Der DAX hängt über dem Abgrund

Bernstein Bank: Jetzt wird es brenzlig für die Bullen: Der deutsche Leitindex ist in Richtung der 200-Tage-Linie gerutscht. Darunter öffnet sich für den DAX ein tiefer Canyon, der Indikator sollte also besser über dem gleitenden Durchschnitt schließen. Wie die Amerikaner sagen: Do or Die – mach es oder stirb. Doch die Vorzeichen für Käufer sind alles andere als rosig.

Denn die Temperatur im Zollstreit zwischen China und den USA steigt.

 

Warnsignale aus der Chartanalyse
Der DAX ist zum Wochenbeginn weiter gen Süden abgetaucht, bevor er sich erholte. Der Index rutschte im Tief bis auf 11.622 Zähler. Damit näherte sich der Indikator der 200-Tage-Linie, die zuletzt bei etwa 11.618 Punkten verlief. Die 50-Tage-Linie hatte der DAX übrigens schon vorigen Mittwoch durchbrochen. Die beiden gleitenden Durchschnitte gelten als wichtige Indikatoren, an denen sich viele Anleger orientieren. Gut, dass Sie, werter Leser, CFD handeln – denn dann können Sie auch auf der Verkaufsseite gutes Geld verdienen, während Buy-and-Hold-Anleger, die Aktien besitzen, gute Nerven brauchen.

 


 

Deutsche Blue Chips bröckeln
Futter für die Bären gab es reichlich: So rutschten Deutsche Bank erstmals unter die Marke von 6,00 Euro. Broker machten dafür negative Analysten-Kommentare in Sachen Restrukturierung verantwortlich. Weiter sank die Aktie von Infineon kräftig ab: Börsianer kritisierten den Kauf von Cypress Semiconductor als zu teuer. Auch die Talfahrt von ThyssenKrupp ging weiter – der Titel bröckelte auf den tiefsten Stand seit 16 Jahren. Immerhin traf der deutsche Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe die meisten Prognosen und beruhigte die Lage ein wenig.

 

Neue Runde im Zollstreit
Bestimmendes Thema war allerdings auch auf dem Frankfurter Parkett der drohende Handelskrieg zwischen China und den USA. Die Führung in Peking plusterte sich rhetorisch auf: „China ist offen für Verhandlungen, wird aber bis zum Ende kämpfen, wenn es nötig ist“, tönte es in einem gestern veröffentlichten „Weißbuch“. Weiter hieß es, es seien die USA gewesen, die sich seit Februar 2018 dreimal nicht an ihre Versprechungen gehalten hätten. Als neueste Waffe will Peking eine Liste mit „unzuverlässigen“ ausländischen Firmen aufstellen.

Zuvor hatte Peking Strafzölle auf 5.140 US-Importwaren im Wert von 60 Milliarden Dollar erhöht, darunter Holz, Wein oder Flüssiggas.

 


 

Interessante Fußnote: Während die Medien hierzulande die Aktion als Ausdruck des verschärften Kampfeswillens von China deuteten und natürlich überwiegend die USA kritisieren, interpretierte das üblicherweise bestens informierte „Wall Street Journal“ die jüngste Wortmeldung aus der Volksrepublik ganz anders.

So habe Peking nun einen neu ausgewogenen Ton angeschlagen und – genau wie Mexiko – die Bereitschaft zum Verhandeln in Richtung USA signalisiert.

Wir sind gespannt auf die nächsten Schritte.

 

Nervosität in Asien
Für Nervenflattern sorgte unterdessen die Tatsache, dass Washington Indien nicht mehr als Entwicklungsland sieht und auch hier künftig Strafzölle erheben will. Der japanische Nikkei fiel am Montagmorgen auf den tiefsten Stand seit über vier Monaten, der Index verlor 0,9 Prozent auf 20.411 Punkte. Der chinesische CSI 300 hat derweil nahezu unverändert bei 3.632 Stellen geschlossen.

 

Auch die Wall Street blickt in den Abgrund
Und auch die Vorgaben von der Wall Street waren alles andere als rosig für die Bullen. Der Dow Jones ging am Freitag zur Schlussglocke mit einem Minus von 1,4 Prozent bei 24.815 Punkten ins Weekend. Auf Wochensicht ergab sich somit ein Minus von rund 3 Prozent, dies war der größte Wochenverlust seit Dezember. Der S&P 500 hatte am Freitag 1,3 Prozent auf 2.752 Zähler eingebüßt. Für den Nasdaq 100 ging es um 1,6 Prozent auf 7.128 Stellen nach unten.

Alle wichtigen Indizes an der Wall Street sind damit zum Schlussstand unter die 200-Tage-Linie gesunken. Hier ist also der Weg nach unten schon offen. Eine unerwartete Einigung im chinesisch-amerikanischen Zollstreit könnte natürlich für eine Bärenfalle sorgen. Unverhofft kommt oft an der Börse – behalten Sie also unbedingt immer ihre Handelsplattform im Blick.

 


 

Das bringt der Tag
Heute Nachmittag wird es richtig spannend: Aus den USA läuft um 15.45 Uhr der Markit- Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe im Mai ein (2. Veröffentlichung).

Um 16.00 Uhr folgt der ISM-Index verarbeitendes Gewerbe Mai. Zeitgleich tickern die US-Bauausgaben über den Bildschirm.

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