Vorsicht vor dem Biden-Call

Bernstein BankNach wie vor schwebt Joe Biden scheinbar uneinholbar über Donald Trump. Ständig tauchen neue Investment-Tipps für den totalen Wahlsieg der Demokraten auf. Doch Vorsicht: Alles fühlt sich frappierend nach 2016 an, als die ganze Welt schon Hillary Clinton im Weißen Haus feierte.

Trader strömen in den Yuan
In den Umfragen liegt Biden rund zehn Prozent vor Donald Trump. Gerade schoss der Yuan in der Vorfreude eines Biden-Siegs nach oben. Klar, der Biden-Clan macht beste Geschäfte mit den Kommunisten in Peking – die Strafzölle dürften bald Geschichte sein. Bloomberg riet zum Kauf von chinesischen Staatsanleihen.

 


 

Solar ist gefragt
Die Anleger bereiten sich auch auf den scheinbar kommenden Green New Deal vor. Eric Balchunas, ETF-Guru bei Bloomberg, wies auf den davonzischenden TAN hin – der Solar-Fonds ist demnach „the Robinhood crowd’s new plaything as evidenced by the shattering of its weekly volume w/ $1b (top 2% among all ETFs).“

Soll heißen: Vor der Wahl strömen die Retail-Investoren in die erneuerbare Energie. Und die alten Energie-Giganten wie Exxon und Chevron hinken im S&P Energy hinterher.

Aus dem gleichen Grund verwies Goldman Sachs jüngst auf Silber. Analyst Mikhail Sprogis erklärte: „with global infrastructure stimulus tilting towards renewables, and solar in particular, silver stands out in the metals space as the obvious beneficiary. Solar investment accounts for around 18% of silver industrial demand, or 10% of silver total demand.“

Und weiter: „Former US Vice President Biden has proposed a plan which involves installing 500 million solar panels in the US alone over the next 5 years. (…). This represents a boost of almost 15% to global solar installations.“ Auch China wolle die Solarindustrie ausbauen. Goldman nannte daher ein Preisziel für Silber von 30 Dollar je Unze.

Profis zweifeln am Durchmarsch
Doch einige Profis haben Zweifel am angeblich sicheren Erfolg der Dems. So gab Morgan Stanley gerade den Spielverderber: Demnach stehen die Chancen bei 80 Prozent, dass es in der Wahlnacht keinen klaren Sieger gebe. Die Bank geht wegen der Briefwahl von einer Woche Unklarheit aus.

Die Bank of America veröffentlichte gerade ihr Manager Survey – und demnach erwarten rund 60 Prozent der Investoren sogar eine „contested election“. Inklusive heftiger Volatilität, vor allem, falls der Supreme Court eingeschaltet werden muss.

Michael Every von der Rabobank unkte, die Lage in den umkämpften Swing States sehe kaum anders aus als 2016. Und Marko Kolanovic, Top-Quant bei JPMorgan warnte Anleger vor dem blinden Glauben an die Blaue Welle – er verwies auf die enorme Aufholjagd der Republikaner bei der Wähler-Registrierung.

Vielleicht wiederholt sich die Geschichte
Tatsächlich führt Biden besonders stark in den Umfragen von Medien, die Trump offen feindlich gesinnt sind: ABC/Washington Post (Biden: + 12 Prozentpunkte), CNN (+16). Aber es gibt auf dem flachen Land keinen Enthusiasmus für Biden.

Während die Vorgärten in vielen Staaten voller Trump-Schilder sind, Auto- und Bootskorsos für den Präsidenten abgehalten werden und gerade in Pennsylvania tausende im Regen Trump zuhörten, taucht nur eine Handvoll Leute bei Bidens surrealen Wahlveranstaltungen auf. Vielleicht ist es die Angst vor Corona, vielleicht auch nicht.

Den Leuten geht es besser als vor vier Jahren
Und noch seltsamer: Laut einer Gallup-Umfrage beurteilen 56 Prozent der Amerikaner ihre persönliche Lage besser als vor vier Jahren – trotz Corona und Lockdown. Das ist der beste Wert für einen Präsidenten aller Zeiten. Ronald Reagan hatte als Höchstwert 44 Prozent erzielt. Wenn es den Leuten gut geht, wählen sie meist den Amtsinhaber – warum sollten sie den Herausforderer wollen?

Seltsame Umfragen
Damit stellt sich die Frage, ob die Wahlumfragen frisiert sind. Klar ist zudem, dass die republikanische Klientel – hart arbeitende Manager, Facharbeiter und Handwerker – kaum Zeit hat, die lange Befragung am Telefon über sich ergehen zu lassen. Weiter gibt es einen völlig neuen Faktor: Die Welle der Gewalt durch Linksradikale, die durch demokratisch regierte Bundesstaaten geduldet und teils gefördert wurde – während die Dems nach „Defund the Pollice“ riefen.

Viele Republikaner dürften noch schneller als zuvor auflegen, wenn die Meinungsforscher anrufen – wer der „Lügenpresse“ misstraut, spricht auch nicht mit Interviewern. Vor allem nicht, wenn sie für Trump-Hass-Sender arbeiten.

Tatsächlich ist es Redakteuren bei CNN, ABC, NBC oder CNBC egal, ob ein Facharbeiter in der Öl-, Stahl- oder Textilindustrie wegen des Green New Deal oder chinesischem Billigdumping seinen Job verliert. Den typischen Journalisten interessiert es mehr, dass er für die Regierung arbeiten kann.

 


 

Deep State in Aktion
Die zu enge Verbindung zwischen TV und den Demokraten belegt das Beispiel ABC, wo Biden gestern einen eigenen Fernsehabend bekam – moderiert von George Stephanopoulos, einem früheren Wahlkampf-Berater von Bill Clinton.

Ergo wurde die Sache zur Wahlkampfhilfe für Biden, es gab keinerlei kritische Fragen, schon gar nicht zu der gerade hochkochenden Story der „New York Post“ über korrupte Geschäfte des Biden-Clans in China durch die Investmentfirma BHR Partners – während China mit Dumping-Exporten amerikanische Jobs vernichtete.

Und zwar deswegen: ABC-Chef Ben Sherwood ist der Bruder von Elizabeth Sherwood-Randall, frühere Special Advisor von Barack Obama. Der Executive News Producer von ABC, David Cameron ist mit Susan Rice, der früheren Sicherheitsberaterin unter Obama verheiratet. Korrespondentin Claire Shipman hat Obamas früherem Pressesprecher Jay Carney geehelicht. ABC-Reporter Matthew Jaffe ist verheiratet mit Katie Hogan, Obama’s früherer Deputy Press Secretary.

So wird also nicht nur bei Kamala Harris Politik im Bett gemacht. Wie Harris ihre Karriere begann, wird auch hierzulande totgeschwiegen – dabei sollten wir doch möglichst alles wissen über die eventuelle künftige Präsidentin: Harris verdiente sich den Spitznamen „Horizontal Harris“, indem sie sich beim mächtigen Bürgermeister von San Francisco, Willie Brown, hochschlief. BMW als Dienstwagen, lukrative Jobs mit knapp 100.000 Dollar Jahresgehalt, Gelder für den Wahlkampf als District Attorney. Er 60, sie knapp 30. Wahre Liebe eben…

Bleiben Sie skeptisch
Unser Fazit aus alledem: Vielleicht sind die Umfragen wieder falsch. Wundern würde es nicht, denn Trump wurde gestern bei NBC gegrillt, so wie es sein muss und wie es bei Biden sein müsste. Trump sieht sich einer mächtigen Koalition aus US-Medien, dem Sumpf von Washington und aus Big Tech gegenüber – und die würde nie positiv über ihn berichten; und sie schirmen Biden von schlechten News ab.

Twitter und Facebook beispielsweise haben gerade Wortmeldungen zum Bericht der „New York Post“ gesperrt. Zensur pur. Immerhin gibt es anders als hierzulande konservative Medien, welche die Angelegenheit nach oben zerren. Die Frage ist, ob die Menschen nicht gerade wegen der üblen Kumpanei des linken Establishments Trump wählen.

Die Sache ist noch nicht vorbei – vielleicht sollten Sie zumindest einen Teil Ihres Kapitals als Hedge auf den scheinbar unmöglichen Sieg von Trump einsetzen. Wir wünschen erfolgreiche Trades und Investments!

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