Alpari: US-Schuldenobergrenze – ein Evergreen ist zurück; EUR/GBP muss jetzt drehen

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Marktkommentar: US-Schuldenobergrenze – ein Evergreen ist zurück

 
  • Evergreens kann man immer hören. Sie sind immun gegenüber jeder Modeerscheinung, überleben die Jahrzehnte und begeistern immer wieder aufs Neue auch jüngere Bevölkerungsschichten. Als Kollektivgut sind sie gesellschaftlich tief verankert. Ähnlich verhält es sich mit  der US-Schuldenobergrenze, die fast jedes Jahr auf neue Höhen angehoben wird. Dieses Mal droht den USA die Zahlungsunfähigkeit am 17.10.2013, und das vor einem beachtlichen Schuldenberg von $16,7 Billionen. Der Präsident braucht einen Kompromiss mit den Republikanern, um die Grenze wieder ein Stück anzuheben. Die Opposition will einen Erfolg verbuchen und sieht hier die letzte Chance die verhasste Gesundheitsreform "Obamacare" zu stoppen oder zumindest zu entschärfen. Da beiden Parteien klar ist, dass ein Staatsbankrott keine Option ist, wird ein Kompromiss in letzter Minute die wahrscheinlichste Alternative sein. In der jüngsten Vergangenheit gab es nur unter Bill Clinton im Jahr 1995 und 1996 einen "Government Shut Down" – das heisst staatliche Dienstleistungen entfallen, um die Zahlungsunfähigkeit zu verhindern –  aber das Leben und die Aktienmärkte gingen trotzdem weiter. Während der jetzigen Verhandlungen wird es an den Märkten weiterhin zu Volatilitäten kommen. Ein gütiger Kompromiss wird wie die Vergangenheit gezeigt hat den US Dollar wahrscheinlich festigen. Am Ende zieht das Gewitter weiter, und der Evergreen wird nächstes Jahr wieder zu hören sein.

Chart des Tages: Platin mit "Dead Cat Bounce?"

 

 

Chart courtesy of StockCharts.com; http://stockcharts.com

Devisen & Edelmetalle: EUR/GBP muss jetzt drehen

 
  • EUR/USD: Das Währungspaar verharrt in seiner potenziellen Flaggenformation ausgehend vom bisherigen Monatshoch bei 1,3569. Gestern wurde die obere Flaggenbegrenzung getestet, aber im Verlauf des Handelstages wieder abverkauft. Heute Morgen konsolidiert EUR/USD knapp unterhalb des 1,35 Widerstands bei 1,3498. Die Flagge ist als Fortsetzungsformation zu interpretieren. Dies könnte das Sprungbrett für einen erneuten Aufwärtsimpuls sein. Solange aber kein Ausbruch erfolgt, ist mit weiteren Konsolidierungstendenzen zu rechnen. Auch ein Blick auf die technischen Indikatoren weist auf diese Möglichkeit hin. Während der MACD immer noch bullish ausgerichtet, zeigt der Aroon keinen Aufwärtstrend mehr an. Bei den Oszillatoren hat der Stochastik ebenso wie der CCI ein Verkaufssignal in der oberen Extremzone bestätigt. Auf der Oberseite liegen die nächsten Widerstände bei 1,3500 und 1,3550. Direkte Unterstützungen sind bei 1,3473 und 1,3463 vorzufinden. Grundsätzlich ist der Ausbruch aus der großen Dreiecksformation (ausgehend vom Novembertief 2012 und dem Jahreshoch von Februar 2013) immer noch intakt. Daraus lässt sich ein kalkulatorisches Kurspotenzial bis in den Bereich von 1,4450 ableiten. Zunächst ist von einer Fortsetzung der Konsolidierung auszugehen. Bullish.
  • USD/JPY: Das Währungspaar kann weiterhin keine Dynamik entwickeln. Der gestrige Aufwärtsschub um +0,50% auf 98,95 wird heute Morgen fast komplett negiert und man handelt aktuell bei 98,66. Damit verweilt USD/JPY an der unteren Begrenzung des mittelfristigen Aufwärtstrends seit Anfang August (Tief bei 95,80).  Die untere Begrenzung des Trendkanals verläuft nahe der Horizontalunterstützung bei 98,44 und dürfte im Positivfall einen ersten Halt bieten und das potenzielle Sprungbrett für einen erneuten Aufwärtsimpuls darstellen. Ein definitives Kaufsignal würde bei Überschreitung des 100,50 USD/JPY Levels entstehen. Nächste Zielmarken auf der Oberseite liegen in diesem Fall bei 100,86 und 101,52. Unmittelbare Widerstände sind  bei 99,00 und 99,50 vorzufinden. Unterstützungen liegen im Bereich von 98,44 und 98,16. Die Indikatoren unterstreichen nach wie vor die Abwärtsrisiken. Der trendfolgende MACD ist bearish ausgerichtet und der Stochastik Oszillator ist wieder nach unten gedreht und hat ein Verkaufssignal generiert. Neutral.
  • EUR/GBP: Das Währungspaar fällt heute Morgen unter die 0,84 Unterstützung und testet sogar die zentrale Haltezone bei 0,8350. Damit droht der Fehlausbruch über die 0,84 Marke sich als ?Dead Cat Bounce? zu entpuppen. Dies wäre der Fall bei einem Schlusskurs unter 0,8350 und würde ein neues Verkaufssignal auslösen. Um dieses Szenario noch abzuwenden, muss das Währungspaar das 0,8350 Level verteidigen. Ein neues Einstiegssignal würde erst mit Überwindung des letzten Pivothochpunkts bei 0,8465 entstehen. Die technischen Indikatoren geben den Bullen noch leichten Rückenwind. Trendfolger MACD ist weiterhin bullish ausgerichtet und der Abwärtstrendbruch des RSI stimmt positiv. Aber der Stochastik Oszillator ist auf der ?Verkaufsseite? angesiedelt. Sollte keine positive Entwicklung in den nächsten Tagen eintreten, droht im MACD ein ?bullish failure?. Auf der Oberseite sind die nächsten signifikanten Widerstände bei 0,8400 und 0,8465 vorzufinden. Auf der Unterseite finden sich Unterstützungen im Bereich von 0,8350 und 0,8323. Neutral.
  • AUD/USD: Das Währungspaar versucht sich weiterhin an der 0,9341 Unterstützung zu stabilisieren. Bisher ist noch kein belastbarer Boden zu erkennen und man sollte mit gesunder Skepsis dieses Währungspaar beobachten. Die große Bodenbildung zwischen Juli und September und der einhergehende Aufwärtsimpuls sind aber solange intakt, wie das Ausbruchslevel bei 0,93 verteidigt wird. Das Kursziel aus der Reckteckformation ist bei  0,9756 angesiedelt. Auf der Oberseite sind die nächsten Widerstände bei 0,94 und 0,9430 vorzufinden. Die technischen Indikatoren haben sich eingetrübt und betonen die gestiegenen Abwärtsrisiken. Der MACD hat ein neues Verkaufssignal ausgelöst und die Oszillatoren geben ebenfalls Warnhinweise. Der Stochastik ist auf der ?Verkaufsseite? und der CCI weist eine leichte negative Divergenz aus. Nächste Unterstützungszonen auf der Unterseite liegen an den Haltezonen 0,9341 und 0,9300. Neutral.
  • Gold: Die guten US-Arbeitsmarktdaten (Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe bei 305.000 vs. 319.000 erwartet) in den USA haben die Edelmetalle belastet. Gold fällt -0,69% auf $1.323,90 zurück und konsolidiert weiter über der $1.300 Marke. Die Ausgangsposition hat sich damit nicht verändert. Sollte es zu einem nachhaltigen Ausbruch über die April-/Maitiefs im Umfeld von $1.335 kommen, wäre das ein erster wichtiger Schritt das zweite bzw. dritte höhere Tief um die Marke von $1.300 auszubilden. Sollte diese Haltezone nach unten verlassen werden, dürfte sich der Aufwärtstrend seit Ende Juni als eine Gegenbewegung in einem übergeordneten Abwärtstrend herausstellen. Auf der Oberseite liegen die nächsten Widerstände bei $1.335 und $1.355. Unterstützungen sind bei $1.305 und $1.291. Die technischen Indikatoren präsentieren sich gemischt. Trendfolger MACD ist nach wie vor bearish ausgerichtet, während sich beim Aroon die Signallinien überkreuzen. Der CCI hat ein neues Kaufsignal ausgelöst; ebenso wie der Stochastik. Erst bei Überschreitung des Goldpreises von $1.420 erfolgt eine Umstellung auf bullish. Für den Goldpreis bleibt die Bewertung zunächst auf: Neutral. Eine leichte negative Divergenz für das Gesamtbild stellt Platin dar. Es fiel gestern per Tageschlusskurs unter die Haltezone bei $1.412 und hat damit bereits die Konsolidierung bei $1.420 als erstes Edelmetall nach  unten verlassen. Sollte sich diese Bewegung in den nächsten Tagen verstetigen würde ein "Dead Cat Bounce" vorliegen. Häufig ist ein Vorlauf von Platin gegenüber Gold feststellbar.
Wichtige Wirtschaftstermine
Uhrzeit
Land
Indikator
Aktuell Prognose Zuletzt
11:00 Eurozone Wirtschaftsstimmung September (endgültig) 95,50 95,20
11:00 Eurozone Konjukturklimaindikator September -0,10 -0,21
14:00 Deutschland Verbraucherpreise September (Vorabschätzung) y/y 1,50% 1,50%
14:30 USA Konsumausgaben August m/m 0,30% 0,10%
15:55 USA Konsumklima Uni Michigan September (endgültig) 78,20 82,10

Weitere Analysen von Jörg Rohmann finden Sie im Alpari Newsroom.

 

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Chart courtesy of StockCharts.com; http://stockcharts.com
Weitere Analysen von Florian Eberhard finden Sie im Alpari Newsroom

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