte US-Präsident Trump außerdem verbale Beta-Blocker für die Anleger verteilt. Er habe einen „schönen Brief“ von Chinas Präsident Xi Jinping erhalten und wolle mit dem chinesischen Staatschef telefonieren. Entsprechend fuhren die Broker in New York erst einmal den Puls herunter. Der Dow Jones erholte sich im Handel von seinem Tagestief bei 25.517 Zählern und schloss bei 25.828 Zählern.

Kleiner Hinweis für Freunde der Charttechnik: Der Dow machte knapp über der 200-Tage Linie kehrt. Der S&P 500 schloss 0,3 Prozent im Minus bei 2.871 Zählern. Der marktbreite Index durchstieß im Verlauf die 50-Tage-Linie nach unten, schloss aber nahezu punktgenau auf ihr.

Der Hightech-Index Nasdaq 100 verlor 0,5 Prozent auf 7.583 Stellen. Auch an dieser Börse orientierten sich die Anleger am gleitenden 50-Tage-Durchschnitt: Der Indikator setzte im Tagesverlauf genau auf dem Indikator auf, bevor er wieder gen Norden drehte.

 


 

Wie schwach sind die USA?
Kommen wir noch einmal zurück zur Aussage von Vizepremier Liu He, China wolle den Streit „ehrlich“ lösen. Was inzwischen beim „Wall Street Journal“ über die ungeheuerliche chinesische Kehrtwende vom vorigen Freitag mit der Zurücknahme sämtlicher bisheriger Zugeständnisse berichtet wurde, lässt Zweifel an der Aufrichtigkeit der Chinesen aufkommen.

Demnach haben der chinesische Präsident Xi Jinping und andere hochrangige Beamte die wiederholten Aufforderungen von Trump an Fed-Chef Jerome Powell, die Zinsen zu senken, als Zeichen der Schwäche interpretiert. Auch fühlten sich die Chinesen zu einem harten Kurs ermutigt, da Trump seine „Freundschaft“ mit Xi betonte und Liu sowie auch die chinesische Wirtschaftspolitik lobte.

Die Haltung in Peking lässt Zweifel aufkommen, dass sich China künftig an Abmachungen hält und dass ein Handelskrieg vermieden wird. CFD-Trader sollten das im Hinterkopf behalten.

Das bringt der Tag
Bleibt noch der Blick auf den Kalender. Am heutigen Freitag stehen um 14.30 Uhr die Realeinkommen in den USA für April an sowie zeitgleich die Verbraucherpreise im April. Die Bernstein Bank wünscht Ihnen erfolgreiche Trades!

 

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