Aktienmärkte verdauen den Nahost-Schock, verharren aber im Seitwärtstrend
Wie nahezu alle großen Anlageklassen zeigten sich auch US-Aktien zuletzt äußerst volatil – wenn auch nicht ganz so stark wie Öl oder Gold. Geopolitische Sorgen um die Ölversorgung und eine hartnäckige Inflationsdynamik zum Ende des ersten Quartals 2026 ließen bei vielen Anlegern die Angst vor einem langanhaltenden Bärenmarkt aufkommen.
Mehr noch: Sie kletterten auf neue Allzeithochs von 7.143,26 bzw. 26.937,28 Punkten.
Trotz der Gespräche zwischen den USA und dem Iran in Pakistan ist die regionale Gefahr für den Welthandel und die Ölversorgung noch lange nicht gebannt. Gleichzeitig zeigt die makroökonomische Lage, dass die Märkte extrem empfindlich auf ein Wiederaufflammen der Inflation und mögliche Zinsänderungen reagieren könnten.
Vieles wird sich erst in den kommenden Wochen klären, wenn sich zeigt, ob der Markt das Worst-Case-Szenario bereits vollständig eingepreist hat.
In dieser Analyse beleuchten wir die entscheidenden Faktoren und geben einen fundierten Ausblick auf die mittelfristige Entwicklung der Aktienmärkte.
Gemischte Signale
Wie schon seit Jahren notieren US-Aktien weiterhin nahe ihrer Rekordhochs. Der S&P 500 pendelt derzeit um die Marke von 7.000 Punkten. Auf Mehrjahressicht liegt der Index damit deutlich im Plus, reagiert jedoch zunehmend sensibel auf Fragen zu Bewertungen und das Zinsniveau.
Gleichzeitig liegen die erwarteten Gewinne pro Aktie (EPS) für den Index weitgehend im Bereich von 340 bis 345 US-Dollar, was auf ein Gewinnwachstum von rund 14 bis 20 % hindeutet. Angetrieben wird dieses Wachstum jedoch überproportional stark von Big-Tech-Aktien und massiven KI-Investitionen. Das verzerrt das Bild der marktbreiten Performance und schürt die Sorge vor einer erneuten Blasenbildung in diesen Sektoren.
Mittlerweile wird die Kursentwicklung ohnehin stärker von makroökonomischen Zwängen diktiert als von reinem Gewinnpotenzial und Momentum. Zwar zeigen sich die Unternehmensgewinne im aktuellen Umfeld unsicherer Lieferketten überraschend robust, doch der Optimismus der Anleger wird durch das restriktive Zinsumfeld weiterhin ausgebremst.
Die US-Notenbank Fed beließ ihren Leitzins zuletzt bei 3,75 % – ein Niveau, das deutlich höher liegt, als Donald Trump und weite Teile des Marktes es sich wünschen würden.
Infolgedessen verharren die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen zwischen 4,3 und 4,6 %. Das drückt die Aktienrisikoprämie und macht Anleihen im direkten Vergleich wieder attraktiver.
Zwar wird erwartet, dass der von Trump favorisierte Fed-Vorsitzende Kevin Warsh bei der erstbesten Gelegenheit eine expansivere Geldpolitik einleiten wird, doch laut dem FedWatch-Tool ist frühestens im vierten Quartal 2026 mit einer Zinssenkung zu rechnen.
Warten auf den nächsten Impuls
Abgesehen von Bewertungen und Zinsen treiben mittlerweile weitere Makro-Faktoren die Sektorrotation an, auch wenn sie nicht zwingend den Gesamtmarkt bewegen. Der zuletzt erstarkte US-Dollar sorgt für Gegenwind bei den Gewinnen multinationaler Konzerne, insbesondere in Sektoren mit hohem Auslandsumsatz. Gleichzeitig hat genau diese Dollar-Stärke dazu beigetragen, die Inflation weiter abzukühlen.
Nach einem kurzen Schreckmoment im März im Zuge des Ausbruchs des Iran-Krieges liegt die Gesamtinflation nun wieder deutlich näher am Zielkorridor von 2 bis 3 %. Diese Dynamik stützt zwar die Gewinnmargen der Unternehmen, nimmt der Fed jedoch gleichzeitig den Druck, die Zinsen aggressiv zu senken.
Trotz allem werden Aktien weiterhin von einer soliden strukturellen Nachfrage getragen.
Stabile Nettozuflüsse in Indexfonds und ETFs federn Abwärtsbewegungen selbst in volatilen Phasen verlässlich ab. So flossen in der zuletzt gemeldeten Woche (13. – 17. April) 21,25 Milliarden US-Dollar in US-Aktienfonds – ein deutlicher Anstieg gegenüber März, als die monatlichen Nettozuflüsse auf insgesamt nur 60 bis 70 Milliarden US-Dollar geschätzt wurden.
Wie bereits erwähnt, sorgt das enorme Gewicht der Tech- und KI-Werte in Aufwärtsphasen für überproportionale Kursgewinne. Das macht die Indizes jedoch auch anfälliger für heftige Rücksetzer, sollte sich der Wind drehen.
Mit Blick auf die Zukunft wird der Ausblick für US-Aktien maßgeblich davon abhängen, ob das aktuelle zweistellige Gewinnwachstum die momentan hohen Abzinsungssätze weiterhin kompensieren kann.
Ist das nicht der Fall, braucht es einen Schwenk der Notenbank hin zu einer lockereren Geldpolitik, um neue Wachstumsfantasien zu wecken.
Bleibt eine weitere Eskalation der geopolitischen Spannungen oder eine erneute Blasenbildung aus, bildet im aktuellen Umfeld eine Seitwärts-Range für den S&P 500 und den Nasdaq 100 das wahrscheinlichste Szenario.
NASDAQ
S&P 500
Disclaimer & Risikohinweis
Risikowarnung: CFDs sind komplexe Instrumente und bergen ein hohes Risiko, aufgrund der Hebelwirkung schnell Geld zu verlieren. 86% der Konten von Kleinanlegern verlieren Geld beim Handel mit CFDs bei diesem Anbieter. Sie sollten abwägen, ob Sie verstehen,wie CFDs funktionieren und ob Sie das hohe Risiko eingehen können, Ihr Geld zu verlieren.
Themen im Artikel
Infos über Libertex
Libertex gehört zur Libertex Group und ist ein Online-Broker, der handelbare CFDs anbietet, deren Basiswerte Rohstoffe, Devisen, ETFs, Kryptowährungen und andere sind. Libertex bietet auch Investitionen in echte Aktien an.
Seit ihrer Gründung ...
Libertex News
[btde_debug]









