EUR/USD – Spannende Woche voraus

ETX Capital: Die vor uns liegende Handelswoche könnte eine extrem spannende Woche für den Kurs des EUR/USD werden. Das mit Abstand wichtigste Event wird der EZB-Zinsentscheid am Donnerstag sein, gefolgt von den US-Arbeitsmarktdaten am Freitag. Die gesamte Finanzwelt wird Mario Draghi während der nachfolgenden Pressekonferenz an den Lippen hängen und seine Worte interpretieren. Der ein oder andere FX-Analyst erwartet neue Maßnahmen aufgrund des weiter anhaltenden deflationären Umfelds in der Eurozone.

 

Das Dilemma, in dem die Eurozone steckt, ist, dass neben der schwachen Binnenkonjunktur weitere Wolken am Himmel aufziehen. Wichtige Rahmendaten für die Eurozone verschlechtern sich weiter und könnten eine direktere Vorgehensweise der EZB verlangen. So könnte sich die wirtschaftliche Beziehung zu Russland, einem der wichtigsten Handelspartner der Eurozone, weiter verschlechtern und europäische Exportunternehmen dementsprechend belasten. Dazu kommt, dass die Rohölpreise momentan kollabieren. Eine importierte Inflation über steigende Rohstoffpreise hätte dem deflationären Trend in der Eurozone entgegenwirken können.

 

Ein Blick nach China, einem weiteren wichtigen Handelspartner, zeigt, dass die Peoples Bank of China (PBoC) in eine neue Zinssenkungsrunde eingestiegen ist, indem sie am 21. November die Zinsen um 40 Basispunkte senkte. Das letzte Mal senkte die PBoC die Zinsen vor zwei Jahren. Keine guten Aussichten für den europäischen Export nach China. Sollte der Renmimbi abwerten, dann könnte das ein weiterer deflationärer Schub sein, wenn man daran denkt, dass China noch mehr exportiert als es importiert und deshalb auch als die Werkbank der Welt bezeichnet wird.

 

Noch ist es nicht so, aber ein Blick auf den Chart des USD/CNY zeigt, dass sich im Jahr 2014 ein Boden herausgebildet hat und zum ersten Mal seit Jahren eine Abwertung des Renmimbi gegenüber dem US-Dollar stattfand. Für Mario Draghi und die EZB könnte es also wichtig werden, die Unterschiede gegenüber den USA und UK bezogen auf Konjunktur- und  Zinszyklus herauszustellen, damit der Euro gegenüber den Währungen der anderen beiden wichtigen Handelspartner der Eurozone schwach bleibt.

Ein Euro, der gegenüber dem US-Dollar schwach bleibt und in Richtung Parität läuft, könnte für Mario Draghi nicht das schlechteste Szenario sein. Da China seine Währungspolitik vor allem nach dem US-Dollar ausrichtet, könnte so eine Renmimbi Abwertung abgefedert werden. Bliebe noch Russland als wesentlicher Belastungsfaktor für die Konjunktur der Eurozone übrig.

 

Von Oliver Bossmann

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