Interview mit Michael B. Bußhaus von justTRADE über das PFOF-Verbot, den Kostenvorteil für justTRADE-Trader durch mehrere Handelsplätze und kommende Innovationen des NeoBrokers
David Ernsting, Broker-Test Chefredakteur, im Interview mit Michael B. Bußhaus, Geschäftsführer von justTRADE (JT Technologies GmbH), über das EU-weite PFOF-Verbot (PFOF = Payment For Order Flow), den Kostenvorteil für justTRADE-Trader durch die Auswahl mehrerer Handelsplätze, das breite Zertifikate- und Krypto-Angebot sowie den Ausblick auf die mögliche Entwicklung der wichtigsten Assetklassen wie Aktien/Dax, Gold und Kryptos bis zum Jahresende.

Michael B. Bußhaus, Geschäftsführer von justTRADE
Am 1. Juli 2026 ist das EU-weite Verbot von Payment for Order Flow (PFOF) in Kraft getreten – für Neobroker, deren Erlöse bislang stark über Rückvergütungen der Handelsplätze liefen, eine spürbare Zäsur. Wie hat sich das Preismodell von justTRADE durch das PFOF-Verbot verändert, und wie stellen Sie sich strategisch auf die neue Ausgangslage ein?
Das PFOF-Verbot ist innerhalb der EU bereits im April 2024 in Kraft getreten. Deutschland, noch unter der Ampel-Regierung mit Christian Lindner als Finanzminister, hat damals als einziges Land in der EU von der Ausnahmeregelung Gebrauch gemacht, um den Start des PFOF-Verbotes in Deutschland auf Mitte 2026 zu verlegen.
Auf Druck der großen Monopolbörsen (u.a. Euronext und Deutsche Börse) ist die EU-Gesetzgebung der Meinung, dass die seit Jahren bestehende Praxis der Zahlung einer Rückvergütung für die Weiterleitung von Orders an bestimmte Handelsplätze zu schlechteren Ausführungskursen und damit zum Nachteil des Kunden führt. Die deutsche Finanzaufsicht hatte diese Praxis selbst im Jahr 2022 mit einer Studie überprüft und festgestellt, dass es bei Beträgen, die normalerweise von Privatkunden im Durchschnitt gehandelt werden, keine Nachteile in der Ausführung bestehen. Bei kleineren Ordervolumina gab es sogar durchaus Vorteile. Dennoch wurde Deutschland in der EU überstimmt, so dass das Verbot nun zum 1. Juli 2026 auch in Deutschland in Kraft getreten ist.
Ich denke, die Meinungen und Studien für das Für und Wider gehen hier weit auseinander. Wir prüfen bspw. monatlich anhand einer Stichprobe die Ausführungsqualität unserer Handelsplätze gegen Xetra und / oder die Börse Stuttgart und konnten bisher noch keine für den Kunden nachteilige Ausführung feststellen. Die Ausführungen an den bei uns angeschlossenen Börsen waren immer gleich gut oder sogar besser. Dies ist auch nicht verwunderlich, da bspw. die LS Exchange oder Quotrix eine Referenzmarktgarantie bieten oder selber Referenzbörse sind.
Für die Kunden gab es letztendlich zum 1. Juli 2026 nahezu keine Änderungen, d.h. unsere Kunden können an der LS Exchange oder Tradegate BSX weiterhin für effektiv 1€ pro Order handeln. Lediglich die Börse Quotrix ist leicht teurer geworden.
In der Branche ist zu sehen, dass es je nach Broker Unterschiede in der Umsetzung des PFOF-Verbotes gibt. Ein Anbieter hat eine eigene Börse gegründet und die Kunden handeln nun über eben diese hauseigene Börse, andere Anbieter haben ihre Abwicklungskosten gesenkt oder erhalten ein Vermittlungsentgelt, das mittels Rabatt an den Kunden weitergereicht wird.
Handelsplätze und Ausführungsqualität
Anders als viele Wettbewerber bieten Sie Zugang zu drei Handelsplätzen statt nur einem an – im Schnitt sind Ihre Kunden dadurch rund 9 Euro pro Trade günstiger unterwegs. Wie kommt dieser Kostenvorteil konkret zustande, und warum ist der Zugang zu mehreren Handelsplätzen für Anleger heute so wichtig?
Die letzte Überprüfung erfolgte im Zeitraum Oktober bis Dezember 2025 und dabei kam heraus, dass die Kunden mit der Auswahl des jeweils günstigsten Handelsplatzes im Durchschnitt rund 9€ / Order sparen. Wir hatten bspw. eine Porsche Order über 90.000€ in der Auswertung, bei der die Preisdifferenz ca. 2.500€ betrug.
Diese Ersparnis bekommen Kunden nur dann, wenn Sie, wie bei uns, mehrere Börsenplätze zur Auswahl haben.
Wer bei einem Ein-Börsenplatz-Broker handelt, zahlt in den meisten Fällen zu viel. Wir bieten unseren Kunden volle Handlungsfreiheit und Kontrolle über die Auswahl ihres Handelsplatzes. Das ist aus unserer Sicht die fairste und transparenteste Lösung.

Mit dem Live-Trading und der Quote-Request-Order hat justTRADE ein Ausführungsmodell, das man in dieser Form bei kaum einem anderen Neobroker findet – der Kurs wird für den Kunden einige Sekunden fixiert, dann exakt so ausgeführt. Wie funktioniert die Quote-Request-Order technisch gesehen und welchen Unterschied macht das aus Kundensicht für die Ausführungsqualität?
In der Tat sind wir einer der wenigen Neobroker, der die Quote-Request-Order anbietet. Dabei wählt der Kunde das Wertpapier aus, gibt die gewünschte Stückzahl ein und fragt dann bei den verfügbaren Handelsplätzen einen Kurs an. Wenn ihm der Kurs zusagt, kann er seine Order exakt zu diesem Kurs ausführen – ein bedeutender Vorteil zur sonst üblichen Market-Order, deren Kurs mit Orderaufgabe noch nicht feststeht und somit zu deutlichen Überraschungen führen kann. Auch hier prüfen wir monatlich alle ausgeführten Quote-Request-Orders, ob der angezeigte Kurs auch dem tatsächlich ausgeführten Kurs entspricht. Eine Abweichung gab es hierbei noch nie.
Breites Angebot bei Zertifikaten und Krypto
Im Zertifikate-Bereich gilt justTRADE als einer der Anbieter mit der breitesten Auswahl am deutschen Markt. Welche Produktgruppen und Emittenten decken Sie ab, und welche Anlegertypen greifen bei justTRADE besonders häufig zu Zertifikaten?
Wir haben mit sechs mehrfach ausgezeichneten Zertifikate-Emittenten ein extrem großes und attraktives Angebot. Dabei können unsere Kunden die Produkte von vier Anbietern (Morgan Stanley, JP Morgan, UBS und Vontobel) zu 0€ Orderprovision und von zwei Anbietern (DZ BANK, Société Générale) zu günstigen 2€ Orderprovision handeln. Dazu kommen lediglich der Handelsplatzspread sowie evtl. bereits eingepreiste Produktkosten vom Emittenten.
In Summe sind das ca. 1,7m verschiedene Produkte – vom Anlagezertifikat bis hin zum „Plain Vanilla“ Optionsschein, Hebelprodukt, Faktorzertifikat oder sogar Intraday-Emissionen. Hinzu kommen noch die wikifolios, die unsere Kunden über den Emittenten L&S handeln können. Der Handel erfolgt entweder direkt mit dem Emittenten oder über das neue, börsliche System Cats Direkt. In Kürze werden wir unser Angebot auch noch um die Börse Stuttgart als Zertifikate-Handelsplatz erweitern.
| Emittent | Orderprovision |
|---|---|
| Morgan Stanley | 0 € |
| JP Morgan | 0 € |
| UBS | 0 € |
| Vontobel | 0 € |
| DZ BANK | 2 € |
| Société Générale | 2 € |
Auch bei Kryptowährungen zählt justTRADE preislich zu den günstigsten Anbietern, dazu bieten Sie Krypto-Staking direkt aus dem Depot heraus. Wie ist Ihr Krypto-Angebot heute aufgestellt, und welche Rolle spielt das Staking dabei als zusätzlicher Ertragsbaustein für Anleger?
In Summe kostet der Handel extrem günstige 0,125% Orderprovision, zzgl. Handelsplatzspread. Damit gehören wir mit zu den günstigsten Anbietern in Deutschland, was zuletzt auch in einer Studie der Frankfurt School of Finance & Management bestätigt wurde.
Neben Kunden, die aktiv Kryptowerte handeln, gibt es bei uns natürlich auch die so genannten „HODL’er“, die eine Buy&Hold-Strategie verfolgen. Damit diese Kunden mit ihrem Bestand Zusatzeinnahmen generieren können, haben wir gemeinsam mit unserem Kryptoverwahrer Tangany ein Staking-Angebot für die drei Kryptowerte Ethereum, Cardano und Solana entwickelt. Das Besondere dabei ist, dass es sich um Liquid-Staking handelt: Der Kunde behält weiterhin die volle Kontrolle über seinen Krypto-Bestand und kann diesen auch weiterhin verkaufen und erhält monatliche Staking-Rewards. Tangany sorgt im Hintergrund für das entsprechende Risiko- und Liquiditätsmanagement.
Wikifolio-Zertifikate
Mit den Wikifolio-Zertifikaten haben Sie einen Zugang zu Strategien und Musterportfolios geschaffen, den viele Depotbanken so nicht anbieten. Für welche Anlegertypen ist dieses Angebot interessant?
Wir finden, dass wikifolios – neben ETFs – eine ideale Anlageklasse für Kunden sind, die mit dem Wertpapierhandel anfangen oder die erweiterte Informationen, Strategien oder innovative Investmentansätze wünschen. Dabei lassen sich mittels wikifolios Investmentansätze von Top-Tradern kopieren und deren Trades sehr einfach nachverfolgen. Keine versteckten Positionen, keine Überraschungen – 100 % transparent. Wikifolios können bei uns als Einmalorder gehandelt werden, zusätzlich bieten wir ca. 50 Wikifolios auch als Sparplan an.
justTRADE Produktinnovationen
Der deutsche Broker-Markt entwickelt sich rasant weiter – welche Produktinnovationen hat justTRADE für die kommenden Monate in der Pipeline?
Wir sind bekannt dafür, dass wir laufend für unsere Kunden nach Innovationen schauen und diese auch umsetzen. In Kürze bieten wir als erster Anbieter in Deutschland unseren Kunden ein sogenanntes E-Wertpapier zum Handel an, das vollständig digital auf der Blockchain verwahrt wird.
Darüber hinaus arbeiten wir aktuell an einer neuen Mobile-App für iOS und Android, um unseren Kunden ein deutlich verbessertes Trading-Erlebnis zu bieten.
Marktausblick 2. Jahreshälfte 2026
Zum Abschluss der Blick auf die Märkte: Nach einem bewegten ersten Halbjahr stehen weiterhin die Notenbankpolitik, die geopolitische Lage und die KI-getriebene Rallye im Fokus. Wo sehen Sie DAX, Gold und Bitcoin zum Jahresende – und welche Themen werden aus Ihrer Sicht die zweite Jahreshälfte an den Märkten prägen?
Der DAX kann weiterhin von sinkenden Finanzierungskosten und einer wahrscheinlich weitestgehend abgeschlossenen EU-Zinswende profitieren, (noch) robusten Unternehmensgewinnen sowie weiteren Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung. Gegenwind kann von einer exportabhängigen deutschen Wirtschaft und geopolitischen Risiken kommen.
Gold könnte ein wichtiger Diversifikator bleiben. Kurzfristig können höhere Realzinsen und ein starker US-Dollar belasten. Sollte die geopolitische Unsicherheit weiter zunehmen oder die Märkte Zweifel an der Fiskalpolitik entwickeln, dürfte Gold erneut gefragt sein.
Bitcoin bleibt stark von der Liquidität, institutioneller Nachfrage aber auch regulatorischen Entwicklungen abhängig. Nach einer volatilen ersten Jahreshälfte rechne ich weiterhin mit größeren Schwankungen als bei Aktien. Entscheidend wird sein, ob das verfügbare Kapital weiterhin in KI-Aktien gebunden bleibt oder wieder stärker in andere Anlageklassen fließt.
In Summe gibt es vielleicht fünf wichtige Themen für die zweite Jahreshälfte:
- KI wird vom Narrativ zum Ergebnistest: Verdienen Unternehmen mit ihren milliardenschweren KI-Investitionen tatsächlich Geld?
- Notenbanken bleiben wichtig – aber nicht mehr allein entscheidend: Die Richtung der Geldpolitik bleibt relevant, doch Fiskalpolitik, Staatsverschuldung und geopolitische Entwicklungen gewinnen als Markttreiber an Bedeutung.
- Geopolitik bleibt ein permanenter Risikofaktor: Naher Osten, Ukraine und Handelskonflikte können jederzeit zu kurzfristigen Marktbewegungen führen – insbesondere bei Energiepreisen und Rohstoffen.
- Marktbreite statt nur Big Tech: Die entscheidende Frage lautet, ob sich die Rallye von wenigen KI-Schwergewichten auf andere Branchen und Regionen ausweitet?
- Privatanleger werden anspruchsvoller: Nach Jahren steigender Märkte rücken Themen wie Steuern, Kosten, Diversifikation und Vermögensplanung stärker in den Fokus.
Disclaimer & Risikohinweis
Der Service justTRADE wird von der Sutor Bank erbracht und wurde an die JT Technologies GmbH ausgelagert. Alle Tätigkeiten, die eine aufsichtsrechtliche Zulassung erfordern, insbesondere das Einlagen- und Finanzkommissionsgeschäft, werden von der Sutor Bank erbracht.
Themen im Artikel
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justTRADE ist ein Service der Sutor Bank und bietet als Online Broker den Wertpapierhandel mit 0 Euro Orderprovision (zzgl. marktüblichem Spread) an. Ferner fallen dabei auch keine Depotgebühren an. Für börsliche Orders werden pauschal 1 Euro Fremdkosten je Trans...
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