Die Goldenen Zwanziger

Bernstein BankWelch eine Freude an den Börsen: Endlich zeichnen sich Impfstoffe für Corona ab. Die Hoffnung auf eine Rückkehr zur Normalität schiebt die Kurse an. Die Medien bejubeln zudem den Wahlsieg des „richtigen“ Kandidaten und unterschlagen Indizien für den US-Wahlbetrug. Dazu pumpen die Zentralbanken Geld ohne Ende in die Wirtschaft.

Die aktuelle Euphorie erinnert stark an die Zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Das könnte auch diesmal böse enden. Wir beleuchten die Folgen für Ihre Investments.

 


 

Goldman sieht die Roaring Twenties

Die Analogie zur goldenen Epoche vor 100 Jahren ist nicht von uns. David Kostin von Goldman Sachs verwendete jüngst den Begriff „roaring ’20s“.

Dazu ein kurzer historischer Hintergrund: Amerika hatte im Ersten Weltkrieg die Zivilgüter für die westlichen Alliierten in Europa geliefert. England, Frankreich und co. hatten ja auf Kriegswirtschaft umgestellt. Ergo wurden viele Amerikaner wegen der verstärkten Nachfrage aus Europa reich.

Auch Banken und Konzerne hatten viel Geld parat, um in Deutschland zu investieren, das sich gerade durch die Hyper-Inflation von 1923 nach innen entschuldet hatte, indem es mit wertlosem Papiergeld die Reichskriegsanleihen zurückgezahlt hatte.

Als Europa wieder zur Zivilwirtschaft zurückkehrte, tobte die Überproduktion in den USA und Investoren zogen ihre Gelder vom alten Kontinent ab. Das Ergebnis war die Große Depression von 1929.

 

Wie auch immer: Goldman Sachs hob angesichts der Impfstoff-Euphorie gerade sein Ziel für den S&P 500 am Jahresende 2020 von 3.600 auf 3.700 an. Für Ende 2021 liegt die SPX-Prognose bei 4.300. Und für Ende 2022 bei 4.600.

Der Grund: Laut Kostin wird eine Impfung gegen Covid-19 zu einer allmählichen Normalisierung der Gesellschaft im Lauf des Jahres 2021 führen. Soll heißen: Die Gewinne der Firmen normalisieren sich.

 


 

Auch JPMorgan bullish

Auch JPMorgan hat ein optimales Ergebnis für den Aktienmarkt konstatiert – ein Idealzustand aus „Vaccine Rotation, Subsiding Risks“. Ergo werde der S&P 500 noch vor Jahresende die 3.600 erreichen und 4.000 Anfang kommenden Jahres knacken. Und noch besser: Der Index habe „a good potential for the market to move even higher (~4,500) by the end of next year.“

Doping für den SPX

Bleibt anzumerken, dass der S&P 500 schon bald durch eine einzige Aktie kräftig nach oben geschoben werden könnte: Tesla wird nun doch mit Wirkung zum 21. Dezember in den breiten Marktindex aufgenommen. Allerdings überlegt der Indexanbieter, die Aktie wegen der schieren Größe in zwei Tranchen aufzunehmen.

Geteilte Regierung in Washington

Zudem verwies Goldman Sachs auf eine wahrscheinlich geteilte US-Regierung hin, in der ein Senat unter republikanischer Führung Steuererhöhungen für Privatleute und Firmen blocken könnte.

Womit wir elegant zu den Störfaktoren der Hausse eingebogen sind: Möglicherweise werden die Demokraten im Januar zwei Senatssitze in Georgia holen, was zu einem Patt im Senat führen würde, bei dem der Vizepräsident entscheidet. Dann ist der Weg frei für Steuererhöhungen und staatliche Mega-Ausgaben für den Green New Deal.

Wahrscheinlich wird die Software von Dominion Voting Systems auch in Georgia wieder ihre wundersame Wirkung entfalten, genau wie bei der Präsidentschaftswahl. Das System ist offenbar in der Lage, ganz flugs und unbemerkt Stimmen von einer Seite zur anderen zu schieben, wie das Team Trump behauptet.

Wie „Fox News“ berichtete, gehört Dominion zu 60 Prozent einem gewissen Richard Blum. Der ist zufällig der Ehemann der mächtigen kalifornischen demokratischen Senatorin Dianne Feinstein. Es gibt schon unglaubliche Zufälle…

Korrektur voraus

Lance Roberts von RealInvestmentAdvice.com gab noch einen anderen bearishen Hinweis auf die Auszahlung von Investmentfonds und auf die verzögerte Wirkung eines Impfstoffs: „Given the more overbought condition, we expect a one to two-week correction at the beginning of December as mutual funds make their annual distributions. (…) The market has gotten back to more extreme overbought, extended and bullish levels. (…) Considering a vaccine won’t be widely available to mid-to late-next year, the economic weakness will continue to weigh on profitability for now. As such, we are taking profits in some of our more egregiously extended positions and will use a post-Thanksgiving correction to add back to holdings at a cheaper level.”

Soll heißen: Der Markt ist komplett überkauft, Fonds machen zum Jahresende Kasse und die Impfung wird noch eine Weile nicht bereitstehen. Ergo leidet die Wirtschaft und der Markt dürfte noch einmal abtauchen.

 


 

„Sell The Vaccine“

In die gleiche Richtung ging eine Wortmeldung der Bank of America – die nutzt die Hausse zum Ausstieg. Jüngst wies Chief Investment Strategist Michael Hartnett, darauf hin, dass der wöchentliche Zufluss in die Aktien auf einem Allzeithoch von 44,5 Milliarden Dollar pro Woche liege.

Ferner signalisiere die „Global Beadth Rule“ der Bank ein „Sell“-Signal – denn 91 Prozent der Landesindizes im MSCI hätten über dem 50- und 200-Tage-Durchschnitt notiert. Für Hartnett ist dies ein frühes Warnsignal, dass „that topping process has begun“.

Unser Fazit aus alledem: Die Bullen haben mit dem Impfstoff einen echten Gamechanger. Der wird allerdings nicht sofort zur Verfügung stehen. Wir hoffen, wir konnten Ihnen mit diesem Einerseits-Andererseits ein wenig Hilfestellung geben. Jedenfalls ist es nie gut, dem Markt blind zu folgen.

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