Anleihen: Frieden erwartet

Während die Kurse an den Aktienmärkten vergangene Woche weiter stiegen, bewegten sich Anleihemärkte seitwärts. „Die Rentenmärkte zeigen sich stabil“, bemerkt ICF-Händler Arthur Brunner.

Die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen lag am Freitag bei 3,03 Prozent und damit in etwa auf dem Niveau der Vorwoche. Zweijährige rentierten mit 2,51 Prozent, ebenfalls in etwa so viel vergangenen Freitag. Im März waren es in der Spitze noch 3,13 Prozent beziehungsweise 2,77 Prozent.

 

„EZB scheint zunächst abwarten zu wollen“

Die Spekulationen um die Reaktion von EZB und US-Notenbank auf die anziehende Inflation gegen weiter: Bis Ende des Jahres werden für die EZB am Markt nun zwei Zinserhöhungen erwartet. „Am Markt setzt sich die Sicht durch, dass die EZB bei ihrer nächsten Sitzung Ende April die Füße stillhalten wird“, erklärt Leon Ferdinand Bost vom Bankhaus Metzler.

Das am Donnerstag für die Sitzung im März veröffentlichte Protokoll habe die abwartende Haltung unterstrichen. „Grundsätzlich scheint die EZB zunächst abwarten zu wollen, ob der Iran-Schock zu Zweitrundeneffekten in der Inflation führt.“

 

Bundesobligationen: Nicht mehr so beliebt

Die stark steigende Staatsverschuldung vieler Industriestaaten bleibt unterdessen nicht ohne Folgen, wie Brunner beobachtet hat. „Die jüngste Emission von Bundesobligationen war wieder unterzeichnet“, bemerkt er.

Für die Aufstockung eines bis 2031 laufenden Papiers mit Kupon von 2,5 Prozent (DE000BU25067) um 5 Milliarden Euro habe es lediglich Angebote für 4,1 Milliarden Euro gegeben. „Schon seit Anfang März gibt es keine Überzeichnung mehr.

 

„Umsätze mau“

Im Handel mit Unternehmensanleihen geht es eher ruhig zu. „Die Umsätze sind mau, es fehlen Impulse“, berichtet Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank. Käufe und Verkäufe meldet er für die 2028 fällige Anleihe der Deutschen Pfandbriefbank mit aktuell 4,15 Prozent Rendite (DE000A382665).

„Große Marktbewegungen gibt es nicht“, stellt auch Marcus Mielert von Oddo BHF fest. Ohne Auswirkungen für Lufthansa-Bonds blieben der Streik, befürchtete Kerosinengpässe und das Aus für die Lufthansa-Tochter Cityline.

 

Hochverzinsliches hält sich „erstaunlich gut“

Der Markt für High Yield-Anleihen hält sich Brunner zufolge „erstaunlich gut“. „Man geht davon aus, dass die Schließung der Straße von Hormus zeitlich begrenzt ist.“ Das zeige der iTraxx Crossover, das Stimmungsbarometer für Kreditrisiken von Unternehmen unterhalb des Investment-Grade-Ratings. Mit aktuell 285 Punkten signalisiere dieser Entspannung. „Ende März lag er noch bei 360 Basispunkten, 2022 wegen des Ukraine-Kriegs sogar bei 670 Basispunkten.“

Im Bereich der hochverzinslichen Bonds kommt die im März begebene neue Anleihe des Online-Kreditvermittlers Multitude gut an (NO0013726893), wie Brunner außerdem meldet „Die Anleihe kam mit 96,5 Prozent, jetzt sind es 103,25 Prozent. Und die Umsätze sind gut.“ Auch die alte Multitude-Anleihe mit Laufzeit bis 2028 (NO0013259747) sei gesucht.

Stabil zeigten sich Bonds der Beteiligungsgesellschaft Mutares (NO0012530965, NO0013325407) nach Bekanntgabe einer Kapitalerhöhung. „Beide Anleihen werden um 102 Prozent gehandelt“, stellt Brunner fest.

Walter Ludwig-Händler Daniel sieht Käufe und Verkäufe gleichermaßen für Homann Holzwerkstoffe mit Fälligkeit 2032 und aktueller Rendite von 7,42 Prozent (NO0013536169). Weiter stark angeschlagen bleibt die lettische Fluglinie Air Baltic. Ihr machen Flugstreichungen und gestiegene Treibstoffpreise infolge des Iran-Kriegs zu schaffen. Die Anleihe wird um 40 Prozent gehandelt, was bei der Laufzeit bis 2029 eine Rendite von knapp 55 Prozent ergibt (XS2800678224).

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