Anleihen: Gemischtes Bild

Börse FrankfurtIm Rahmen des fünften EZB-Langfristtenders der dritten Serie griffen in dieser Woche 388 Banken im Euroraum zu insgesamt 174,5 Milliarden Euro günstigem Zentralbankgeld. Die Mittel sollen nach dem Willen der Währungshüter die Kreditvergabe in der Pandemie-geplagten Wirtschaft ankurbeln.

Banken erhalten die drei Jahre laufenden TLTRO zu einem Zinssatz von 50 Basispunkten unterhalb des Einlagenzinses von derzeit -0,50 Prozent, vorausgesetzt die Finanzinstitute erfüllen die Vergabeziele. Mit den Krediten dürfte die Überschuss-Liquidität im Euroraum nach Schätzungen von Bloomberg erstmals über drei Billionen Euro liegen.

Da mit dem Tender ein Zinsertrag erwirtschaftet werden kann und sich weitere Geschäfte dieser Art in der Pipeline befänden, dürfte die Flut an Zentralbankgeld nach Ansicht der Helaba nicht so schnell abebben. Das stelle insbesondere für die Emissionen von Covered-Bonds eine Belastung dar.

 


 

Karlsberg-Emission frühzeitig beendet

Das Vertrauen in die Zukunft Karlsbergs scheint groß. Die Platzierung ihrer jüngsten Unternehmensanleihe beendete die Brauerei aufgrund hoher Nachfrage früher als geplant. „Die Zuteilungsquote für das mit jährlich 4,25 Prozent verzinste Papier war sehr gering“, beschreibt Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank. Entsprechend hoch sei die Nachfrage nach dem 50 Millionen Euro schweren Bond im regulären Handel. „Heute Morgen liegt der Kurs bei 101,78 Prozent.“

Grenke-Bonds stabilisieren sich

Nach dem Absturz vieler Grenke-Anleihen verbuchen Händler in dieser Woche durchweg starke Käufe. Rainer Petz von der Oddo Seydler Bank nennt beispielhaft eine im April 2021 fällige Anleihe des Leasing-Spezialisten mit einem Kupon von 1,5 Prozent. „Am 17. September lag diese im Tief bei 60 Prozent, aktuell notiert der Wert um 88 Prozent.“

Käufer einer im Oktober 2020 fälligen Grenke Finance-Anleihe mit einem jährlichen Zins von 1,5 Prozent vertrauten nach Meinung von Arthur Brunner von der ICF Bank scheinbar auf eine planmäßige Auszahlung. Aktuell notiert der Bond um 98,25 Prozent. Gleichzeitig habe sich eine im Oktober 2023 zur Rückzahlung anstehenden Grenke-Anleihe im Volumen von 300 Millionen Euro auf 83 Prozent nach oben gearbeitet.

Prüfungen sollen Klarheit bringen

Der Short-Seller Viceroy Research wirft Grenke unter anderem Bilanzbetrug und ein intransparentes Franchise-System vor. Die Anschuldigungen sollen nun durch ein von Grenke beauftragtes Gutachten entkräftet werden.

Derweil sieht die Ratingagentur S&P durch die im Raum stehenden Vorwürfe eine mögliche Beeinträchtigung hinsichtlich Liquidität und Finanzierung, unabhängig davon ob sie wahr sind oder nicht. Würde die Bonität der Bonds herabgestuft, könne sich zudem die Refinanzierung für das Unternehmen verteuern.

Touristikbranche spürt steigende Infektionszahlen

Vor dem Hintergrund steigender Covid-19-Fälle und möglicher Reisebeschränkungen zu den anstehenden Herbstferien trennen sich Anleger tendenziell von Bonds der Branche, wie Petz anmerkt.

Betroffen sei unter anderem eine bis 2075 laufende Lufthansa-Hybridanleihe mit einem Kupon von 5,125 Prozent. Aktuell notiert der Wert um 79 Prozent und damit deutlich leichter als zu Beginn der Woche.

Der Kurs einer mit jährlich 4,375 Prozent verzinsten Anleihe der französischen Hotelkette Accor sank von gut 96 auf 90 Prozent. Gleiches gilt für eine im Oktober 2021 fällige Anleihe von TUI.

Vertrauen in Otto und Symrise

Tendenziell gesucht ist Brunner zufolge eine siebenjährige Anleihe vom Holzmindener Duft- und Geschmacksstoffkonzern Symrise, die nominal jährlich 1,375 Prozent Zinsen bringt. Zu den meist gekauften Produkten gehöre bei der ICF Bank auch ein Bond von Otto mit einem Kupon von 2,5 Prozent und Fälligkeit im Juni 2023.

Raus aus VW

Hybridanleihen etwa von VW mit einem Kupon von 4,625 Prozent sieht Brunner tendenziell unter Verkaufsdruck. Der Wert notiert aktuell mit 105 Prozent deutlich leichter als am Montag. Dabei gebe sich der Autokonzern vor Beginn der Auto China 2020-Messe optimistisch hinsichtlich der Wachstumsaussichten im größten Automarkt der Welt. Ein Teil der Verluste vom ersten Halbjahr könnten bis Jahresende vermutlich aufgefangen werden. Der Anteil Chinas am weltweiten Absatz der Volkswagengruppe beträgt laut dem Konzern mittlerweile 40,8 Prozent.

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