So traden Sie die Blaue Welle

Bernstein BankHatten wir uns schon über die Präsidentschaftswahl unterhalten? Hatten wir. Doch da das Thema diesmal heißer wird als die meisten vorigen Wahlen bringen wir die Angelegenheit noch einmal zur Sprache. Zumal viele Analysten inzwischen von einem gigantischen Wahlsieg der Demokraten ausgehen und sich auf eine Blue Wave einstellen – Blau ist die Farbe der Demokraten. Wir analysieren, worauf Sie achten müssen und wie Sie dabei gutes Geld verdienen.

Joe Biden wird gewinnen – ganz sicher

Zunächst der Blick auf die Ausgangslage. Der demokratische Herausforderer Joe Biden ist nach dem Tumult bei seiner Debatte mit Donald Trump weit davon gezogen. In den Meinungsumfragen hat er Vorsprung im Schnitt von rund 6 Prozent auf rund 10 Prozent ausgebaut.

Interessant ist, dass selbst Rasmussen, das einzige Meinungsforschungsinstitut, das vor vier Jahren richtig lag, aktuell einen klaren Sieg für Biden vorhersagt. Bleiben wir also bei der Annahme, dass er gewinnt. Gehen wir nun ferner davon aus, dass die Demokraten auch im Kongress zum Durchmarsch antreten.

 


 

Gigantischer neuer Stimulus

Gerade urteilte die Ratingagentur Moody’s, Biden würde als Präsident das Bruttoinlandsprodukt ankurbeln, da er die Grenzen für billige ausländische Arbeitskräfte öffnen würde und die aggressiveren Pläne für auf Pump finanziertes staatliches Ausgabenprogramm habe, etwa in der Infrastruktur.

Konkret hieß es jüngst: „Increased global trade and foreign immigration would increase the size of the workforce, both skilled and unskilled, and support stronger productivity.“ Das dürfte wohl bedeuten, dass sich die Amerikaner auf mehr Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt und sinkende Löhne einstellen dürfen. Konsumaktien dürften jedoch profitieren.

Goldman Sachs vermutete ebenfalls, eine blaue Welle werde zu einem schnellen, neuen Stimulus in Höhe von 2 Billionen Dollar führen – „followed by longer-term spending increases on infrastructure, climate, health care and education that would at least match the likely longer-term tax increases on corporations and upper-income earners.“

Genau wie Goldman nannte auch James Rickards vom Blog The Daily Reckoning höhere Steuern. Er vermutete jedoch, ein Sieg von Biden würde Ende 2020 umgehend zu einem Ausverkauf bei amerikanischen Aktien führen, da Anleger eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes unter den Demokraten im kommenden Jahr erwarten. Soll heißen: Viele Anleger nehmen dann noch die niedrigen Trump-Steuern mit.

Susan Dziubinski, Analystin bei der Fondsrating-Agentur Morningstar, gab Investoren drei Ratschläge mit auf den Weg. So riet sie, Steuern jetzt zu bezahlen und nicht nach hinten zu schieben – das Steuerregime könne sich bald ändern. Auch das also ein klarer Hinweis auf kommende Steuererhöhungen, falls Biden siegen sollte.

Zudem riet sie wegen der Pandemie-Risiken, der volkswirtschaftlichen Herausforderungen und der anstehenden US-Wahl zum Aufbau eines Cash-Polsters und zur Überprüfung des Portfolios – inklusive Inflationsschutz. Offenbar vermutet also auch sie eine weitere Aushöhlung des Dollars durch noch gigantischere Stimuli.

Big Tech bullish

Das Silicon Valley unterstützt die Demokraten finanziell und auch mit Manpower. Diesen Aspekt hatten wir an anderer Stelle schon ausgiebig behandelt. Daher dürften die großen Tech-Monopole unter Biden noch mächtiger werden.

China- und Asien-Aktien long

Klar ist auch, dass Biden der Liebling der Chinesen ist. Während der jüngsten Vize-Debatte zwischen Mike Pence und Harris wurde der Republikaner im chinesischen Staatsfernsehen mal eben kurzerhand ausgeblendet. Das hier tweetete der Korrspondent der kanadischen „Globe and Mail“:

Analog urteilte BNP Paribas Asset Management und auch die Credit Suisse, ein demokratischer Durchmarsch ins Weiße Haus und im Kongress dürfte die Renditen für US-Treasurys nach oben treiben und den Appetit auf Staatsanleihen von Südkorea und Thailand drosseln.

Ein neuer Stimulus dürfte den Effekt höherer Steuern kontern und den Import aus Asien ankurbeln. Zugleich erwarte Invesco einen Ausverkauf im Dollar. Auch Peter Schiff von SchiffGold.com schloss sich der Meinung an, dass der Dollar unter Biden leiden würde – und natürlich, dass Gold davon profitieren dürfte.

Wir ergänzen: Die amerikanische Old Economy – Stahl, Textilien – aber auch die Konsumgüter-Industrie dürfte durch neue chinesische Billig-Importe in die Knie gehen. Doch was kümmert das den Biden-Clan, wenn der als kleines Dankeschön über sein Investment-Vehikel BHR Partners chinesische Unternehmen im Westen an die Börse bringen darf.

Bei dieser Firma, die auch als Bohai Harvest bekannt ist, sind übrigens auch der Sohn des früheren US-Außenministers John Kerry und ein Sprössling aus der Ketchup-Dynastie Heinz mit dabei.

 


 

VIX bullish

Aber selbst wenn Biden und die Demokraten wirklich mit einer blauen Welle über das Land rollen, könnten sie sich mit ihrem Aufruf zur verstärkten Briefwahl ein Bein gestellt haben. Denn vor allem Demokraten wählen per Post – und daher könnte es hier einigen Ärger geben. National Public Radio warnte, dass es nur bei den Vorwahlen in diesem Jahr rund 500.000 abgelehnte Stimmzettel gegeben habe.

Falsche oder keine Unterschrift, zu spät eingesandte Briefe – all dies ist ein Argument für stark schwankende Kurse, da sich die Auszählung ewig hinziehen könnte und in den USA neue Unruhen ausbrechen. Warten wir also ab. Die Bernstein-Bank behält die Angelegenheit im Blick und wünscht erfolgreiche Trades und Investments!

 

US-Aktien: Oder gewinnt am Ende doch Donald Trump?!
Sollte Trump siegen, werden die Großkonzerne aus dem Silicon Valley wohl zerschlagen.
Dann sollten Sie gut vorbereitet sein …

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