Trump und Corona – die Folgen für die Börse

Bernstein Bank: Historische Zeiten in den USA: Mit der Covid-19-Erkrankung von US-Präsident Donald Trump sind die Risiken für die Börse noch weiter gestiegen. Denn der weitere Ablauf der Präsidentschaftswahl ist unklar. Eine Querverbindung gibt es auch für China-Aktien. Wir beleuchten, was das Event für Trader und Investoren bringen könnte.

Hier ist die October Surprise
Der Finanzmarkt ging erst einmal in Deckung, als die News zu Trump einschlug: Die Futures auf den Dow Jones tauchten um rund 500 Punkte ab und Gold zog an. Dann erholten sich die Anleger wieder vom Schock.

Zuletzt sah es so aus, als habe Trump nur milde Symptome und könne bald wieder ins Weiße Haus zurückkehren. Doch warten wir es ab – Covid-19 ist tückisch. Jedenfalls legten zum Wochenbeginn die Futures auf Dow Jones und S&P 500 wieder zu.

Da haben wir sie also, die October Surprise, die wir an diese Stelle schon thematisiert hatten. Was, wenn die Pandemie Trump doch noch dahinraffen sollte? Dann müsste die Wahl gestoppt und verschoben werden, weil schon massenhaft Briefwähler ihre Stimme abgegeben haben. Die Unsicherheit dürfte dann die Wall Street kräftig beuteln.

Was aber, wenn sich Trump erholt? Dann könnte ihm eine Welle der Solidarität entgegenschlagen – Boris Johnson hat in London Ähnliches durchgemacht. Und dann werden die Karten in der Wahl neu gemischt.

 


 

JPMorgan spielt beide Seiten
Und was heißt das nun für die Börse? Als einer der ersten reagierte Quant-Analyst Marko Kolanovic von JPMorgan auf die Corona-News. Die Erkrankung von Trump erhöhe leicht die Chancen von Joe Biden, „which could marginally reduce post-election risks and market uncertainty.“

Allerdings könne auch Trump profitieren, in “ a combination of voter sympathy, turnout and an asymptomatic or mild virus outcome boosts Trump’s election chances (e.g. vindicating his strategy of opening by example).“

Sollte sich der Zustand des Präsidenten verschlimmern, könne dies sogar die Feindschaft auf beiden Seiten der Politik reduzieren und den Weg für eine nationale Versöhnung einleiten, was die Chancen der Republikaner im Kongress steigern würde.

Divided House
Goldman Sachs hatte übrigens zuvor geurteilt, das beste – weil stabilste – Szenario für die Börse sei eine geteilte Regierung, in der das Weiße Haus und der Senat von verschiedenen Parteien beherrscht werden. “A divided government scenario would lead to a smaller change in interest rates and a reduction in political uncertainty,” schrieb David Kostin, Chief Equity Strategist bei Goldman Sachs.

Dies würde den S&P 500 kurzfristig um 11 Prozent nach oben hieven und auf 4.000 zur Jahresmitte 2021 bringen. Eine blaue Welle, in der die Demokraten sowohl das Weiße Haus, das Repräsentantenhaus und auch den Senat gewinnen, würde den SPX kurzfristig nur auf 3.400 bringen und mittelfristig auf 3.800.

Hoffnung auf Stimuli
Doch zurück zu JPMorgan. Kolanovic merkte an, das wichtigste Thema überhaupt seien neue Stimuli. Wir meinen: Hier könnte Trump nun erst einmal als treibende Kraft ausfallen oder gebremst werden. Immerhin urteilte die Bank, dass „the probability of an early phase 4 stimulus is likely increasing“.

Insofern bleibe der Ausblick für die Ergebnisse im dritten Quartal konstruktiv, die Erholung dürfte andauern. Konkret: „value will outperform momentum and growth under any election outcome“ plus „cyclicals will outperform also under any election outcome.“

Die Bank behielt ihr Jahresend-Ziel von 3.600 für den S&P 500 bei. Tatsächlich scheint die jüngste Entwicklung im Sumpf von Washington D.C. dem Experten von JPMorgan recht zu geben: Einige Demokraten deuteten an, es könne einen Bailout für die Flugzeugindustrie geben, was den Markt stützte.

Entscheidend wird das frische Geld
Tatsächlich sieht auch die Bank of America die Bedeutung von Stimuli. Ein bearisher Faktor für den Markt ist demnach die weltweit nachlassende Dynamik der Notenbanken und der Regierungen. Analyst Barnaby Martin urteilte gerade dies: Zwischen März und Juni habe es weltweit 109 Zinssenkungen gegeben. In den drei folgenden Monaten seien es nur 22 gewesen.

Im März 2020 habe es über 1.200 Maßnahmen aus der Politik gegeben, um die Wirtschaft anzukurbeln – im August waren es nur noch 273 gewesen. Insofern bleibe paradoxerweise nur ein Schubfaktor für die Märkte: Eine neue Krise, die neue Interventionen mit sich ziehen.

 


 

Zorn auf China
Damit zurück zu Trump. Dessen Zorn auf China dürfte nun wegen seinem ganz persönlichen Encounter mit dem chinesischen Virus weiter steigen – Trader und Investoren sollten daher auch China-Aktien im Blick behalten. Nach der derzeitigen Pause in der Goldenen Woche könnte es hier ungemütlich werden.

Auch bei anderen Republikanern wächst aktuell der Zorn auf die roten Machthaber. Die republikanische Senatorin Kelly Loeffler aus Georgia twitterte, nun müsse man Peking zur Verantwortung ziehen. Und Kampagnen-Manager Blair Brandt aus dem Team Trump urteilte, die „Chinese Communist Party has biologically attacked our President.

Der republikanische Abgeordnete Mark Walker aus dem House Subcommittee for Intelligence and Counterterrorism stellte sogar die Frage in den Raum, ob dies das Ziel von China gewesen sei: „is it fair to make the assessment that China has now officially interfered with our election?“

Die Chinesen seien aktuell sichtlich nervös, kommentierte CNN. Auf Weibo, dem chinesischen Pendant zu Twitter, hätten inzwischen der staatliche Fernsehsender CCTV und die Zeitung People’s Daily die Kommentarfunktion eliminiert. Das Außenministerium wünschte Trump eine rasche Genesung.

Die Vizes im Fokus
Bleibt für Anleger und Trader weiter der bange Blick auf die große Politik. Angesichts der Erkrankung von Trump und der zuletzt nicht immer vorhandenen geistigen Fitness bei Joe Biden rücken die beiden Vizekandidaten verstärkt ins Rampenlicht. Mike Pence und Kamala Harris werden sich am Mittwoch in Utah verbal duellieren.

Wir behalten die Sache im Blick – und wünschen erfolgreiche Trades und Investments!

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