Alpari: Zwangsabgabe für Reiche in der Diskussion; China im Goldrausch

Alpari:

  • Der Internationale Währungsfonds hat eine einmalige Vermögensabgabe von 10% ins Gespräch gebracht. Dabei würde eine Zwangsabgabe auf Spareinlagen, Wertpapiere und Immobilien erhoben. In einer Studie wird darauf hingewiesen, dass die durchschnittliche Staatsverschuldung aller Länder mit 110% des BIP nächstes Jahr einen Höchststand erreichen wird. Die bisherigen fiskalpolitischen  Maßnahmen und das geringe Weltwirtschaftswachstum können kaum das Abtragen des Schuldenbergs bewirken. Insbesondere für die Probleme in der Eurozone wäre es eine durchschlagende Lösung den Schuldenstand auf das Vorkrisenniveau im Jahr 2007 zu reduzieren. Für Deutschland empfiehlt der IWF unter anderem einen Spitzensteuersatz zwischen 55% und 70%. Derzeit liegt die Maximalbelastung bei 45%. Den Vorschlag sollte man nicht als unrealistisch abhaken. Zum einen haben die Koalitionsverhandlungen zwischen SPD und CDU bereits einen Finanztransaktionssteuer beschlossen. Zum anderen kam es nach Krisen immer wieder zu solchen Zwangsabgaben, mit denen sich der Staat versucht hat, zu sanieren. Beispielsweise hat das Deutsche Reich nach dem Ersten Weltkrieg davon Gebrauch gemacht oder die USA haben während der "Großen Depression" die Einkommenssteuer für Spitzenverdiener auf sagenhafte 90% angehoben. Probleme könnte es allerdings bei der Umsetzung geben. Steuerflucht und Bemessungsgrundlagen könnten sich als schwierig erweisen. 
  • An den Finanzmärkten geht die Konsolidierungsbewegung weiter. Interessanterweise zeigen insbesondere die spätzyklischen Sektoren wie beispielsweise Stahl, Aluminium und Kohle Bodenbildungsformationen. Der Dow Jones US-Stahlindex ist dabei zu nennen. Er hat die Abwärtstrendlinie seit Frühjahr 2011 durchbrochen und einen Doppelboden vollzogen (siehe Chart des Tages). Dies deutet auf eine anziehende Weltkonjunktur hin und reflektiert die Stabilisierungstendenzen der chinesischen Volkswirtschaft.

Chart des Tages: US-Stahlindex mit Doppelboden

 

Chart courtesy of StockCharts.com; http://stockcharts.com

Devisen & Edelmetalle: China im Goldrausch

 
  • EUR/USD: Im Vorfeld der EZB-Sitzung am Donnerstag ist der Marktkonsens auf weitere Stimulierungsmaßnahmen eingestellt. Gestern kam das Währungspaar aufgrund stark angestiegener Arbeitslosenzahlen in Spanien im Oktober (+87.000 vs. 31.000 erwartet) unter Druck und fiel bis an die untere Trendkanalbegrenzung des Aufwärtstrends seit Juli (1,3468), die auch heute Morgen als Unterstützung dient. EUR/USD konsolidiert in den letzten drei Tagen an dieser Unterstützung und eine Verletzung des Aufwärtstrends ist nicht auszuschließen. In diesem Fall wäre eine obere Umkehr wahrscheinlicher. Zum Ende vergangener Woche hat EUR/USD einen Fehlausbruch unter das Februarhoch bei 1,3711 ausgelöst und eine massive obere Umkehrkerze im Wochenchart ausgebildet. Die technischen Indikatoren unterstreichen die Abwärtsrisiken. MACD und Aroon sind auf "Verkaufen" umgeschwenkt. Der CCI ist ebenfalls bearish positioniert, aber der Stochastik hat ein neues Kaufsignal ausgelöst, so dass im Einklang mit dem Unterstützungsbereich der unteren Trendkanalbegrenzung zumindest kurzfristig eine Stabilisierung möglich ist. Unmittelbare Horizontalunterstützungen sind bei 1,3477 sowie 1,3468 vorhanden. Auf der Oberseite liegen die nächsten Widerstände bei 1,3532 und 1,3566. Eine Umstellung auf bearish erfolgt bei Unterschreitung der unteren Trendkanalbegrenzung ausgehend vom Julitief diesen Jahres. Neutral.
  • USD/JPY:  Kaum Bewegung ist in diesem Währungspaar festzustellen. USD/JPY konsolidiert bei aktuell 0,9851 unterhalb des Horizontalwiderstands bei 99,00. Sollte es zu einem Schlusskurs über 99,00 kommen, wäre ein kleiner Doppelboden vollzogen, der weiteres Aufwärtspotenzial bis in Richtung runder 100er Marke verspricht. In diesem Dunstkreis verläuft auch die obere Begrenzung der Abwärtstrendlinie ausgehend vom Hochpunkt im Juli diesen Jahres bei 101,50. Grundsätzlich befindet sich USD/JPY weiterhin in einer sich verengenden Handelsspanne, die in multiple Dreiecksformationen hineinläuft (ausgehend vom Maihoch/Junitief oder Julihoch/Augusttief). Aber erst ein Ausbruch aus den Dreiecksbegrenzungen würde eine neue Trendbewegung rechtfertigen. Haltezonen liegen bei 98,13 und 97,88. Auf der Oberseite sind direkte Widerstände bei 98,83 und 99,00 vorhanden. Die technischen Indikatoren haben sich verbessert. Der MACD sowie der Aroon sind positiv ausgerichtet. Die Oszillatoren sind mehrheitlich in richtungslose Bereiche umgeschwenkt. Neutral.
  • EUR/GBP: Das Währungspaar kam gestern aufgrund der schlechten spanischen Arbeitslosenzahlen und eines fulminanten britischen Einkaufsmanagerindex für den wichtigen Dienstleistungssektor unter Druck (stärkster Anstieg seit 16 Jahren auf 62,50 Punkte; erwartet waren 60,40 Zähler). EUR/GBP verlor gestern -0,78% auf 0,8396 und hat die signifikante Unterstützung bei 0,8450 nicht verteidigen können. Damit ist der Fehlausbruch unter die Nackenlinie des kleinen Doppelbodens bei 0,8465 bestätigt. Das Chartbild hat sich deutlich eingetrübt und die Abwärtsrisiken dominieren. Sollte es zu einem Schlusskurs unter das Intradaytief bei 0,8333 von Anfang Oktober kommen, müßte die gesamte Aufwärtsbewegung seit Anfang Oktober als ?Dead Cat Bounce? interpretiert werden. Auch die technischen Indikatoren MACD und Aroon sind auf die Verkaufsseite umgeschwenkt und bestätigen die bereits eingetrübten Signale des Stochastik Oszillators. Auf der Unterseite liegen Unterstützungen im Bereich von 0,8392 und 0,8374. Die nächsten signifikanten Widerstände sind bei 0,8408 und 0,8414 vorzufinden. Bearish.
  • AUD/USD:  Der Aussie versucht sich weiterhin in einer  Stabilisierung oberhalb der 0,9437 Horizontalunterstützung und kann heute Morgen leicht bis auf 0,9516 anziehen. Nach wie vor ist die Entwicklung der letzten Tage nur als Konsolidierung in einem intakten Abwärtsimpuls zu werten. Charttechnisch ist der steile Aufwärtstrend seit September nach unten gebrochen worden und ein kleiner Fehlausbruch unter den Pivotpunkt bei 0,9530 ist entstanden. Auf der Oberseite sind die nächsten Widerstände bei 0,9500 und 0,9525 vorzufinden. Unterstützt ist der Aussie bei 0,9485 und 0,9439. Die trendfolgenden Indikatoren unterstreichen die Abwärtsrisiken. MACD und Aroon zeigen Abwärtstrends an. Der Stochastik hat in der unteren Extremzone ein neues Kaufsignal ausgelöst und unterstützt die Stabilisierungstendenzen. Neutral.

 

 

  • Gold: Nachdem China seine Goldimporte in der ersten Jahreshälfte um 54% steigerte, dürfte bis Jahresende die Nachfrage die 1.000 Tonnen-Marke durchbrechen und Indien als größter Absatzmarkt abgelöst sein. In 2012 lag die chinesische Goldnachfrage bei 832,18 Tonnen. Damit steht die physische Nachfrage diametral zur Goldpreisentwicklung an den Terminmärkten in den USA und Großbritannien. Analysten gehen davon aus, dass ein erheblicher Anteil der Importe auf die chinesische Zentralbank zurückzuführen ist. Der Goldspotpreis kann von dieser Entwicklung nicht profitieren und  konsolidiert in den letzten drei Tagen oberhalb der $1.309 Unterstützung und ging mit $1.311,60 aus dem Handel.  Somit gab es kaum eine Veränderung. Kurzfristig ist das Chartbild angeschlagen, da die wichtige Unterstützung bei $1.321 nicht verteidigt werden konnte. Auch die Indikatoren trüben sich weiter ein. Der Aroon zeigt mittlerweile einen Abwärtstrend an und der MACD hat ein neues Verkaufssignal ausgelöst. Auf der Oberseite sind zunächst Anlaufpunkte bei  $1.321 und $1.329 vorhanden. Unterstützungen liegen bei $1.309 sowie $1.305. Grundsätzlich besteht weiterhin die Chance auf eine Bodenbildung. Sollte eine nachhaltige Überwindung der runden Marke von $1.400 gelingen sowie als Bestätigung der wichtige Horizontalwiderstand bei $1.433 herausgenommen werden, wäre eine inverse SKS-Formation abgeschlossen und der Blick würde sich wieder nach oben richten. Eine Umstellung auf bullish erfolgt bei Herausnahme des $1.433 Horizontalwiderstands. Neutral. Alle Edelmetalle mit Ausnahme von Palladium weisen angeschlagene Chartbilder aus. Palladium hingegen konsolidiert weiterhin oberhalb der Doppelbodenformation in einer potenziellen bullishen Flagge, die es aktuell versucht nach oben zu durchbrechen. Im Erfolgsfall würde ein Kaufsignal mit einem Aufwärtspotentzial von rund $62 entstehen.
Wichtige Wirtschaftstermine
Uhrzeit
Land
Indikator
Aktuell Prognose Zuletzt
09:55 Deutschland Einkaufsmanagerindex Dienstleistungssektor Oktober (endgültig) 52,90 52,30 53,70
10:00 EWU Einkaufsmanagerindex Dienstleistungssektor Oktober (endgültig) 51,60 50,90 52,20
10:00 EWU Einkaufsmanagerindex Gesamt Oktober (endgültig) 51,90 51,50 52,20
12:00 Deutschland Auftragseingang Industrie September m/m 0,60% -0,30%
16:00 USA Index der Frühindikatoren Oktober m/m 0,70 0,70

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Chart courtesy of StockCharts.com; http://stockcharts.com
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